Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

30.10.2015, Kluges Guestfarm/Toro Babies Home, Kabahango/Fort Portal

Kluges Guestfarm, Kabahango, Uganda
Kabahango, Uganda

Wie es sich für einen Festtag gehörte, war das Wetter an diesem Morgen ausgesprochen schön und so waren Jochen und ich schon um 08:30 Uhr am Waisenhaus. Meine KollegInnen wollten vor der Party noch einige Überraschungseinkäufe für die Kinder in Fort Portal tätigen. Der Plumber/Sanitärfachmann David war mit seinen Gehilfen bereits bei der Arbeit. Die Fliesenleger trafen wenig später auch ein. Jochen fuhr Christine Buchhalterin und mich zu einem kleinen Shop, wo wir günstig 42 kg Bohnen und 41 kg Erdnüsse für 330.000 UGX einkaufen konnten, die den monatlichen Bedarf im Waisenhaus annähernd deckten. Beim indischen Dealer erstanden wir noch das am Vortag vergessene Vim-Klo-Reinigungsmittel und weitere Bälle für die Kinder, während Jochen zwischendurch noch einige Sack Zement beim Hardware Dealer einlud. Im MTN-Shop kümmerte sich Stefans Spezialist für PC-Probleme um meine Verbindung ins globale Dorf.

 

Die Einrichtung der Internet-Verbindung im Tablet mittels Micro-Sim-Karte hat dank seiner flinken Zauberhände nur eine Minute gedauert. Genial! Um die Ecke bei der Barclays Bank betrug das Bargeldlimit am ATM 2 x 800.000 UGX. Es folgte noch ein kurzer Stopp beim Postoffice, wo die Grüße an die Heimat in den Kasten geworfen wurden.

 

Just-in-time hatten war alles zügig erledigt und nach Rückkehr dekorierten wir gemeinschaftlich mit Christine, Lea und Michelle das Waisenhaus für das Kinderfest (wobei ich für den Fotodienst zuständig war). Die Matron Christine hatte bereits für die Möblierung gesorgt und gespannte, neugierige Kinderaugen lugten immer mal wieder um die Ecken. Das irgendetwas heute anders war, hatten die Kleinen sehr rasch registriert. Die Skepsis, was passieren würde, stand nahezu allen Kindern ins Gesicht geschrieben. Während des vormittags besuchten auch vereinzelt dem Toro BH verbundene Personen das Waisenhaus und erkundigten sich neugierig, welcher Anlass für das geschäftige Treiben verantwortlich war.

Kinderfest, Toro Babies Home, Fort Portal

Die Kinder aßen wie immer auf Matten sitzend und erschienen Punkt 12:00 Uhr alle frisch gewaschen, eingecremt und im Sonntagsdress zum Fest auf der Veranda beim Unterhaus. Alle Mothers und die Matron Christine hatten sich festlich gekleidet. Hmmh, dagegen nahmen wir uns völlig fehl am Platz aus. Kleidervorschriften haben eben in Afrika noch einen ganz anderen Stellenwert, wie in unseren europäischen Gesellschaften.

 

Mariam Kluge lieferte und baute zusammen mit ihrem professionellen Team von der Guestfarm das Buffet auf. Es gab Chicken Stew, Fried Fish, Rice, Irish Potatoes, Cabagge Salad, Sodas und Cup Cakes zum Dessert. Geschirr und Besteck wurde auch gleich von der Farm mitgebracht.

 

Die Mothers sorgten dafür, dass sich alle Kinder die Hände wuschen, denn sie essen ohne Besteck mit der linken Hand. Innerhalb einer halben Stunde war die hübsche Sonntagskleidung wieder dreckig, aber die Kinder mümmelten selig Portionen, die eigentlich dem Bedarf eines Erwachsenen entsprachen. Vor allem die Sodas waren heiß begehrt und da flossen schon einmal bittere Tränen, wenn vom Nachbarn ein Becher im Eifer des Gefechts umgeschüttet wurde.

Kinderfest, Toro Babies Home, Fort Portal

Nachdem die kleinen Bäuche gestopft waren, verteilte Matthias die von ihnen mitgebrachten Stofftiere an die Kinder. Die Wahl des passenden Tieres fiel den Kiddys schwer und da wurde dann schon einmal hin und her getauscht. In Entebbe hatte ich bei Ankunft einen Spielzeugladen leer gekauft und die Matron verteilte die Spielwaren an die einzelnen Mothers. Neue Schlappen und Bälle, ein Geschenk der Hospitationsgruppe, waren bei den Zwergen heiß begehrt. Aber wie immer, bereitete das Preiswerteste und Einfachste am meisten Spaß. Eine Seifenblasenpistole...

