Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

02.07.2014, Public Campsite, Ruaha Nationalpark, 172 km

Uiih, um 05:30 Uhr ist Weckzeit! Dank eingebautem Wecker fällt´s erstaunlich leicht aus den Federn zu kommen. Jochen braucht natürlich wieder einmal ein wenig länger, um sich den Schlaf aus den blauen Äuglein zu reiben. In stockfinsterer Nacht schleichen wir zum ebenso stockfinsteren Restaurant und scheuchen die verschlafene Security hoch, die sich mit drei Mann auf der Couchgarnitur lümmelt. Dann funfktioniert es auch mit dem Licht. Eine leicht verknitterte Louise brüht uns Kaffeewasser auf. Ohne Morgenkaffee und Zigarette geht bei mir gar nichts. Das Axelchen kommt auch schon um die Ecke geschlichen. Louise hat uns das Frühstück für einen Stopp unterwegs eingepackt und verkündigt nun freudestrahlend, dass uns Chris nach Sumbawanga fahren wird. Er wird die Strecke auch sicherlich  schneller schaffen wie sie. Wir verabschieden und alle der Reihe nach herzlich und bedanken uns für die Gastfreundschaft auf Lake Shore. Vor allem Axel ist sichtlich ergriffen. Ob´s an diesem wunderschönen Ort oder an Louise liegt...?

 

Jedenfalls geht´s um 07:15 Uhr auf die 150 km lange Staubpiste. Den ersten Hauch Sonnenaufgang immer links im Blickfeld.

Karte Kipili - Sumbawanga, T4 Africa
zwischen Kipili - Sumbawanga

Irgendwo unterwegs habe ich dann ein Bedürfnis (sorry, der Morgenkaffee...) und wir nutzen das gleich um das Frühstück einzuleuten. Tatsächlich sind wir trotz ausgiebiger Pause und Polizeikontrolle (ist echt hilfreich, wenn man wie Chris mit dem örtlichen Polizeipräsidenten befreundet ist) nach knapp drei Stunden bereits in Sumbawanga am Airport. Von Chris versbschieden wir uns ebenfalls herzlich. Er hat´s eilig und möchte noch Einkäufe erledigen. Unser komplettes Gepäck wird von Hand gewogen und durchsucht. Für die immer noch 20 kg Übergewicht müssen wir hier in Sumbawanga ohne Quittung 60 US$ zahlen, 10US$ mehr als in Dar, hmmmpf! Wir werden wieder aller auffindbaren Feuerzeuge beraubt!

 

Lt. Ticket soll der Flieger gegen 11:20 Uhr starten und gegen 15:25 Uhr in Ruaha landen. Also gehe ich davon aus, dass wir nun erst einmal Richtung Katavi Nationalpark fliegen. Ein Blick auf unsere von Hand ausgestellten Gepäckmanschetten lässt mich hyperventilieren. Das Gepäck und damit wohl auch wir, soll nach Dar gesandt werden! Das geht ja mal gar nicht! 15:25 Uhr ist die planmäßige Ankunftzeit in Dar. Also hat sich ein Fehler in unser Ticket eingeschlichen. Ich bestehe energisch auf einer Landung im Ruaha Nationalpark! Nein, auch nicht in Iringa, sondern im Ruaha NP!!! Und damit sollten wir dann auch gegen 13:00 Uhr auf dem Airfield des Nationalparks ankommen. Noch flugs bei Sikoyo durchgerufen und die neue Abholzeit mitgeteilt, bevor wir in Ruhe noch eine Zigarette qualmen. Damit nicht auffällt, dass ich noch einige Feuerzeuge gebunkert habe, lassen wir uns vom "Feuerzeugklauer" Feuer geben. Unser Reisefreund Claudio, der im Ruaha zu uns Dreien stoßen wird, hat´s gut. Er müsste bereits im Ruaha sein, denn seine Maschine fliegt weiter nach Sumbawanga, um uns abzuholen. Hoffentlich hat er den Sitz gut angewärmt und das Fluggerät heil gelassen.

 

Die kleine Auric Air Maschine schwebt planmäßig ein und wirbelt bei der Landung eine große, rote Staubwolke auf. Rette sich wer kann! Mit Argusaugen wache ich anschließend darauf, dass unsere Gepäckscheine auch richtig ausgestellt sind und bitte die Piloten noch einmal uns im Ruaha rauszuschmeißen. Die haben das auch tatsächlich so auf dem Schirm. So bin ich erst mal beruhigt und kann den Flug genießen. Nachdem wir alle unser Plätzchen im Flieger gefunden haben, schraubt sich die Maschine in die Lüfte. Das Häusermeer Sumbawangas verschwindet am Horizont.

