Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

04.11.2015, Buhoma Community Camp, Buhoma, Bwindi Nationalpark, 137 km

Die letzte Nacht war sch... Es begann damit, dass wir gegen 22:00 Uhr laut lamentierende Zeltnachbarn zur Linken und zur Rechten erhielten. Bis man sich denn so eingerichtet und alles Wichtige lautstark mitgeteilt hatte, verging über eine Stunde. Offensichtlich haben Zelte doch lärmgedämmte Wände! Die Rücksichtslosigkeit und der Egoismus einiger Zeitgenossen verblüfft mich immer wieder. Ich versuchte nachts krampfhaft meinen quälenden Husten zu unterdrücken, um niemanden zu stören... Langsam neigte sich auch unser Vorrat an Papiertaschentüchern dem Ende entgegen.

Karte Route Queen Elizabeth NP - Buhoma, T4Africa

Wir frühstückten bereits gegen 06:30 Uhr, beglichen unsere Außenstände und waren eine halbe Stunde später auf der Erdpiste Richtung Ishasha. Elis kreuzten die Straße auf Höhe Kazinga Village und eine kleine Herde Wasserböcke präsentierte sich im Licht der aufgehenden Äquatorsonne. An der zweiten Brücke legten wir einen längeren Stopp ein, zu idyllisch war dieses ruhige Fleckchen Erde mitten im Maramagambo Forest des Nationalparks. Als das Gelände wieder offener wurde, suchten wir in der Ferne alle größeren Bäume nach den berühmten Baumlöwen ab, aber so ein Glück wie 2012 war uns dieses Jahr nicht gewährt. Entschädigt wurde ich mit einer Rotnasen-Grüntaube, die in meiner Sammlung noch fehlte. Erste Topis, Kobs, Büffel und Elefantenherden bewegten sich wieder zahlreicher in der savannenähnlichen Landschaft.

Queen Elizabeth NP, Uganda
Palmgeier/Palm-nut Vulture (Gypohierax angolensis), Queen Elizabeth NP, Uganda
Queen Elizabeth NP, Uganda
Maramagambo Forest, Queen Elizabeth NP, Uganda
Rotnasen-Grüntaube/African Green-Pigeon (Treron calvus), Ishasha, Queen Elizabeth NP, Uganda

Bereits gegen 09:30 Uhr passierten wir das Katookye Gate im Ishasha Sektor. Die Piste war in hervorragendem Zustand. Gerade aus ging´s weiter in den Kongo, wir bogen links ab und durchquerten Kihihi. 2012 haben wir eine Nacht im dortigen Savanna Hotel übernachtet.

 

Während eines kurzen Fotostopps telefonierte ich Hassan an. Er sollte mit Esther & Co. von Ishasha, wo sie im @ the River übernachtet hatten, ebenfalls Richtung Buhoma unterwegs sein. Es stellte sich heraus, dass sie nur wenige Kilometer hinter uns waren. Na wunderbar, dann verabredeten wir ein Zusammentreffen am Gate des Bwindi Nationalparks, da ich annahm, das The Haven, der Luxusableger des Buhoma Community Camps ebenfalls im Park liegt.

Ishasha, Queen Elizabeth NP, Uganda
Ishasha, Queen Elizabeth NP, Uganda

Hinter Kanyantoorogo wand sich die Murram Road in sanften Steigungen durch üppig grüne Teeplantagen. Der Ishasha River mäanderte zu unseren Füßen durch das Tal. Das Crested Crane Hotel bei Butogota machte seinem Namen alle Ehre. Auf einer großen Wiese unterhalb des Hotels konnten wir uns an einer großen Anzahl dieser schönen Tiere, dem Nationalvogel Ugandas, erfreuen.

 

Die Wäldgebiete nahmen wieder zu und wir verstanden, warum diese Region früher als die Schweiz Afrikas bezeichnet wurde. Hinter Butogota wiesen die Schilder zahlreicher Touristenunterkünfte nach Rechts. Folgt man der Straße gerade aus, erreicht man Kanungu.

