Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

31.10.2015, Kluges Guestfarm/Toro Babies Home, Kabahango/Fort Portal

Da Stefan ebenfalls Frühaufsteher war, konnte ich meinen heißen Kaffee noch im Pyjama auf der kleinen Bank vorm Haus genießen in Ruhe genießen, während Jochen bei einsetzender Dämmerung noch schlief. Zum Frühstück war dann mächtig Betrieb. Der Triathlon wird jedes Jahr Ende Oktober bei den Crater Lakes ausgerichtet und alle Sportler waren in Aufbruchstimmung. Jochen fuhr wieder früh am Morgen die 16 km bis ins Toro BH, um seinen Bauarbeitern ein gutes Vorbild zu geben. Julia, Hassan und ich folgten zwei Stunden später. Das Bilderbuchwetter lud zum Birden ein. Und wie bislang jeden Tag grüßte die Wetterküche des Victoriasees. An den Ruwenzoris Mountains hatten sich innerhalb kürzester Zeit schon wieder hohe Wolkentürme aufgerichtet. Unglaublich, wie schnell sich das entwickelte.

 

Erstaunlicherweise hielt sich die Moskitobelastung bislang in Grenzen. Lediglich in Entebbe gab´s einige wenige. Aber auch kein Vergleich zu anderen Jahreszeiten.

Kluges Guestfarm, Kabahango, Uganda
die ersten Wolken formieren sich schon wieder an den Ruwenzori Mountains, autgenommen 08:00 Uhr
Dunkelschnäpper/African Dusky Flycatcher (Muscicapa adusta), Kabahango/Fort Portal, Uganda
Ziernektarvogel/Variable Sunbird (Cinnyris venustus) ♂, Kluges Guestfarm, Kabahango, Uganda
1,5 Stunden später formierten sich die Wolken schon wieder für ihr heutiges Spektakel
Kabahango, Uganda
Kabahango, Uganda
Kabahango, Uganda

Mit Christine Buchhalterin diskutierten wir Ideen für die finanzielle Zukunft des Waisenhauses, Danksagungen an die Spender wurden geschrieben und ein Organigramm des Toro BHs erstellt. Der bereits vorhandene große Kanninchenstall könnte mit wenig Aufwand instandgesetzt und für die Zucht genutzt werden. Der zweite Gate Keeper Edward ist in der Lage die Langohren zu schlachten. Möglicherweise kann der Stall auch auf die Farm des Toro BHs nach Kasese transportiert werden. Dort wäre die Futtersituation noch besser für die Tiere, regte Matron Christine an. Darüber hinaus bestanden Pläne einen Hühnerstall zu errichten, um den Proteinbedarf der Kinder auf preiswerte Art und Weise zu erhöhen. Es wurden dringend qualitativ gute Stoffwindeln und Gummihosen benötigt, sowie für die kleinen Säuglinge, die in Uganda sehr teure Formulanahrung. Eventuell kann Julia in dieser Richtung ihre Kontakte spielen lassen. Vier bis fünf Wäschespinnen und Ständer wären eine sinnvolle Investition und Hilfe für die Mothers, denn im Moment liegt die Wäsche auf Rasen und Geländern und muss bei plötzlich einsetzendem Regen gerettet werden.

Julia, Toro Babies Home, Fort Portal
alter Kanninchenstall, Toro Babies Home, Fort Portal
alter Kanninchenstall, Toro Babies Home, Fort Portal

Mit Fr. Joseph, einem der Chairmen des Waisenhauses von der katholischen Kirche und Executive Director der Caritas, vereinbarte ich einen Besprechungstermin für den morgigen Tag, um unseren Verein Partnerschaft Gesunde Welt e.V. und unser Anliegen zu erklären.

 

Die Bäder nahmen Formen an. Nun muss nur noch verfugt und ein wenig Farbe an Wände und Decke gebracht werden.

Badrenovierung, Toro Babies Home, Fort Portal
Badrenovierung, Toro Babies Home, Fort Portal
Badrenovierung, Toro Babies Home, Fort Portal
Badrenovierung, Toro Babies Home, Fort Portal

Für die beiden Zwillingsmädchen, deren Mutter unter der Geburt verstorben war und deren arbeits- und mittelloser Vater die Babys nicht mit adäquater Nahrung versorgen konnte, hieß es heute Abschied nehmen vom Toro Waisenhaus. Die Kinder, nun aus dem Gröbsten heraus, wurden wieder in die Obhut des Vaters und der Großfamilie gegebenen. Die ältere Schwester der Kinder wird die Versorgung der Zwillinge übernehmen. Der Abschied war sehr, sehr tränenreich und herzzerreißend.

