Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

19.07.2014, Slipway Hotel, Dar es Salaam, 245 km

Wir haben sehr, sehr gut geschlafen (Axel, am Ende des Camps neben dem lauten Dieselgenerator!) und treffen uns gegen 07:00 Uhr zum gemeinsamen Frühstück. Anschließend begleichen wir die Rechnung, packen die Wagen und gegen 08.15 Uhr sind wir auf der zunächst sandigen, aber gut befahrbaren Murram Road Richtung Kibiti.

 

Viele Werbetafeln weisen auf preiswerte Unterkunftsmöglichkeiten vor den Toren des Selous hin. Obwohl die Gegend sehr fruchtbar ist, fällt die Ärmlichkeit der überwiegend muslimischen Bevölkerung sofort ins Auge. Fast alle Häuser sind auf Basis eines Holzgeflechts erstellt, die einen Lehmbewurf tragen und mit einfachen Strohdächern versehen sind. In anderen, wohlhabenderen Gegenden werden zumindest gebrannte Lehmziegel verbaut und die Dacheindeckung besteht überwiegend aus Wellblech.

 

Menschen in Afrika verwenden Lehm weil er sehr preiswert oder sogar umsonst ist und keinen großen Aufwand bedeutet. Sie können den Rohstoff selbst abbauen, verarbeiten und die Häuser eigenständig renovieren. Abgesehen davon, verfügen die meisten Einheimischen aber gar nicht über das Einkommen, um ihre Häuser anders zu errichten.

Der Südosten Tansanias ist eine der rückständigsten Regionen des Landes mit einer noch wenig entwickelten Infrastruktur.

 

Ein repräsentatives Haus mit großer Satellitenschüssel können wir aber auch in Kwangwazi Village entdecken. Es hebt sich deutlich von allen anderen Häusern ab und wir sind erstaunt, dass es nicht wie eine Festung mit Stacheldraht und elektrischen Zaun gesichert ist. Wie uns Einheimische berichteten, wird hier im Süden Tansanias das Eigentum des Anderen noch respektiert. Die Gemeinschaft regelt Diebstähle und Verbrechen gelegentlich noch durch Selbstjustiz. Mit dem Straftäter wird nicht lange gefackelt...

Karte Selous Mtemere Gate - Dar Es Salaam, T4Africa
Kwangwazi Village
Kwangwazi Village
Kwangwazi Village
Kwangwazi Village
Kwangwazi Village
Kwangwazi Village
Kwangwazi Village
Kwangwazi Village
Kwangwazi Village
zwischen Kwangwazi und Kibiti

Die Erdpiste nach Kibiti ist nun während der Trockenzeit in hervorragendem Zustand, der Untergrund wird immer fester und ist sehr gut zu befahren. Wir kommen zügig voran.

zwischen Kwangwazi und Kibiti
zwischen Kwangwazi und Kibiti
zwischen Kwangwazi und Kibiti
zwischen Kwangwazi und Kibiti

Vereinzelte wunderschöne Wasserlandschaften säumen die Straße und wir entdecken die ersten Dungus auf den kleinen Feldern. Dungus sind kleine strohgedeckte Hochsitze aus Stangen und Stöcken, die mit Rindenstreifen zusammengebunden sind. Sie dienen den Bauern hauptsächlich während der Erntezeit als Notunterkunft auf dem Feld, wenn sie nachts ihre Ernte gegen Wildschweine, Affen und Elefanten verteidigen.

 

Menschenfresserlöwen

Aus Literatur und TV-Dokumentation wissen wir, dass wir uns in der Region befinden, in der jedes Jahr eine ungewöhnlich hohe Zahl an Menschen von Löwen getötet wird. Übrigens mit steigender Tendenz. Nachts schnappen sich die Löwen die Bauern, wenn sie ihre Dungus für ein dringendes Bedürfnis verlassen müssen oder sie springen auf die niedrigen Hütten und dringen durch das Grasdach ein.

 

Die Gründe für dieses Verhalten sind vielfältig. Nicht alle Menschenfresserlöwen haben Zahn- oder Kieferprobleme oder sonstige Behinderungen, die sie dazu zwingen leichter erlegbare Beute zu schlagen. Wohl aber gehören die Wildschweine in das Beuteschema der Löwen und die werden um den Selous von der überwiegend muslimischen Bevölkerung nicht bejagd. Es werden hier aber auch Menschen beim Holzsammeln oder sogar Radfahrer angefallen. Der Lebensraum der Tiere wird aufgrund des Bevölkerungsdrucks und des Klimawandels immer weiter eingeengt.

 

Zitat Benson Kibonde, Game Warden Selous GR: Menschen gehören zum ganz normalen Beutespektrum des Löwen. Deshalb ist Menschenfresserei schon immer vorgekommen. Löwen haben jedoch gelernt, dass es im Allgemeinen nicht ratsam ist, Menschen zu belästigen.

