Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

11.11.2015, Mutanda Lake Resort, Lake Mutanda

Um 05:30 Uhr wurden wir äußerst unhöflich geweckt. Das niederländische Oberhaupt der Großfamilie kommunizierte lautstark, über mehrere der dicht beieinander stehenden Zeltcottages hinweg, mit seiner Familie. Verblüfft über diese mangelnde Rücksichtnahme konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Ich sah in solchen Fällen direkter Nachbarschaft zu, dass  ich nachts versuchte sehr leise zu sein, um niemanden zu stören.

 

Für den offiziellen Weckdienst sorgte später das Hagedasch-Ibis-Paar, welches in den großen Baum vor unserem Zelt seinem Brutgeschäft nachging. Eine Schar Kronenkraniche bevölkerte den Baum vorm Restaurantgebäude und ließ sich zur morgendlichen Futtersuche unweit des Resortgeländes auf einem Feld nieder. Auch Familie Fischotter sagte guten Morgen.

 

Für die recht harten Matratzen wurden wir durch ein ausgezeichnetes Frühstücksbuffet u.a. mit Käse und Wurst entschädigt. Nach fast dreiwöchigem Aufenthalt in Uganda, stellte die große Schüssel schmackhaften Naturjoghurts ein kulinarisches Highlight dar.

Grauhals-Kronenkranich/Grey crowned Crane (Balearica regulorum), Lake Mutanda, Uganda
Grauhals-Kronenkranich/Grey crowned Crane (Balearica regulorum), Lake Mutanda, Uganda

Da der Vormittag recht trüb blieb, ich Taschentuchnachschub benötigte, beschlossen wir kurzerhand einen Ausflug ins 16 km/etwa 45 Minuten entfernte Kisoro zu unternehmen. Verbinden konnten wir das gleich mit der Buchung unseres Zimmers im Travellers Rest Hotel. Wir wählten die gut befahrbare Erdpiste, die sich direkt am Seeufer entlang schlängelt (nach rechts spielt auch der Wendekreis des Landcruisers mit), hatten einige schöne Ausblicke auf See und Sumpfgebiete. In den traditionellen Dörfern grüßten die Bewohner gewohnt freundlich. Die Locals ernähren sich hier hauptsächlich von Fischfang und der Ziegelherstellung. In Mucha stieß die Lake-Side-Road wieder auf die direkte Piste Rubuguri-Kisoro.

Karte Route Lake Mutanda - Kisoro - Kabahunde - Lake Mutanda, OSM

Wenige Kilometer vor Kisoro hatte der Landcruiser dann wieder besten Asphalt unter den Reifen. Vermutlich unter chinesischer Beteiligung erhielt die sehr breit angelegte Ausfallstraße in den Bwindi sogar große Regenwasserauffanggräben an den Seiten und war natürlich gespickt mit jeder Menge schöner, neuer Speed-Bumbs. Verkehrsberuhigung in einem Land, in dem man außer an Malaria und AIDS auch leicht am Fern- und Nahverkehr stirbt.

 

In Kisoro bogen wir auf die große Haupt- und Verbindungstraße in Richtung kongolesischer Grenze ein. Das 12.000 Einwohnerstädtchen - nur 14 km von der Kongo-Grenze entfernt - empfing uns nach der Ruhe der Berge mit einem wuseligen Verkehrschaos: haushoch mit Waren aller Art beladene Lkws, meistens schief bepackt und nur unzureichend gesichert, aus allen Richtungen überholende Bodas-Bodas, dazwischen „Matoke-Räder“ und ein buntes Gemisch aus Fußgängern.

 

Auf einer kleinen Anhöhe über Kisoro stellten wir unseren Wagen auf dem bewachten Parkplatz des berühmten Travellers Rest Hotels ab. Das Hotel wurde 1955 bis 1969 von Max Walter Baumgärtel, dem deutschen Mitbegründer des Gorilla-Tourismus, errichtet und geführt. Auch Dian Fossey und George Schaller wohnten regelmäßig hier.

