Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

03.07.2014, Public Campsite, Ruaha Nationalpark, 50 km

Weckzeit ist um 05:00 Uhr. Recht verknittert schälen wir uns aus unseren Schlafsäcken und suchen im Dunklen die Waschräume auf. Sehr wohl fühle ich mich am Damenwaschbecken noch nicht, denn diese sind der Campsite abgewandt in den Busch ausgerichtet und am Hinterkopf sind mir leider noch keine Augen gewachsen. Vorsichtig nach allen Seiten sichernd putze ich meine Zähne und schleiche zum Zelt zurück. Um 05:45 gibts Frühstück. Wie immer hält Prosper zunächst einen Obstteller für uns bereit, bevor das volle Programm mit Omlett, Spiegeleiern und/oder Pancakes folgt. Jochen freut sich wahnsinnig über seine Sonderration gebratenen Speck. Für den Mittag bestellen wir uns nur ein leichtes Lunch (Salat o.ä.) im Camp, denn sonst würde Prosper auch gleich wieder ein ähnlich umfangreiches Menü zaubern, wie zum Dinner. 

 

Wie am Vorabend verabredet brechen wir um 06:30 Uhr zum Game Drive auf. Ein Großteil der anderen Camper liegt noch in den Zelten.

 

Heute soll es zunächst auf Löwen gehen. Wir entscheiden uns für den Weg vorbei an den neuen Park Bandas Richtung Norden zum Mwagusi Sand River. Es gibt erste Giraffen und einen wunderschönen Sonnenaufgang zu bestaunen. Ansonsten ist die Landschaft hier bereits sehr trocken und Gras und Laub präsentiert sich in allen Gelbschattierungen.

Karte Game Drive 03.07.14 Ruaha NP, T4Africa
Ruaha NP, Foto: C. Comolli
im Hintergrund der Kimilamatonge Hill, Ruaha NP
Ruaha NP
Oustalettrappe/Buff-crested Bustard (Lophotis gindiana) female, Ruaha NP

Ein paar Kilometer nachdem wir den direkten Weg zum Mwagusi River eingeschlagen haben, stoßen wir auf eine riesengroße Büffelherde. Eine grobe Zählung ist uns leider nicht möglich, da sich die Tiere im dichten Busch großräumig verteilt haben. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, jemals so viel Löwenfutter auf einen Haufen gesehen zu haben. Die Katzen können also nicht weit entfernt sein! Bis zum grünen Galeriewald am Mwagusi River halten wir angestrengt Ausschau nach den Mietzekatzen, werden aber nicht belohnt. Ich begnüge mich mit einigen hübschen Vögelchen. So beschließen wir dem grünen Band am Fluss entlang unter hohen Akazien, Tamarinden, Feigenbäume und Palmen zu folgen und auf der Picnic Site am Sand River eine Kaffeepause einzulegen.

Büffel zwischen Kimilamatonga Hill und Mwagusi River, Ruaha NP
Büffel zwischen Kimilamatonga Hill und Mwagusi River, Ruaha NP
Büffel zwischen Kimilamatonga Hill und Mwagusi River, Ruaha NP
Büffel zwischen Kimilamatonga Hill und Mwagusi River, Ruaha NP
Büffel zwischen Kimilamatonga Hill und Mwagusi River, Ruaha NP
Büffel zwischen Kimilamatonga Hill und Mwagusi River, Ruaha NP
Büffel zwischen Kimilamatonga Hill und Mwagusi River, Ruaha NP
Elsterwürger/Magpie Shrike (Urolestes melanoleucus), Ruaha NP
Von-der-Decken-Toko/Von der Decken's Hornbill (Tockus deckeni), Ruaha NP

Die Picnic Site ist das Zuhause einer Impalaherde und einer Steppenpavianfamilie, die sich in gebührendem Sicherheitsabstand gerne bei ihren Morgenaktivitäten beobachten lassen. Die Steppen- oder Gelben Paviane unterscheiden sich von den Anubispavianen durch einen schlankeren Körperbau und dünnere Beine. Ihr Fell ist kürzer und gelblich-grau, die Bauchseite creme-weiß, die Schnauze ist grau gefärbt (beim Anubispavian ist sie schwarz) und der Kopf hat eine runde Form mit kleinen Ohren.

 

Der Mwagusi River führt noch in wenigen kleinen Tümpeln Wasser, so dass einige genügsame Tiere hier noch ihr Auskommen finden.