Tansania ist das Land mit der größten Löwenpopulation Afrikas, rund die Hälfte davon lebt außerhalb geschützter Gebiete. Etwa 200 Menschen werden in Tansania jährlich von wilden Tieren getötet, ein gutes Drittel davon von Löwen. Quelle: Wildes Herz von Afrika

zwischen Kwangwazi und Kibiti
zwischen Kwangwazi und Kibiti
zwischen Kwangwazi und Kibiti
Dungus zwischen Kwangwazi und Kibiti
Dungus zwischen Kwangwazi und Kibiti

Nachfolgend ein Video-Ausschnitt aus einer National Geographic Dokumentation:

Die Landschaft verändert sich. Die Erde wird roter und roter, viele Palmen mischen sich unter den Laubwald und das Land senkt sich weiter dem Indischen Ozean entgegen. Hin und wieder sieht man auch schon mal moderneres landwirtschaftliches Gerät. Bereits zwei Stunden nach Abfahrt am Hippo Camp erreichen wir Kibiti und damit haben wir auch wieder Teer unter den Reifen. An der einzigen Tankstelle Kibitis wird Dieselnachschub eingefüllt.

 

Die Straßen beleben sich zusehends und der Wohlstand nimmt zu je näher wir Dar Es Salaam kommen. Noch geht´s auf hervorragender Straße gut voran.

zwischen Kwangwazi und Kibiti
endlich wieder Teer unter den Reifen, Kibiti

Einige Kilometer vor Dar wird´s mit den ersten Kreisverkehren rummelig und voll auf der Straße. Für die Fahrt bis zum Slipway Hotel benötigen wir ab hier gut 1,5 Stunden und gegen 14:00 Uhr fahren wir auf dem hoteleigenen Parkplatz ein. Der Transfer vom Selous nach Dar über Kibiti war mit nur sechs Stunden definitiv schneller wie gedacht - trotz unserer Pause und der Staus in Dar Es Salaam. Ich vermute mal, dass die Anfahrt über Morogoro und durch die Uluruguru Mountains Minimum vier Stunden länger bis zum Matambwe Gate dauert und dann muss man noch den ganzen Selous durchqueren, um in die tierreichen Gegenden zu gelangen. Abgesehen davon ist auf dem Tan-Zam-Highway mit sehr viel mehr Verkehr in Form von selbstmörderischen Trucks und Bussen zu rechnen.

zwischen Kibiti und Dar
zwischen Kibiti und Dar
Ocean View Drive, Dar Es Salaam

Im Slipway Hotel checken wir ein. Bei der ursprünglichen Reservierung ging das Einzelzimmer für Axel verloren. Leider ist kurzfristig keines mehr frei und so erhalten wir ein Dreibettzimmer zum Parkplatz ausgerichtet. Da Claudios Flieger erst gegen 20:00 Uhr abfliegt, beschließen wir den Nachmittag hier gemeinsam zu verbringen. Außerdem möchte Claudio noch im Supermarkt des Slipway seinen Tangawizi-Vorrat aufstocken. Der Supermarkt nimmt übrigens Kreditkarten als Zahlungsmittel an.

 

Der Inhalt unserer im Slipway zur Aufbewahrung abgegebenen Reisetaschen wird an Sikoyo verteilt. Wir laden die Driver, Prosper und Deo zum Abschiedsessen in das Waterfront-Restaurant ein und verbringen noch eine schöne Zeit miteinander. Der Service am Nachmittag ist übrigens miserabel. Wir müssen ewig auf alles warten und Besteck etc. anmahnen. Das Essen an sich war jedoch sehr gut. Jochen interessiert sich eh mehr für das weibliche Personal!

 

Am späten Nachmittag verabschieden wir uns schweren Herzens voneinander. Es war eine schöne gemeinsame Zeit, die wir hoffentlich bald noch einmal wiederholen. Claudio lässt sich mit dem hoteleigenen Shuttle zum Flughafen bringen, Sikoyo & Co. suchen sich eine preiswerte Unterkunft in Dar und Deo wird von seiner Frau abgeholt.

 

Axel shoppt noch ein wenig Mitbringsel im Slipway-Komplex, während wir im Café endlich mal wieder guten Cappuccino und Espresso schlürfen.

 

Der Service während des Dinners im Waterfront Restaurant ist abends dann wieder mit anderem Personal völlig o.k. Unseren Flughafentransfer verlegen wir nach den Erfahrungen des Anreisetages auf 01:30 Uhr. Mit Ohropax und laufender Klimaanlage (das Geräusch dämpft den Lärm zur Straße) geht´s früh ins Bett.

The Waterfront Restaurant, Slipway, Dar
Axel, The Waterfront Restaurant, Slipway, Dar
Lazaro, The Waterfront Restaurant, Slipway, Dar
Marina, The Waterfront Restaurant, Slipway, Dar
Deo, The Waterfront Restaurant, Slipway, Dar
Prosper, The Waterfront Restaurant, Slipway, Dar
Sikoyo, The Waterfront Restaurant, Slipway, Dar
Bedienung, The Waterfront Restaurant, Slipway, Dar
Claudios Languste, The Waterfront Restaurant, Slipway, Dar
Jochen und Axel, Slipway Komplex, Dar
Slipway Komplex, Dar
Slipway Hotel, Dar
Slipway Komplex, Dar
Supermarkt im Slipway Komplex, Dar
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