 

Immer trafen wir auf die afrikanische, naturnahe Variante von Gewächshäusern. Unter einem Dach aus trockenen Buschwerk wurden unter Plastikplane die empfindlichen jungen Teepflanzen herangezogen und vor der starken Sonneneinstrahlung geschützt, bis sie später robust genug sind und in den Plantagen ausgepflanzt werden können. Stefan Kluge war übrigens vor ca. 20 Jahren als Leiter eines EU-Projektes maßgeblich daran beteiligt, den kommerziellen Plantagenteeanbau wieder in Uganda zu repatrieren.

 

Nun darf man nicht glauben, dass man auf den lokalen Märkten preiswert säckeweise die beste ugandische Teequalität einkaufen kann. Angela musste sich diesbezüglich von Stefan belehren lassen, das die A-Qualität in den Supermärkten angeboten wird und auf den Dorfmärkten lediglich der Ausschuss landet.

Ishasha River zwischen Kanyantoroogo und Buhoma
Grauhals-Kronenkranich/Grey crowned Crane (Balearica regulorum), The Crested Crane Bwindi Hotel, Butogota
zwischen Butogota und Buhoma
Gewächshäuser für Teepflanzen, zwischen Butogota und Buhoma
Gewächshäuser für Teepflanzen, zwischen Butogota und Buhoma

Wolken zogen auf und hüllten das vor uns liegende Hochland ein. Diese Region der Großen Seen, die den östlichen Grenzverlauf des Kongo zu den Nachbarländern Uganda, Ruanda, Burundi und Tansania markiert gilt als die regenreichste Ostafrikas und Buhoma wiederum ist das nasseste Gebiet innerhalb der Bwindi Region. Doch ich will nicht vorgreifen…

 

Gegen 11:30 Uhr durchquerten wir Buhoma Village. Die Hauptstraße war flankiert von Craftshops, ein großer Schilderwald wies auf Unterkünfte jeder Art und für jeden Geldbeutel hin. Wir erreichten zeitgleich mit Hassan das Nationalpark Gate, mussten aber wenden, da The Haven Lodge außerhalb des Community Camps über eine steile, ausgefahrene Piste abseits der Hauptstraße Richtung Silverback Lodge zu erreichen ist. Aber auch das meisterten wir schön langsam und vorsichtig, denn mittlerweile hatte es mal wieder begonnen zu regnen und die Erdstraße verwandelte sich ratz fatz in eine glitschige Schlammrutschbahn.

 

Vom Lodgepersonal wurden wir herzlich mit Drinks und feuchten, heißen Tüchern begrüßt. Der Manager musste uns jedoch mitteilen, dass die beiden Doppelzimmer für Angela/Matthias und Jochen/Marina überbucht seien und erst ab Morgen zur Verfügung stehen würden. So sollten die Paare zunächst eine Nacht im Buhoma Community Camp nächtigen und erst anschließend für eine weitere Nacht in die Haven Lodge umziehen. Als Entschädigung wäre das Lunch für uns vier kostenfrei. Wir beratschlagten uns kurz mit Angela und Matthias und kamen beide zu dem Ergebnis, dass wir für zwei Nächte im Community Camp unterschlüpfen werden, denn dauernd Koffer packen und umziehen ist lästig. Es war nun auch nicht wirklich ein großer finanzieller Verlust, denn Douglas hatte sehr, sehr hart verhandelt, um hier den gleichen Preis für unsere Gruppe, wie in der Gorilla Valley Lodge in Rushaga zu erhalten, wo wir ursprünglich das Gorilla-Tracking absolvieren wollten. Da aber das Tracking lt. einhelliger Meinung in Buhoma am einfachsten sein sollte und die Gorillas in der Regel schnell zu erreichen sein würden, habe ich Douglas gebeten die Permits für Buhoma zu bestellen und entsprechend umzubuchen.

 

Wir schlürften entspannt unseren heißen Kaffee auf der offenen Veranda und genossen den fantastischen Ausblick direkt in den Bergregenwald des Bwindi. Bei Sonnenschein wär´s vermutlich noch schöner gewesen. Meine KollegInnen berichteten vom totalen Reinfall in Ishahsa. @the River war offensichtlich trotz langfristiger Buchung nicht in der Lage für anständige En-Suite-Unterkünfte zu sorgen. Ulrike und Julia wurden in eine Banda ohne Bad und Toilette gesteckt. Management und Service waren eine einzige Katastrophe.

