Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

14.11.2015, Travellers Rest, Kisoro, 56 km

Dichte Nebelschleier hingen heute Morgen über den Urwaldriesen. So beförderten wir zunächst unser Gepäck in den Wagen und erklommen anschließend die schlüpfrige „Stairway to Coffee“.

Gorilla Valley Lodge, Rushaga, Bwindi NP, Uganda
Gorilla Valley Lodge, Rushaga, Bwindi NP, Uganda

Mit Buhoma im Norden, Nkuringo im Westen und Rushaga im Süden konnten wir drei der vier touristischen Anlaufpunkte im Bwindi auf dieser Reise erkunden. Die ornithologisch interessante Umgebung bei Ruhija heben wir uns für den nächsten Besuch in der Trockenzeit auf, wenn die Pisten wieder sicher befahrbar sind.

 

Der 1992 gegründete Bwindi Impenetrable Nationalpark schützt ein Gebiet von rund 327 qm² und hat den Status eines UNESCO-Weltnaturerbes 1994 erlangt. Seine Höhe variiert zwischen 1600 und 2600 Meter über dem Meeresspiegel. Daraus resultieren unterschiedliche Lebensräume und Vegetationsgebiete von Tieflandwald, über Sumpfgebiete, ursprünglichen Bergregenwald bis zur afromontanen Zone. Die Vegetation ist seit der letzten Eiszeit vor 25.000 Jahren nahezu unverändert erhalten geblieben. Der Park befindet sich am Rande des westlichen Rift Valleys im höchsten Teil der Kigezi Highlands. Mit 2607 Metern stellt der Rwamunyonyi Hill im Osten die höchste Erhebung dar. Die niedrigsten Gebiete befinden sich im Norden.

 

Der Bwindi-Wald weist ein tropisches Klima mit einer Jahresmitteltemperatur im Bereich von Minimum 7-15° C bis zu einem Maximum von 20 bis 27° C auf. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt im Bereich von 1400 bis 1900 Millimetern. Die höchsten Regenmengen fallen von März bis April und von September bis November.

 

Der afromontane Wald ist eines der artenreichsten Ökosysteme in Afrika. Das Gebiet beheimatet in seinen Wäldern mit undurchdringlichem Unterholzbewuchs (daher die Namensgebung Impenetrable) neben etwa 400 Berggorillas (ca. 50 % des weltweiten Bestands), neun weitere Primatenspezies, insgesamt 120 verschiedene Säugetierarten, etwa 350 Vogelarten, 51 Reptilienarten und an die 310 Schmetterlingsspezies. Im Südosten des Regenwaldes leben noch etwa 20 Elefanten, die auch hin und wieder von den Rangern auf ihren Streifzügen gesichtet wurden, berichtete uns Onesmus, der Ranger aus Rushaga. Es handelt sich aber nicht um die Unterart des Waldelefanten, wie Untersuchungen in 2001 ergaben, sondern um Savannenelefanten, die aus dem Queen-Elizabeth-Gebiet zugewandert sind. Der Park bietet Lebensraum für mehr als 1.000 Blühpflanzen, darunter 163 Baumarten und 104 verschiedene Arten von Farnen.

 

Der Bwindi stellt das östlichste Verbreitungsgebiet einiger westafrikanischer Vogelarten dar. Vor allem einige der etwa 180 verschiedenen Waldvogelarten, die sich innerhalb kürzester Zeit ohne große Mühen sichten ließen, haben mich begeistert. Eines der letzten grünen Paradiese auf unserer Erde, das durch den hohen Bevölkerungsdruck und damit einhergehender Rodung der Wälder stark bedroht ist!

 

Nachdem ich unsere Rechnung beglichen hatte (151 US$ Cottage pro Nacht inklusive Vollpension, nur Barzahlung möglich) verabschiedeten wir uns herzlich vom sehr netten Personal gegen 09:30 Uhr. Hier hat die Atmosphäre wieder für uns gestimmt! Bisher sind wir eigentlich auch noch nie von einer der Unterkünfte von Nature Lodges (unter niederländischer Leitung) und dem Schwesterunternehmen Gorilla Tours enttäuscht worden. Das Preis-Leistungsverhältnis und der Service waren immer ausgezeichnet.