Picnic Site, Mwagusi River Trail, Ruaha NP
Steppenpavian/Yellow Baboon (Papio cynocephalus), Picnic Site, Mwagusi River Trail, Ruaha NP
Steppenpavian/Yellow Baboon (Papio cynocephalus), Picnic Site, Mwagusi River Trail, Ruaha NP
Mwagusi River, Ruaha NP
Steppenpavian/Yellow Baboon (Papio cynocephalus), Picnic Site, Mwagusi River Trail, Ruaha NP
Steppenpavian/Yellow Baboon (Papio cynocephalus), Picnic Site, Mwagusi River Trail, Ruaha NP

Claudio macht uns noch den David Livingston, bevor wir es uns auf den Sitzbänken mit einem heißen Kaffee gemütlich machen und das Morgenidyll genießen. Im übrigen gibt es hier recht brauchbare Toiletten. Eine weitere Touristengruppe nähert sich nach einiger Zeit und so räumen wir dann mal das Feld.

Claudio Livingston, Picnic Site, Mwagusi River Trail, Ruaha NP
Lazaro, Picnic Site, Mwagusi River Trail, Ruaha NP
Picnic Site, Mwagusi River Trail, Ruaha NP
Mwagusi River, Ruaha NP
Mwagusi River Trail, Ruaha NP

Da wir in Fahrtrichtung Westen keine brauchbare Flussquerung auf die Escarpmentseite finden, beschließen wir Forumsfreund Peters Geheimtipp zu folgen und die zahlreichen Löwen und Leoparden rund um den Kimilamatonge Hill aufzuspüren. Diesen markanten Berg mit seiner Radioantenne haben sich unsere beiden Driver als Orientierungspunkt auserkoren, denn man kann ihn von fast jedem Ort im Park sehen. Unsere Fahrer sind zum ersten Mal in den südlichen Parks unterwegs. Der Gebrauch von Landkarten ist wohl bei Drivern eher unüblich. Wie schon erwähnt, am Main Gate wäre die gute Tanapa-Karte erhältlich gewesen... Sikoyo beginnt allerdings langsam etwas Vertrauen in das Nüvi zu entwickeln. Außerdem hatte ich einen Satz laminierter und vergrößerter Karten aus dem Reise Know How dabei.

 

Auf dem Weg zum Hill sichten wir einen hübschen Pygmy Falcon, einen Schabrackenschakal und kurz vorm Kimilamatonge Hill Circuit ein Dik Dik.

 

Landschaftlich ist der Kimilamatonge mit seinen skurilen Felsformationen sehr schön anzuschauen. Bei der Umrundung finden wir natürlich keine Katzen. Allerdings ist es hier noch trockener wie in der Ebene und auch die Federkleider haben bis auf einen Schlangenadler das Weite gesucht.

 

Wir erreichen den völlig trockenen Mdonya Sand River und finden nicht mal Spuren von frischem Elefantendung. Hier graben die Elis sicherlich seit längerer Zeit nicht mehr nach Wasser.

Halsband-Zwergfalke/Pygmy Falcon (Polihierax semitorquatus), Ruaha NP
Ruaha NP
Ruaha NP
Einfarbschlangenadler/Brown Snake-Eagle (Circaetus cinereus), Ruaha NP

Ein Tour Operator - Tatanca Safaris - kommt uns mit seinem Fahrzeug entgegen. Mit diesem Tourveranstalter aus Iringa möchte Sikoyo zusammen arbeiten und Reisen austauschen. Er hat sich mit ihm schon vor einigen Tagen in Iringa getroffen. Nach kurzem Smalltalk (nein, auch sie haben bisher nichts Interessantes gesehen) beschließen wir den Stromschnellen an der Brücke über den Ruaha River und dem Hippo Pool einen Besuch abzustatten. Unterwegs sichten wir noch einige scheue Kudus.

 

In der Nähe der Brücke gibt´s ebenfalls funktionierende und recht saubere Toiletten sowie einen netten Picknickplatz mit Schattendach und direkten Riverview. Am Ufer sonnen sich die dicken Krokodile, garniert mit einer Hippofamilie. Mit ein wenig Geduld kann man hier wunderbare Fotos von Graueisfischern auf der Jagd machen.

 

Im nur wenige Kilometer entfernt liegenden Hippopool gibt´s rein gar nichts zu sehen! Alle Hippos und Kroks haben das Weite gesucht und sind im Urlaub. Wir machen uns nicht einmal die Mühe auszusteigen.