 

Völlig erschöpft und überdreht wurde es gegen 15:30 Uhr Zeit für den Mittagsschlaf der Kinder und ruck zuck war mit vereinten Kräften alles wieder aufgeräumt.

 

Zusammen mit Hassan und meinen KollegInnen brachen wir in Richtung Farm auf. Jochen überprüfte noch den Baufortschritt der Bäder und hatte am Nachmittag noch eine Verabredung mit Theo, einem Projektleiter der Welthungerhilfe, den wir 2012 bei Stefan kennengelernt hatten und der auf der Farm ein Wochenendhaus besitzt.

Angekommen auf derFarm trauen wir unseren Augen nicht. Aus jeder Ecke strömten lärmende Kinder, wurde Sportgerät herumgetragen, Campingequipment transportiert. Die Triathleten samt Anhang! Jeder Winkel des Geländes war voll mit campierenden Sportlern, ihren Kindern und Hunden. Der Parkplatz war rappelvoll belegt. Es handelte sich in der Mehrzahl um Expats aus Kampala.

Stefan, an dieser Stelle vielen herzlichen Dank für deine Weitsicht und die Möglichkeit in ruhigere Gefilde umzuziehen! An Vogelbeobachtung war nicht mehr zu denken.

Preussnektarvogel/Northern Double-collared Sunbird (Cinnyris reichenowi reichenowi) ♂, Kabahango, Uganda
Graubülbül/Dark-capped Bulbul (Pycnonotus tricolor), Kabahango, Uganda
Mantelaffe/eastern black-and-white Colobus (Colobus guereza occidentalis), Kluges Guestfarm, Kabahango

Für das Dinner hatten uns Kluges separiert und im Kaminzimmer gemeinsam mit einer vierköpfigen Reisegruppe von Taruk eingedeckt. Ulrike schien es ein wenig besser zu gehen. Sie fühlte sich nicht mehr ganz so heiß an. Barbara hingegen, die den Tag im Bett auf der Farm verbrachte, war gesundheitlich noch nicht über den Berg. Wir ließen den ereignisreichen Tag Revue passieren und erfreuten uns erneut an Stefans Kochkünsten (eure Avocados waren wahnsinnig lecker!) und hatten Spaß mit Ronet und Robert vom Service.

 

An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich bei Mariam und Stefan bedanken, dass sie zusätzlich zur hohen Arbeitsbelastung auf der Farm auch noch ein so leckeres Catering außer Haus für das Toro Waisenhaus perfekt realisieren konnten. Ihr reagiert einfach fantastisch, wenn ich mit meinen komischen Ideen um die Ecke komme, die ja oftmals recht kurzfristig bekannt gegeben werden.

 

Hier noch eine kleine Anekdote aus der Rubrik "Afrika ist ein Dorf": Während der Besichtigung des Lubaga Hospitals in Kampala kommt meiner Gruppe eine weiße Schwester entgegen. Die Überraschung war riesig, des es handelte sich um eine Kinderkrankenschwester, mit der Angela vor vielen Jahren ihre Schwesternausbildung in Deutschland absolviert hatte. Schon sehr lange hatten sich die beiden aus den Augen verloren.

Kluges Guestfarm, Kabahango, Uganda
Kluges Guestfarm, Kabahango, Uganda
auf Kluges Guestfarm, Kabahango, Uganda
Kluges Guestfarm, Kabahango, Uganda
Kluges Guestfarm, Kabahango, Uganda
Ronet, Kluges Guestfarm, Kabahango, Uganda

Jochen war plötzlich verschwunden… Ich fand ihn zusammen mit Theo, seiner Frau Gudrun, Stefan und Double Black Label an der Bar! Das müsste mittlerweile die zweite geleerte Flasche (und die Flaschen sind mit 1 Liter gefüllt) während unseres Aufenthaltes in Kabahango sein.

 

Gegen 22:00 Uhr war dann für uns und Kluges endlich Bettzeit. Noch ein kleiner Schlürschluck im Wohnzimmer für die Männer. Ich präparierte meine Ohren vorsorglich mit Ohropaxen, schaute noch ein wenig den Blitzen des Gewitters zu und glitt sanft hinüber in das Reich der Träume.

Stefan, Jochen, Theo, Kluges Guestfarm, Kabahango, Uganda
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