Vater und ältere Schwester der Zwillinge, Toro Babies Home, Fort Portal
Mother Rosette und ältere Schwester entfernen die künstlichen Haare aus den Frisuren der Zwillinge, Toro BH

Jochen ärgerte sich während des täglichen Gewitters darüber, dass die Dachrinnen verstopft, die Wassertanks trotz genügend Nass von oben leer waren und redete dem Gate Keeper William ins Gewissen, die Rinnen regelmäßig zu reinigen. Jochens Bauarbeiter übernahmen derweil die Reinigung. Dies bedeutete lediglich einen Aufwand von fünf Minuten je Rinne und schon flioß das kostbare Regenwasser wieder in die von uns im letzten Jahr instandgesetzten Wassertanks!

Toro Babies Home, Fort Portal
Jochen und Gate Keeper, Toro Babies Home, Fort Portal

Gegen 14:00 Uhr waren Julia, Hassan und ich zurück auf der Guestfarm. Jochen blieb noch im Waisenhaus, während ich Stefan von den Fortschritten im Toro BH berichtete. Ulrikes Gesundheitszustand hatte sich wieder ein wenig verschlechtert und Stefan empfahl, dass sie morgen nicht abreist, sondern noch einen Tag länger zum Auskurieren auf der Farm verbringt. Außerdem wollte er seinen guten Hausarzt in Fort Portal kontaktieren, damit er sich unsere Patientin vorsorglich doch einmal anschaut. Den Arzt lehnte Ulrike ab, hielt sich jedoch offen, ihren Abreisetermin am kommenden Morgen zu entscheiden (wir hätten für Ulrike das Taxi zur nächsten Unterkunft gespielt). Jochen und ich hatten unterdessen beschlossen in Kabahango noch einen Tag dranzuhängen, weil wir unbedingt noch die Fertigstellung der Bäder in Augenschein nehmen und vor allem noch einen ruhigeren Tag mit Mariam und Stefan ohne großen Gästetrubel verbringen wollten. Wir fühlen uns hier einfach wie Zuhause! Die Hospitationsgruppe musste am folgenden Tag abreisen, da das gebuchte Queen Elizabeth Bush Camp auf sie wartete

 

Völlig überraschend tauchten die beiden Schweizer Selbstfahrer Angelica und Daniel wieder auf der Farm auf. Sie waren bereits zusammen mit den beiden Pforzheimern in Ishasha, als sie massive Kupplungsprobleme bemerkten. Alles kein Thema! Stefan verfügt über eine hohe Problemlösungskompetenz gepaart mit grandiosem Zeitmanagement und hatte rasch seinen Mechaniker des Vertrauens gebeten, den Landrover heute Nachmittag direkt in Stefans Garage zu untersuchen. Jochen, mittlerweile auch wieder auf der Farm eingetroffen und ich freuten uns sehr über die angenehmen und weit gereisten Gesprächspartner. Es gab einiges an Reiseinfos betreffend Afrika auszutauschen. Der Mechaniker traf zusammen mit seinem Gehilfen keine Stunde nach Anruf auf dem Boda ein, diagnostizierte eine defekte Kupplung und bestellte sogleich in Kampala eine neue, welche über Nacht nach Fort Portal geliefert werden würde. Am morgigen Sonntag sollte sie hier auf der Farm eingebaut werden.

 

Die Triathleten trudelten nass und dreckig nach und nach wieder in Kabahango ein. Das Gelände füllte sich sichtlich, der Lärmpegel nahm zu, schlammverkrustete Mountain Bikes wurden auf dem Rasen neben dem Pool gereinigt.

 

Zum Dinner luden wir Angelica und Daniel an unseren ruhigeren Tisch im Kaminzimmer ein. Da heute Halloween war, sprang die Kinderschar der Gäste wild lärmend in Kostümen umher. Der Tag war für Kluges und ihr Team sehr arbeitsreich und so zogen wir uns begleitet von entferntem Wetterleuchten früh zurück in die Betten im hinteren Bereich der Farm.

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