Rotkehlfrankolin/Red-necked Spurfowl (Pternistis afer), Ruaha NP
Rapids Ruaha River Bridge, Ruaha NP
Rapids Ruaha River Bridge, Ruaha NP
Hammerkopf/Hamerkop (Scopus umbretta), Ruaha River Bridge, Ruaha NP
Rapids Ruaha River Bridge, Ruaha NP
Ruaha River Bridge, Ruaha NP
Ruaha River Bridge, Ruaha NP
Ruaha River Bridge, Ruaha NP
Ruaha River Bridge, Ruaha NP
Ruaha River Bridge, Ruaha NP
Ruaha River Bridge, Ruaha NP

Zurück auf der Campsite möchte ich die Gunst der Stunde ergreifen und den Standort unseres Zeltes ein wenig optimieren. Der laute südafrikanische Dachzeltler direkt am Steilufer hat das Feld geräumt (oder ist auf Game Drive) und ruck zuck haben Jochen und ich unser Zelt versetzt (wie rachsüchtig!), direkt vor die Einflugschneise der Hippos. Axel und Claudio folgen mit ihren Zelten und um gebührenden Sicherheitsabstand zu Neuankömmlingen zu signalisieren, wird ziwschen zwei Akazien unsere Wäscheleine und die Hängematte drapiert.

 

Dann widmen wir uns Prospers light Lunch, welches mal wieder gar nicht so light ist und fantastisch schmeckt!

unsere Zelte, Camspite No.1, Ruaha NP
unser Zelt: nun mit best view to wildlife TV, Campsite No. 1, Ruaha NP

Jochen und ich beschließen den Nachmittag auf der Camspite zu verbringen und einfach zu schauen, was uns hier ohne lange Rumfahrerei an Wildlife geboten wird. Außerdem möchte Jochen unbedingt unsere Hängematte ausprobieren! Axel und Claudio machen sich zusammen mit Lazaro auf den Weg, um das dem Camp gegenüberliegende Flussufer zu erkunden.

 

Die Vogelwelt lässt mich dann auch nicht im Stich wie die folgenden Bilder dokumentieren. Auf einer ganz bestimmten Blütenart entdecke ich auch einen Beautiful Sunbird (Foto leider zu schlecht) und die kleinen Prachtfinken sammeln ihre Körner direkt vor meinem Stuhl. Bislang wurden im Ruaha Nationalpark 574 verschiedene Vogelarten gezählt.

 

Besonders freue ich mich über die Sichtung eines Schwarzköpfchens (Yellow-collared Lovebird). Diese Papageienart der Unzertrennlichen hat ihr Hauptverbreitungsgebiet in Süd- und Zentraltansania. Im nördlichen Tansania vermischt sie sich mit der Population der Pfirsichköpfchen, wodurch sich wiederum ein Hybrid entwickelt hat, der Merkmale beider Arten aufweist.

unser Haus-Hippo! Campsite No. 1, Ruaha NP
Sattelstorch/Saddle-billed Stork (Ephippiorhynchus senegalensis), male, Campsite No1, Ruaha NP
Senegalamarant/Red-billed Firefinch (Lagonosticta senegala), male, Campsite No1, Ruaha NP
Buntastrild/Green-winged Pytilia (Pytilia melba), female, Campsite No1, Ruaha NP
Blaukopfastrild/Blue-capped Cordonbleu (Uraeginthus cyanocephalus), male, Campsite No1, Ruaha NP
Buntastrild/Green-winged Pytilia (Pytilia melba), female, Campsite No1, Ruaha NP
Gelbbrust-Feinsänger/Yellow-breasted Apalis (Apalis flavida), Campsite No1, Ruaha NP
Schneeballwürger/Black-backed Puffback (Dryoscopus cubla), Campsite No1, Ruaha NP
Mocker Swallowtail Butterfly (Papilio dardanus), Campsite No1, Ruaha NP
Mocker Swallowtail Butterfly (Papilio dardanus), Campsite No1, Ruaha NP
Guinea-fowl Butterfly (Hamanumida daedalus), Campsite No. 1, Ruaha NP
Rotzügelsylvietta/Red-faced Crombec (Sylvietta whytii), Campsite No1, Ruaha NP
Schwarzköpfchen/Yellow-collared Lovebird (Agapornis personatus), Campsite No1, Ruaha NP

Jeden Nachmittag bilden sich östlich in Richtung Iringa vor den hohen Bergen dekorative Wölkchen am Himmel. Den Ashy Starling hatte ich mir sehr gewünscht vor die Linse zu bekommen, nichts ahnend, dass das im Ruaha NP einer der am häufigsten anzutreffenden Vögel ist (@Karsten: Nun weiß ich auch, warum du mir versprechen konntest, dass ich den ganz sicher erwischen werde)!