 

Sehr nett begrüßt durch die Managerin Jennifer, machte ich zunächst unsere Zimmerbuchung für den 14.11. klar. Anschließend ließen wir uns auf einen Kaffee und für eine Erkundungstour im Innenhof der Hotelanlage inmitten einer wunderschönen Gartenanlage nieder. Zahlreiche interessante Dokumente und Zeitungsartikel aus vergangenen Tagen schmückten neben kongolesischer Holzschnitzkunst die Wände. Dieses einfache Hotel strahlt Charakter aus. Ich mag diese speziellen Plätze mit Historie, hatten wir selbst doch nicht die Möglichkeit, Afrika noch ursprünglicher und anders zu erleben. Nun müssen wir der Geschichte hinterher reisen.

Travellers Rest, Kisoro, Uganda
Springspinne (Salticidae), Travellers Rest, Kisoro, Uganda
Bronzenektarvogel/Bronze Sunbird (Nectarinia kilimensis kilimensis) ♂, Kisoro, Uganda

Weniger später verabschiedeten wir uns wieder. Im UWA-Office der Nationalparkbehörde an der Kabale-Kisoro-Road wollte ich eine Tourist-Map erstehen, welche aber nur nebenan im Coffee Pot, einem netten Cafe mit angeschlossenem Craft-Shop erhältlich war. Anschließend deckten wir uns im sehr gut sortierten indischem „Supermarkt“ mit Papiertaschentüchern und dem von uns heißgeliebten Dosen Kilimanjaro Kaffee ein, als Ferdinand, der Besitzer des Mutanda Lake Resorts im Shop erscheint. Auch er kaufte hier für den Gästebetrieb ein. Im Gegensatz zu uns nutzte er für die Anfahrt die zentrale Route über Kabahunde.

 

Gegen 11:30 Uhr traten wir den Rückweg an und wählten ebenfalls die zentrale Route, um noch einen Blick auf den Lake Muhele werfen zu können. Dieser, im Vergleich zum Mutanda viel kleinere See schaute nicht so einladend aus. Kann duchaus auch am trüben Wetter gelegen haben.

 

Kurz vor Kabahunde griff ich Jochen fast ins Lenkrad. Rechterhand in einem kleinen Busch posierte wieder einer der hübschen hellblauen Paradiesschnäpper. Ich konnte mich ihm bis auf wenige Meter nähern. Diese Vögel zeigen - zumindest in der Brutzeit - kaum bis wenig Scheu.

 

Vor wenigen Wochen hatten wir in einer NABU-Vogelbeobachtungshütte im Wesertal eine, mir sehr in Erinnerung gebliebene, belehrende Begegnung mit einem Vogelfotografen. Ein Eisvogel saß in etwa 15 Meter Entfernung unterhalb der Hütte auf einem Ast. Man dürfe die Kamera ja nicht bewegen! Der dadurch entstehende Lichtreflex kann die scheuen Vögel irritieren und sie verscheuchen. Im Gegensatz zu unseren heimischen hypernervösen Vögeln, zeigt sich die Vogelwelt in Afrika total tiefenrelaxt und die Vogelfotografie ist eine recht entspannende Angelegenheit, wenn man nicht gerade im Profibereich unterwegs ist und besondere Ansprüche an die Gestaltung des Fotos hat. Oftmals saß ich einfach nur mit einer Tasse Kaffee, einem guten Buch auf Veranda oder Terrasse, konnte abwarten und mich überraschen lassen, was so alles an Federkleidern in meiner direkten Nähe zu Besuch kam. Dies gilt übrigens gleichermaßen für bewohnte Orte wie Kisoro oder Fort Portal. Da ich noch an der Überwindung meiner Ungeduld arbeite, kommt mir das Wesen der afrikanischen Vögel aktuell eher entgegen.

 

Naja, Vogelbeobachtung in Deutschland kann frau ja auch als sportliche Herausforderung betrachten...