                                                                                                                                                

Nach Rücksprache mit einem der Driver-Guides am gestrigen Morgen wählten wir die Muko-Road, um unserer Tagesziel Kisoro entspannt zu erreichen. Diese Piste hatte sich auch schon auf der Hinfahrt von Bunyonyi in gutem Zustand präsentiert und sie versprach zudem wunderbare Ausblicke. Mittlerweile hatte die Sonne ihr Werk getan und die letzten Nebelschleier aufgezehrt.

Gorilla Valley Lodge, Rushaga, Bwindi NP, Uganda
Gorilla Valley Lodge, Rushaga, Bwindi NP, Uganda
Karte Route Rushaga - Kisoro via Muko, OSM

Die Erdpiste wand sich am Berghang entlang, Abbruchkanten zur einen, Wälder zur anderen Seite. Hin und wieder kleine Ansiedlungen und schachbrettartig angelegte Felder, die an den steilen Hängen klebten. Jede Kurve eröffnete ein neues Panorama und wunderschöne Ausblicke über das Bergland.

im Hintergrund die Virunga-Vulkane, zwischen Rushaga und Muko
Muko-Road
Virunga-Vulkane zwischen Rushaga und Muko

Bei Muko Village, an der nördlichsten Spitze des Lake Bunyonyi, bogen wir auf die kurvenreiche neue Asphaltstraße in Richtung Kisoro ein, durchquerten das Echuya Forest Reserve und legten Fotostopps an verschiedenen View Points ein, um die Aussicht auf Kisoro und die Vulkankette zu bestaunen. Leider fehlte in unserer Reiseplanung die Zeit, um das Waldreservat östlich des Lake Bunyonyi zu erkunden. Das verbinden wir ebenfalls in der Zukunft mit einer Tour rund um den See.

Kabale-Kisoro-Road zwischen Muko und Kisoro
Kabale-Kisoro-Road zwischen Muko und Kisoro
Kabale-Kisoro-Road zwischen Muko und Kisoro
Kabale-Kisoro-Road zwischen Muko und Kisoro

Kisoro liegt im äußersten Südwesten Ugandas, dicht an Ruanda und der DR Kongo.

 

Uganda zählt zu den Ländern mit der weltweit liberalsten Flüchtlingspolitik. Wer nach Uganda flieht, der darf in der Regel bleiben, sich ein Haus bauen, arbeiten. Rund eine halbe Million Menschen aus den Bürgerkriegsländern der Region suchen hier Schutz: aus dem Ostkongo, Südsudan, Somalia, Eritrea und Burundi. Täglich erreichen bis zu einhundert Menschen die gigantischen Flüchtlingslager im Südwesten Ugandas. Dahinter steckt politisches und wirtschaftliches Kalkül. Quelle: Deutsche Welle

 

Die Herrschaft der Diktatoren im eigenen Land, der Völkermord in Ruanda, die Unruhen im Kongo, all das hat Spuren hinterlassen. Die Reste des großen Flüchtlingslagers sind am Rande Kisoros linkerhand noch sichtbar.

Die UN betreibt in dieser Ecke der Welt ihr größtes Experiment in Sachen Befriedung und Staatsaufbau (Ausgang offen).

 

Das Lager schien aktuell nicht in Betrieb zu sein. Das kann sich aber hier von einen auf den anderen Tag ändern. Die gewaltreiche kongolesische Region Nord Kivu ist bekannt für Kämpfe zwischen Aufständischen der M23-Gruppe und der Regierung. 2013 mussten 10.000 Menschen über Bunagana nach Uganda fliehen. Sie haben sich in der südwestlichen Provinz Kisoro niedergelassen. In 2015 sind mehr als 33.000 Menschen aus dem Osten der DR Kongo nach Uganda geflohen.

 

Die Rolle Ugandas und Ruandas in diesem Konflikt scheint nicht unerheblich zu sein, denn beide Länder (neben anderen) begreifen diese rohstoffreiche Region im Kongo als ihre Schatztruhe, aus der man sich ungeniert mit Gold, Diamanten, Kupfer und Coltan bedienen kann, wenn man die Zentralregierung in Kinshasa nur ausreichend in Schach hält. Wirtschaftliche Interessen werden zu Auslösern für bewaffnete Konflikte.

In dieser Region liegen Paradies und Hölle dicht beieinander!

UN-Flüchtlingslager bei Kisoro

Auf direktem Weg konnten wir wegen einer permanenten Straßensperre nicht in Kisoro einfahren und mussten eine Umgehungsstraße in Richtung ruandischer Grenze wählen, um zurück auf die Hauptstraße zu gelangen.