Sumbawanga Airfield, Foto: A. Köhler
Sumbawanga Airport
Sumbawanga
Sumbawanga
Lake Rukwa
Flug mit Auric Air, Sumbawanga - Ruaha
Marina, Flug mit Auric Air, Sumbawanga - Ruaha
Flug mit Auric Air, Sumbawanga - Ruaha

Wir überfliegen den Lake Rukwa und am Horizont kann ich bereits den Lauf des Geat Ruaha River ausmachen. Für die Wasserversorgung im Süden und Südwesten Tansanias ist der Ruaha River, der westlich des Selous Game Reserves in den Rufiji River mündet, von zentraler Bedeutung. Sein Quellgebiet liegt in Tansanias Kipengere Mountains bei Mbeya. Er durchfließt das südlich an den Ruaha angrenzende Usangu Feuchtgebiet und bildet auf nahezu 160 km die Parkgrenze des Ruaha Nationalparks.

Für Millionen von Menschen stellt der Fluss die wichtigste Trinkwasser- und Nahrungsquelle dar. Doch Überbeanspruchung der Wasserressourcen für die Bewässerung von Reis- und Tabakfeldern, intensive Beweidung und Abholzung lassen den Ruaha River in den letzten Jahren immer öfter trocken fallen.
Dies wird entsprechende Folgen für die artenreiche Tierwelt in Tansanias größtem Nationalpark haben.

Great Ruaha River, Flug mit Auric Air
Great Ruaha River, Flug mit Auric Air
Great Ruaha River, Flug mit Auric Air
Einer der nun trocken gefallenen Flüsse, die in der Regenzeit von der Ruaha Grabenbruchstufe in den Ruaha River entwässern.

Wir landen pünktlich um 13:00 Uhr auf dem kleinen Airfield im Ruaha und werden standesgemäß von Sikoyo und einer großen Herde Impalas erwartet. Die Wiedersehensfreude ist auf beiden Seiten groß! Wir verstauen unser Gepäck im Wagen, während Sikoyo die Permits für die nächsten Tage im kleinen Office des Airports besorgt. Der Eintritt beträgt 30 US$ pP/24 Stunden, ebenso wie die Campingfee. Für Driver, Koch und tansanisches Fahrzeug gelten abweichende Gebühren (5.000 TSh Camping pP, 5.000 TSh Parkfee pP, 20.000 TSh für das Fahrzeug pro Tag. Zahlbar mit Visa, Mastercard oder Tanapa Smartcard – aktuell keine Barzahlung möglich). Eine Karte vom Park kann man im Flughafen-Office leider nicht erwerben und leider habe ich die Kopie der Tanapa-Karte von Peter Zuhause vergessen. Und unsere Driver haben sich auch keine Karte am Main Gate besorgt. Braucht man ja nicht, auch wenn sie zum ersten Mal in Südtansania sind...

Ruaha NP Airfield
Ruaha NP Airfield
Ruaha NP Airfield

Kurz vor 14:00 Uhr können wir an der nahegelegenen Public Campsite No. 1 Claudio in die Arme schließen und herzlich begrüßen. Nun sind wir komplett! Claudio hat sich mal stilecht unter dem größten Baum am River mit seiner Kamera platziert, als wir aufschlagen. Auch unser zweiter Fahrer Lazaro und Koch Prosper bekommen (jedenfalls von mir) einen dicken Schmatz. Prosper hat sich in der linken Hälfte des Küchenhauses schon häuslich eingerichtet und brutzelt unser Lunch. Ein Blick in die rechte Hälfte des Küchenhauses lässt meine Gesichtszüge erstarren: Ikea-Spielparadies!!! Ein weiterer aufmerksamer Rundumblick über die Campsite und meine Laune ist erst einmal dahin. Die Campsite ist sehr gut belegt. Was habe ich bloß verbrochen? Alle erzählen mir immer von tollen menschenleeren Gegenden und ultimativen Safarierlebnissen im einsamen Tansania... Es sind Winterferien in Südafrika. Das erklärt alles!

 

Da Ausladen zu Jochens Aufgaben gehört, genehmige ich mir erst einmal ein Rock Shandy - nicht ohne zuvor unser bereits von Sikoyo & Co. aufgebautes Zelt zu begutachten. Sie haben noch ein Fleckchen ganz am Ende der Campsite unter einer Akazie, etwas entfernt vom Fluss gefunden. Allerdings befinden sich zwei weitere Camper ganz in unserer Nähe. Und es sollten noch mehr werden!

 

Mit Prosper, Lazaro und Claudio tausche ich die letzten Neuigkeiten aus und komme auch mit einer der Camperinnen in Kontakt. Sie ist eine Deutsche aus Freiburg, die allerdings in Ifakara arbeitet und mit Freunden oder Familie für 10 Tage hier im Urlaub ist. Die zwei Kinder gehören zu ihr. In das Gespräch lasse ich meine Ohropax-Erlebnisse von der überfüllten Campsite in der Serengeti einfließen. Nein, nein, sie ghören zu den ruhigen Campern und liegen spätestens gegen 21:00 Uhr im Zelt!