Senegalamarant/Red-billed Firefinch (Lagonosticta senegala)♂ ♀, Kisoro-Region, Uganda
Lake Muhele, Uganda
Weißschwanz-Haubenschnäpper/White-tailed Blue-Flycatcher (Elminia albicauda), Kabahunde, Uganda
Weißschwanz-Haubenschnäpper/White-tailed Blue-Flycatcher (Elminia albicauda), Kabahunde, Uganda
Afrikanisches Schwarzkehlchen/Common Stonechat (Saxicola torquatus axillaris)♀, zwischen Kabahunde und Lake Mutanda, Uganda
zwischen Lake Mutanda und Lake Muhele, Uganda

In Kabahunde bogen wir diesmal links ab und erreichten die Mushongero School natürlich wieder zur Pausenzeit. Insgesamt empfanden wir die Lake-Side-Road übrigens als besser in Schuss. Die Manöver, um die beiden letzten engen Kurven vor dem Mutanda Lake Resort, klappten auch. Im Resort-Restaurant trafen wir zur Lunchzeit auf Rose Marie, die Besitzerin der Lodge. Sie kommt mit ihrem Landcruiser auch nicht auf Anhieb um die Kurven und interveniert seit langem bei ihrem Mann, dass die Situation entschärft wird.

 

Nun sind wir aber erleichtert, dass es doch nicht an Jochens Fahrkünsten mangelt.

Bufumbira, Lake Mutanda
Lake Mutanda
Mutanda Lake Resort, Uganda

Den Nachmittag verbrachten wir wieder faulenzend auf dem Gelände, beobachteten entsetzt, wie im Nachbarzelt eine junge Familie mit schreiendem Säugling einzog, retteten eine kleine Fledermaus (hoffentlich kein Popobawa/Fledermausdämon). Aus den Augenwinkeln nahm ich etwa 10 Meter von mir entfernt im Gras eine Bewegung wahr. Es handelte sich um eine Fledermaus, die offensichtlich zwischen Zelt- und Strohdach der Chalets den Tag verschlafen wollte. Jochen hat sie in den Schatten bugsiert und wenig später sah ich, wie sie wieder in ihr Schlafquartier krabbelte.

 

Für ein Schläfchen reichte die Zeit auch. Jochen gab beim sehr netten Personal eine Autowäsche des völlig verschlammten Landcruisers in Auftrag.

Graufischer/Pied Kingfisher (Ceryle rudis), Lake Mutanda, Uganda
Schwarzmilan-aegyptius/Yellow-billed Kite (Milvus aegyptius), Lake Mutanda, Uganda
Bronzenektarvogel/Bronze Sunbird (Nectarinia kilimensis kilimensis) ♂, Lake Mutanda, Uganda
Bronzenektarvogel/Bronze Sunbird (Nectarinia kilimensis kilimensis) ♀, Lake Mutanda, Uganda
Bronzenektarvogel/Bronze Sunbird (Nectarinia kilimensis kilimensis) ♀, Lake Mutanda, Uganda
Nonnenastrild/Black-crowned Waxbill (Estrilda nonnula nonnula), Lake Mutanda, Uganda
Sumpfschnäpper/Swamp Flycatcher (Muscicapa aquatica infulata), Lake Mutanda, Uganda
Baglafechtweber/Baglafecht Weaver (Ploceus baglafecht)♀, Lake Mutandanda, Uganda
Sumpfschnäpper/Swamp Flycatcher (Muscicapa aquatica infulata), Lake Mutanda, Uganda
Lake Mutanda, Uganda
Fledermaus, Lake Mutanda, Uganda
Fledermaus, Lake Mutanda, Uganda
Fledermaus, Lake Mutanda, Uganda
Mt. Muhavura, Mt. Gahinga, Lake Mutanda, Uganda
Lake Mutanda, Uganda
Lake Mutanda, Uganda
Schwarzkopfweber/Uganda Yellow-collared Weaver (Ploceus melanocephalus dimidiatus), Lake Mutanda, Uganda
Lake Mutanda
Lake Mutanda
Lake Mutanda
Lake Mutanda
Lake Mutanda

Der nachmittägliche Regen verschonte uns und setzte erst abends ein. Bei einem schönen Glas südafrikanischen Sauvignion Blanc ließen wir dem Abend ausklingen.

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