 

Gegen elf erreichten wir das Travellers Rest Hotel und wurden herzlich von Managerin Jennifer begrüßt. Bis unser Zimmer „Mutanda“ hergerichtet war, tranken wir im Garten einen guten Kaffee, nahmen die artenreiche Vogelwelt in Augenschein und schwätzten mit den Locals, die die Straße vor dem Hotel passierten.

 

Ein Feedback-Anruf bei Lydia, der Inhaberin der Nkuringo Gorilla Lodge, ergab, dass sie am kommenden Morgen von Entebbe nach Kisoro fliegen und gegen 09:00 Uhr am Flughafen eintreffen würde. Bevor wir nach Ruanda starten, vereinbarten wir ein kurzes persönliches Treffen im Travellers Rest.

Kisoro, Uganda
Kisoro, Uganda
Kisoro, Uganda
Kisoro, Uganda
Kisoro, Uganda
Travellers Rest, Kisoro, Uganda
Jochen, Travellers Rest, Kisoro, Uganda
Travellers Rest, Kisoro, Uganda
Travellers Rest, Kisoro, Uganda
Travellers Rest, Kisoro, Uganda
Mackinnonwürger/Mackinnon's Shrike (Lanius mackinnoni)♀, Kisoro, Uganda
Bergspint/Cinnamon-chested Bee-eater (Merops oreobates) Imm., Kisoro, Uganda
Bergspint/Cinnamon-chested Bee-eater (Merops oreobates) Imm., Kisoro, Uganda
Gelbkehlbülbül/Yellow-throated Greenbul (Atimastillas flavicollis flavigula), Kisoro, Uganda
Gelbkehlbülbül/Yellow-throated Greenbul (Atimastillas flavicollis flavigula), Kisoro, Uganda
Graunackenschwärzling/Grey-headed Nigrita (Nigrita canicapillus schistaceus), Kisoro, Uganda
Travellers Rest, Kisoro
Weißbrauenrötel/White-browed Robin-Chat (Cossypha heuglini), Kisoro, Uganda

Den frühen Nachmittag nutzten wir für einen Spaziergang in die Stadt, kauften im kleinen Supermarkt Tee und Instantkaffee und im Craft-Shop einige Mitbringsel für die Daheimgebliebenen. Im benachbarten Coffee Pot lernten wir zwei deutsche Pflegekräfte kennen, die im Kisoro Hospital einen Arbeitseinsatz absolvierten. Bei Kaffee und Tee führten wir eine interessante Unterhaltung.

Unter dem Namen Nkuringo Gorilla Junction betreibt Lydia an der Hauptstraße ebenfalls ein kleines Cafe mit angeschlossenem Kunsthandwerk-Shop.

 

Zurück im Travellers Rest richtete ich unser Gepäck für den morgigen Rückflug nach Europa, stürzte mich wieder auf Federkleidersuche, derweil Jochen die Zeugnisse aus vergangenen Tagen unter die Lupe nahm. An den Wänden im Hauptgebäude fanden  sich Auszüge aus alten Gästebüchern u.a. anderem auch von Bernard Grzimek.

 

Das Dinner (Set Menue) teilten wir lediglich noch mit einem deutschsprachigen Paar, das mit Fahrer und zusätzlich einer einheimischen, deutschsprachigen Reiseleiterin unterwegs war. Die hohe Stimmlage der ugandischen, jungen Reiseleiterin ähnelte auf eine verblüffende Art der „Minnie Mouse auf Helium“, die wir Ostern 2013 in einem Cafe in Zingst kennen gelernt hatten. Fast hätte ich für unseren Reisefreund Axel um ihre Kontaktdaten gebeten…

Room Mutanda, Travellers Rest, Kisoro, Uganda
Room Mutanda, Travellers Rest, Kisoro, Uganda
Room Mutanda, Travellers Rest, Kisoro, Uganda
Goldrückenspecht/Olive Woodpecker (Mesopicos griseocephalus ruwenzori)♀, Kisoro, Uganda
Goldrückenspecht/Olive Woodpecker (Mesopicos griseocephalus ruwenzori)♀, Kisoro, Uganda
Bronzenektarvogel/Bronze Sunbird (Nectarinia kilimensis kilimensis)♂, Kisoro, Uganda
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