 

Zum Lunch wurden leckere Spaghetti serviert und anschließend packten wir Angelas und Matthias Gepäck in unseren Landcruiser, quetschten uns zu viert dazwischen und fuhren vorsichtig wieder runter zum Community Camp hinter der Parkschranke, gleich links.

zwischen Butogota und Buhoma
zwischen Butogota und Buhoma
Fiskalwürger/Common Fiscal (Lanius collaris), Buhoma, Bwindi NP. Uganda

Willkommen geheißen wurden wir vom Personal mit Regenschirmen zu unserer Rettung. Das Camp liegt am Hang und bietet neben einer Campsite Cottages, Bandas und Zeltunterkünfte an. Alle Unterkunftsoptionen sind bereits in den Wald integriert oder grenzen an und sind nur zu Fuß über einen steilen, schmalen Weg zu erreichen. Man kann also nicht mit dem Wagen direkt auf die Campsite fahren. Das heute nahezu ausgebuchte Camp wird von der lokalen Gemeinde betrieben, verwaltet sich selbst und alle Einnahmen fließen an die Community.

 

Wir entschieden uns für das Zelt "Chameleon" recht weit unten am Hang, mit angeschlossenem Bad, schöner Veranda und Ausblick in den Regenwald. Das Zelt war einfach, aber zweckmäßig und sauber. Wir richteten uns ein und suchten anschließend wieder den kombinierten Restaurant-Rezeptionsbereich auf und machten es uns bequem in der Lümmelecke. Es war nasskalt, zugig, meine Nase lief immer noch in Strömen. Eine Schmerztablette würde gute Dienste leisten.

 

Für den Nachmittag hatte ich einen Community-Walk kombiniert mit dem Batwa Trail, dem Besuch bei den Pygmäen geplant. Hassan traf mit Esther & Co. gegen 15:00 Uhr im Camp ein und bewaffnet mit Regencapes und möglichst wasserfesten Schuhen machte sich Jochen bei Regenwetter zusammen mit Matthias und den Mädels auf den Weg ins Dorf. Ich hielt derweil die Stellung im Camp und plauschte ein wenig mit dem netten Manager. Irgendwann riefen Angelica und Daniel, die beiden Schweizer Selbstfahrer an. Sie hätten meine SMS erst heute Morgen gelesen, rasch ihr Equipment am Lake Bunyonyi zusammengepackt und quälten sich seit dem Morgen über die Ruhija-Road durch den Schlamm nach Buhoma, um mein Gorilla-Permit zu übernehmen. Nächtlicher Regen hatte aus der Lehmpiste Sümpfe gemacht. Die Murram Road war eine einzige Schlammsuhle, die Schweizer steckten bereits schon zum zweiten Mal fest und liegen gebliebene LKWs blockierten die Piste. Aber, sie waren immerhin auf dem Weg.

 

Der Meeting-Point für das Gorilla-Tracking und Rangerposten liegt direkt neben dem Community Camp im Wald. Ich erkundigte mich dort nach einem weiteren Gorilla-Permit für Angelica. Alles kein Problem, obwohl die trackende Gruppe dann neun Personen stark ist. Mein Permit würde ebenfalls völlig unkompliziert auf Daniel umgeschrieben werden können. Driver Hassan verfügte über die Dokumente und würde alles regeln.

 

Während sich Jochen mit Esther & Co. durch den Matsch kämpfte, widmete ich mich von der Veranda der Vogelwelt und erwischte mit Erzschwalbe, Lappenschnäpper und Tambourintaube einige für mich neue Arten, wenn auch in schlechter Fotoqualität.

Ensuite Tent "Chameleon", Buhoma Community Camp, Buhoma, Bwindi NP
Lappenschnäpper/Brown-throated Wattle-eye (Platysteira cyanea nyansae)♂, Buhoma, Bwindi NP, Uganda
Tamburintaube/Tambourine Dove (Turtur tympanistria), Buhoma, Bwindi NP, Uganda

Am späten Nachmittag trudelten, abgekämpft aber fröhlich Angelica und Daniel ein. Bei trockenen Bedingungen kann man die ca. 110 km auf der engen, kurvenreichen Erdpiste in ca. vier Stunden bewältigen. Aber hier im Bwindi regnete es bereits seit Wochen heftig. Der Boden war tief aufgeweicht, die Piste ausgefahren, Erdrutsche bzw. Felsblöcke blockierten die Fahrbahn und mussten von den Locals täglich unter Mühen wieder instandgesetzt werden, damit man die lebenswichtige Verbindung zur Außenwelt aufrecht erhalten konnte. Einige Tourguides mit denen ich sprach, machten aktuell einen großen Bogen um diese Piste und bevorzugten die gut fahrbare Kanungu-Road weiter östlich.

