Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

06.11.2015, Arcadia Cottages, Lake Bunyonyi, 124 km

Wir ließen es ruhig angehen, frühstückten gemütlich zusammen und verabschiedeten uns von Angela, Matthias, Esther, Ulrike, Barbara, Julia und Hassan, die über Lake Mburo via Entebbe gen Europa zurück reisen würden. Dann hieß es auch für uns Rechnung begleichen, Sachen packen, Verabschiedung – nicht ohne vorher nochmals einen Blick auf die Vogelwelt riskiert zu haben. Der hübsche gelbe Senegalbrillenvogel war auch eine „Neuerscheinung“.

Angelica, Daniel, Matthias, Buhoma Community Camp, Buhoma, Bwindi NP, Uganda
Afrikadrossel/African Thrush (Turdus pelios), Buhoma, Bwindi NP, Uganda
Jochen mit Staff vom Buhoma Community Camp, Buhoma, Bwindi NP, Uganda
Buhoma Community Camp, Buhoma, Bwindi NP, Uganda
Senegalbrillenvogel/African Yellow White-eye (Zosterops senegalensis toroensis), Buhoma, Bwindi NP, Uganda
Senegalbrillenvogel/African Yellow White-eye (Zosterops senegalensis toroensis), Buhoma, Bwindi NP, Uganda

Angelica und Daniel wollten wieder zurück ins Bunyonyi Overlander Camp, direkt ans Seeufer. Jochen und ich hatten als Ziel die Arcadia Cottages am Lake Bunyonyi. Die Aussicht hoch oben am Hang soll fantastisch sein. Wir verabredeten uns auf ein gemeinsames Dinner an einem der folgenden Abende im Birds Nest, welches die Beiden schon getestet hatten und das unter belgischer Leitung geführt wird.

                             

Das Wetter war prima an diesem Vormittag. Nichtsdestotrotz wissen wir, wie schnell sich das hier in den Bergen ändern kann und damit einhergehend auch die Pistenverhältnisse. Da kann man für 130 km dann auch schon einmal einen ganzen Tag benötigen.  Zunächst führte uns die gewählte Route zurück gen Norden durch kleine Wälder, Tee- und Kaffeeplantagen, immer wieder kombiniert mit Bananenpflanzungen. Einen kurzen Fotostopp legten wir nochmals am Ishasha River ein, in Kanyantoroogo wählten wir die Murram Road Richtung Kanungo.

Karte Route Buhoma - Lake Bunyonyi, T4Africa
Ishasha River zwischen Kayeshero und Butogota, Uganda
zwischen Kayeshero und Butogota, Uganda
Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
Kaffeebohnen werden in der Sonne getrocknet, Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
Kaffeebohnen, Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
Kanungo-Kabale-Road
Kanungo-Kabale-Road
Kanungo-Kabale-Road
Kanungo-Kabale-Road
Kanungo-Kabale-Road
Kanungo-Kabale-Road
Kanungu

Dem Landcruiser haben wir in Kanungo noch ein wenig Diesel spendiert. Der örtliche Kreisverkehr war etwas unübersichtlich, eine Ausschilderung fehlte völlig. Dem Nüvi kann man in dieser südwestlichsten Ecke Ugandas nur bedingt vertrauen (sowohl T4A wie auch OSM wiesen große Lücken auf). Also am besten nach Karte fahren – vor allem die regionalen Detailkarten im Bradt Travel Guide waren uns eine große Hilfe. Noch hilfreicher war ausreichend Zeit und immer mal wieder anhalten und die Einheimischen befragen. Die schmale Bergpiste ab Kanungu wies gleich zu Beginn eine kleine Wasserdurchfahrt auf, die die Locals in eine Boda- und PKW-Waschanlage umfunktioniert hatten. Viele Bäche verwandeln sich in der Regenzeit in reißende Flüsse, über- und unterspülen die Murram Roads. Erdrutsche und Felsabgänge sind an der Tagesordnung.

Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda

Die Strecke führte durch herrlich grüne Plantagen, wechselte sich mit Nadel- und Eukalyptuswäldern ab, die zur nachhaltigen Nutzholzversorgung der Bevölkerung dienen. Nach wie vor wird in Uganda mehr alter, wertvoller Baumbestand abgeholzt, wie neu angepflanzt wird. Auf den Feldern begegneten uns hautsächlich Frauen und Kinder. Landwirtschaft ist Frauenarbeit. Und Veränderungen, die Frauen das Leben erleichtern, brauchen nicht nur in Uganda viel Zeit. Hin und wieder durchquerten wir kleine Dörfer mit freundlich grüßenden Menschen, kauften ihnen Bananen als Wegzehrung ab und erfreuten uns an der wunderbaren Fernsicht über das Kigezi-Hochland. Wie friedlich doch alles von hier oben in der Ferne aussieht.

 

In Hamurwa (diesen Ort kennt das Nüvi nicht), einem Verkehrsnotenpunkt für Bodas und Matatus endete die Piste und wir freuten uns, die geteerte Kabale-Kisoro-Road unter die Räder nehmen zu können. Die Besiedlung nahm rasant zu, ebenso wie das pittoreske Straßenleben und die aus der Entfernung unkalkulierbaren Speedbumbs. Kurz vor Kabale fuhren wir auf Angelica und Daniel mit ihrem Landcrusier auf, die nicht wenig später rechts abbogen in Richtung Lake Bunyonyi. Etwa drei Stunden benötigten wir für die Stecke bis Kabale und waren doch sehr froh, dass wir unterwegs von Regen verschont wurden. Für uns standen noch einige Erledigungen in der größten und lebhaftesten Stadt im Südwesten Ugandas auf dem Programm.

Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
Nadelbaumanpflanzungen, Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
Kanungo Road Richtung Kabale, Uganda
zwischen Hamurwa und Kabale, Uganda
zwischen Hamurwa und Kabale, Uganda
zwischen Hamurwa und Kabale, Uganda
zwischen Hamurwa und Kabale, Uganda
zwischen Hamurwa und Kabale, Uganda
zwischen Hamurwa und Kabale, Uganda

Kabale war eine einzige Baustelle. Die Hauptstraße wurde komplett saniert und so war es etwas tricky den großen MTN-Shop zu finden, bzw. anzusteuern. Die Simkarte im Tablet war leer georgelt und verlangte mit Shillings aufgeladen zu werden. Bis der kompetente Fachmann dafür gefunden war, dauerte es etwas 1,5 Stunden. Die Ugandaer sind lieb und nett, möchten helfen und versuchen das Problem erst einmal selbst zu lösen. Zeit spielt keine Rolle. Und da wir schon einmal hier waren, wollte ich auch noch ein wenig „Schaufenster“ bummeln und mich nach einem leichten Kleid umschauen. Jochen hat nämlich immer so viel Spaß beim Handeln.

Kabale

Bedingt durch die großflächige Baustelle, teilweise auch in den Nebenstraßen, wählten wir unbeabsichtigt eine Nebenstrecke zum Lake Bunyonyi und mussten zweimal auf schmaler, steiler Bergpiste wenden. Julias,  ein netter Einheimischer, begleitete uns schließlich zu den Arcadia Cottages, die hoch oben über dem See auf ca. 2200 Meter Höhe thronten. Von der großen Terrasse, auf der wir uns erst einmal niederließen, konnten wir einen wirklich fantastischen Ausblick über den glitzernden See mit seinen vielen kleinen Inseln genießen. Eingefasst ist der See, von Halbinseln und Buchten, steil terrassierten, landwirtschaftlich genutzen Hängen.

Lake Bunyonyi, Uganda

Aus Gefälligkeit luden wir Julias, einen Mitarbeiter des Public Works Department in Kabake (vergleichbar mit unserem Bauamt) zum Tee ein. Auf Nachfrage berichtete er, dass sich die Arcadia Cottages in einheimischer Hand befanden. Während sich die Männer angeregt mit einer hübschen kenianischen Touristin unterhielten, begutachtete ich die Zimmer. Es standen aktuell zur Wahl die alten Cottages und die neuen Cottages, welche etwas höher lagen. Aufgrund der besseren Sicht und der schöneren Innenraumaufteilung, entschied ich mich für das alte Cottage No. 3. Die Matratzen waren bequem, Zimmer und Bad sauber, wobei letzteres eine Renovierung verdient hätte. Etwas weiter unten am Hang wurden einige schöne neue Familiencottages gebaut. Ich verstehe nicht wirklich, warum man in Afrika gerne Altes verfallen lässt und lieber Neuinvestitionen tätigt.

 

Die anschließenden etwas zähen Preisverhandlungen überließ ich Jochen. Lediglich ein weiteres Cottage war durch andere Reisende belegt. Geeinigt haben wir uns letztendlich auf 110 US$ bed & breakfast anstatt 150 US$ für das Häuschen. Die Arcadia Cottages verfügen auch über ein eigenes Boot unten am See (Jetty Bunyonyi Overlander Camp). Die uns vom Assistentmanager offerierten Boat Cruises waren meines Erachtens recht preiswert. Morgens starten, Ausflug zu einer der 29 Inseln im See, Lunch in einem der Inselresort (nicht im Preis inkludiert) kosten unabhängig von der Personenzahl lediglich 120.000 UGX (etwas 34 €). Da das Wetter aber unvorhersehbar war, wollten wir uns nicht auf eine Tour festlegen und erst am folgenden Morgen entscheiden. Am späten Nachmittag öffnete der Himmel mal wieder seine Schleusen. Gedroht hatte er uns ja schon den ganzen Tag damit. Wir nutzten die Wettersituation, um uns häuslich einzurichten und eine Pause einzulegen.

 

Bunyonyi bedeutet Ort der vielen kleinen Vögel. Allerdings war davon nach dem Unwetter nicht viel zu spüren. Nachdem Jochen den linken, nicht mehr funktionstüchtigen Scheibenwischer am Landcruiser wieder gangbar gemacht hatte, fuhren wir runter an den See ins Birds Nest. Sowohl vom Gate Keeper wie auch vom Servicepersonal wurden wir sehr freundlich empfangen. Das Interieur des Restaurants, wie auch der Terrasse mit Blick auf See und Pool, gefielen uns ausgesprochen gut. Ein heimeliges Campfire verbreitete angenehme Wärme im Outdoorbereich, darum gruppiert - bequeme Lounge-Ecken. Die charmante, aufmerksame Bedienung Happy war tatsächlich eine Freude, ebenso wie die zur Auswahl stehenden Speisen und Getränke. Das Dinner war einfach sensationell gut mit einer ganz besonders leckeren Soße. Der Koch Edison versteht sein Handwerk. Wir bedankten uns persönlich bei ihm für diese Glanzleistung, notierten seine Kontaktdaten, falls Stefan mal wieder Bedarf hat. Unsere angebrochene Flasche Wein parkten wir hier gleich für den nächsten Tag. Klar, dass wir wieder kommen.

 

Sehr entspannt saßen wir noch ein wenig auf der Veranda unseres Cottages, hoch über dem See und genossen den Sternenhimmel. So langsam schalten wir um in den Erholungsmodus und ließen die Seele baumeln.

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© Marina Meger 2017