 

Im weiteren Verlauf des Nachmittags sichten wir eine große Elefanten-Mutterkuhherde am gegenüberliegenden Flussufer und können ihre Aktivitäten eine ganze Weile verfolgen. Weiterhin tummeln sich Impals und Giraffen nebst Pavianen auf der anderen Seite, während die trägen Kroks und Hippos die Flussmitte bzw. die Sandbänke im Ruaha River bevorzugen.

Campsite No1, Ruaha NP
Campsite No1, Ruaha NP
Hagedasch-Ibis/Hadada Ibis (Bostrychia hagedash), Campsite No1, Ruaha NP
Grauglanzstar/Ashy Starling (Lamprotornis unicolor), Campsite No1, Ruaha NP
Reichenowgirlitz/Yellow-rumped Seedeater (Serinus reichenowi), Campsite No1, Ruaha NP
Campsite No1, Ruaha NP
Campsite No1, Ruaha NP

Im großen Busch direkt neben unserem Zelt wohnt eine possierliche Zwergmanustenfamilie, die am späten Nachmittag munter wird und ihre Faxen macht, während an den beiden hohen Akazien Skinks und Agamen ihr Zuhause gefunden haben.

 

Jochen hat seine Siesta in der Hängematte gerade beendet, als wir Elefantenbesuch an der Campsite erhalten. Die Elis hier knabbern gerne am Gemüse und direkt hinter dem Küchenhaus befindet sich ein nun ausgetrocknetes, aber mineralreiches Wasserloch, wo die Tiere gerne ihre Elektrolyte auffüllen. Wir behalten den Grauen immer schön im Blick.

Zwergmanguste/Dwarf Mongoose (Helogale parvula), Campsite No1, Ruaha NP
Striped Skink (Mabuya Striata), Campsite No1, Ruaha NP
Campsite No1, Ruaha NP
Jochen hat seine Siesta beendet, Campsite No.1, Ruaha NP
Graukopfsperling/Grey-headed sparrow (Passer griseus), Campsite No1, Ruaha NP
Strichelkopfschnäpper/African Grey Flycatcher (Bradornis microrhynchus), Campsite No1, Ruaha NP
Eli nähert sich der Camspite, Ruaha NP

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Ein Fahrer setzt noch vier (italienische?) Camper ab, die nur zum Schlafen hier sind, während die Fahrer wohl eine feste Unterkunft im Park nutzen.

 

Die ersten Mückenstiche (muss ich mir gestern eingefangen haben) machen sich bemerkbar und ich beschließe mal besser mit der Malariaprophylaxe zu beginnen. Vom sorgsam angewandten DEET lassen sich die Viecher an mir nicht 100%ig abschrecken. Ach ja, einige friedfertige, nicht so aggressive Tsetse (wie in der Serengeti im Februar) sind uns heute auch begegnet.

 

Hippoalarm und Löwengebrüll! Von anderen Campern werden wir in der Dämmerung gewarnt, dass sich ein Hippo auf der Campsite befindet. Also schleiche ich vorsichtig nach allen Seiten sichernd zur Dusche. Claudio hat dankenswerterweise ein Auge auf die Damenabteilung der Ablutions!

 

Während des Dinners, mit immer noch lautem Löwengebrüll aus verschiedenen Richtungen,  tauschen wir unsere Tageserlebnisse aus. Sikoyo berichtet von einem gestrigen Gespräch mit den Parkrangern. In der Nacht vor unserer Ankunft wurde einem Ranger während eines Zwischenfalls mit Wilderern ins Knie geschossen. Der Ranger liegt nun in Iringa im Krankenhaus. Die Wilderer konnten dingfest gemacht werden. Es ist wirklich eine Pest mit der Wilderei und die nur gering verdienenden Wildhüter setzen regelmäßig ihr Leben auf´s Spiel.

 

Dann geht´s wieder früh in die Schlafsäcke (neuer Versuch)! Nach gut einer Stunde verschließt das Ohropax wieder meine Ohren. Obwohl heute weniger Touristen auf der Campsite schlafen, sind sie genauso laut wie gestern!

Campsite No. 1, Ruaha NP
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© Marina Meger 2017