 

Die Schweizer schlugen ihr Bodenzelt vor einem Cottage etwa auf mittlerer Höhe des Camps auf und regelten anschließend zusammen mit Hassan bei der Nationalparkbehörde die Formalitäten für das morgige Gorilla-Tracking.

 

Gegen 18:30 Uhr trafen Jochen, Angela und Matthias völlig durchnässt und verschlammt wieder ein.

 

Ein Guide führte sie zu verschiedenen Stationen in und um Buhoma Village. Zunächst erhielt die Gruppe eine Einführung in Kräuterkunde, Kunsthandwerk, die Herstellung von Bananenwein und Gin. Auch ein kollegialer Besuch beim traditionellen Heiler stand auf dem Programm. In den Plantagen wurde über die verschiedenen Methoden des Tee- und Kaffeeanbaus informiert.

 

Anschließend folgte ein Aufstieg auf einen kleinen Hügel. Im Batwa-Schaudorf wurde die Gruppe von indigenen Batwa-Pygmäen, Nachfahren der Jäger und Sammler, die einst in ganz Ostafrika beheimatet waren, empfangen. In Uganda leben noch etwa 3500 bis 4000 Batwa, womit sie einen sehr kleinen Anteil der Gesamtbevölkerung in der Region ausmachen. Ihre traditionelle Lebensweise als Jäger und Sammler besteht kaum mehr, seit der Großteil der Waldfläche zugunsten der Landwirtschaft gerodet wurde und im 20. Jahrhundert die wenigen verbliebenen Wälder unter Schutz gestellt wurden. In Uganda wurden zwei ihrer letzten Rückzugsgebiete von der Regierung zu Nationalparks erklärt, um die Berggorillas zu schützen. Obwohl die Regierung als auch nichtstaatliche Organisationen sie beim Übergang zu einem sesshaften Lebensstil unterstützten, ist ihre Situation schwierig und sie sind weiterhin von Diskriminierung durch die Mehrheitsbevölkerung betroffen. Mit Schwinden der Waldflächen und hohen Bevölkerungsdruck durch andere Ethnien, verlegten sich die Batwa früh auf alternative Tätigkeiten wie z.B. die Töpferei. Viele Batwa leben heute als Landarbeiter oder Kleinbauern mit meist sehr wenig Land: The dark side of Uganda's gorilla tourism industry

  

Der Batwa-Guide weihte meine KollegInnen in die unterschiedlichen Verwendungszecke von Pflanzen und Insekten, das Feuermachen, in die Jagd und Honigsammlung der Batwa-Pygmäen ein. Die Führung endete an einer traditionellen Hütte mit Tänzen und Musik.

Esther, die pensionierte Pädagogin, empfand das Nachmittagsprogramm trotz Nässe und Kälte als sehr spannend und empfehlenswert und konnte jede Menge interessante Einblicke in die Lebensweise der einheimischen Bevölkerung gewinnen. Die Kosten für den kombinierten Walk betrugen 25 US$ und kommen direkt den Locals zugute. Nun ja, Buhoma ist sicherlich der touristische Hotspot in Uganda. So aufdringlich wie mitunter in Kenia und Tansania ging´s aber nicht zu, berichtete Jochen.

 

Nach einem ereignisreichen Tag ließen wir den Abend zusammen mit Angelica und Daniel beim Dinner mit informativen Gesprächen ausklingen. Abends war es so nasskalt in unserem Zelt, dass wir mit Fleecepullover und Socken ins Bett gekrabbelt sind und die Bettdecke bis über beide Ohren zogen - Papiertaschentücher in ausreichen Mengen in Reichweite! Vermutlich wurde den vier anderen Mädels in der Luxuslodge oben am Berg das Bett gewärmt…

 

Um zukünftig für alle Fälle gerüstet zu sein, wird nun eine Wärmflasche zum ständigen Reiseequipment gehören.

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© Marina Meger 2017