Karte Ruaha NP Headquarter, Bandas, Campsite No1, T4Africa
Küchenhaus Public Campsite No.1, Ruaha NP
Küchenhaus Public Campsite No.1, Ruaha NP
Küchenhaus Public Campsite No.1, Ruaha NP
unser Plätzchen im Küchenhaus Public Campsite No.1, Ruaha NP
unser Koch Prosper in seinem Reich, Public CS No.1, Ruaha NP

Die Public Campsite verfügt über je eine Toilette, Dusche und Waschbecken für Männlein und Weiblein. Die Wasserversorgung ist mittels Hochtanks geregelt. Der Geschirrabwasch ist an den Ablutions möglich (siehe Bild unten). Es gibt noch eine weitere Zapfstelle Richtung Campauffahrt. Landschaftlich ist diese Campsite einfach ein Traum. Die direkte Lage am grünen Fluss garantiert fantastische Wildlifebeobachtung. Es dauert auch nicht lange und ich erwische eine Tansanische Siedleragame, während Claudio im Busch direkt neben seinem Zelt eine Grüne Buschschlange (von Steven Spawls identifiziert) ausmacht und ernsthaft überlegt, sein Zuhause für die nächsten Tage noch einmal zu versetzen.

 

Nach ausführlicher Begutachtung von allen Seiten lassen wir die Schlange in Ruhe und widmen uns dem hervorragendem Ergebnis von Prospers Kochkünsten. Vor der Tour hatte ich Sikoyo eine Liste mit special needs gemailt (u.a. DEET, Getränke, Klopapier, Linsen für den Bohnensack), die er für uns besorgen soll. Alles ist sorgsam abgearbeitet worden. Auch Claudios Tangawizi-Vorrat (eine in Afrika hergestellte Ingwer-Limonade) ist mit von der Partie. Anschließend werden die Fotos der letzten Tour und einige kleine Mitbringsel an Sikoyo, Prosper und Lazaro verteilt.

Ablutions, Public CS No.1, Ruaha NP
Ablutions, Public CS No.1, Ruaha NP
Ablutions, Public CS No.1, Ruaha NP
Tansanische Siedleragame (Agama dodomae dodomae), female, Ruaha NP, Tansania
Spotted Bush Snake (Philothamnus semivariegatus), Public CS No1, Ruaha NP
Spotted Bush Snake (Philothamnus semivariegatus), Public CS No1, Ruaha NP
Spotted Bush Snake (Philothamnus semivariegatus), Public CS No1, Ruaha NP

Am späten Nachmittag begeben wir uns dann auf einen kurzen Orientierungs-Game-Drive. Durch das "Elephant Valley", wo Claudio bei seiner letzten Tour einen Leoparden gesichtet hat, vorbei an den neuen Park Bandas und dann in Richtung Ruaha River Trail.

 

Die Landschaft ist einmalig schön und sehr abwechslungsreich - vor allem in Flussnähe. Im "Inland" sind die Miombobäume und das Gras bereits knochentrocken und alles präsentiert sich gelblich-braun.

 

In Richtung Mandweko Hills (siehe Karte) etwas außerhalb des Nationalparks sichten wir ein großes Buschfeuer mit entsprechenden Folgen für Flora und Fauna. Auch hier wird also kräftig abgefackelt.

Karte Game Drive 02.07.14, Ruaha NP, T4Africa
Ruaha NP
Buschbrand Richtung Mandweko Hills/Tandala, Ruaha
Ruaha River, Ruaha NP
Ruaha NP
Ruaha NP
Ruaha NP
Ruaha NP
Ruaha NP

In der Nähe des Mbuyu Baobab Lookouts vergnügt sich eine größere Elefantenherde mit Jungtieren am Uferbereich, während wir den Wagen verlassen und das fantastische Panorama bewundern. Die Federkleider sind gut vertreten und unter uns tummeln sich reichlich Hippos im Fluss.

Great Ruaha River, Ruaha NP
Mbuyu Baobab Lookout und Picnic, Ruaha NP
Mbuyu Baobab Lookout und Picnic, Ruaha NP
Mbuyu Baobab Lookout und Picnic, Ruaha NP
Mbuyu Baobab Lookout und Picnic, Ruaha NP
Zwergspint/Little Bee-eater (Merops pusillus), Ruaha River Trail, Ruaha NP
Schreiseeadler/African Fish-Eagle (Haliaeetus vocifer), Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ohrfleck-Bartvogel/ D'Arnaud's Barbet (Trachyphonus darnaudii emini), Ruaha River Trail, Ruaha NP
Nilwaran, Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Schmuckflughuhn/Black-faced Sandgrouse (Pterocles decoratus), Ruaha NP

Auch hier im Ruaha gibt es spektakuläre Sonnenuntergänge und pinkfarbene Safariautos (!).

Zurück auf der Campsite teste ich erst einmal die Dusche. Frau weiß ja nie, wann das bei der hohen Belegungszahl wieder möglich ist, bzw. wie lange der Wasservorrat noch reichen wird. Doch der Duschausflug war wohl ein eindeutiger Fehler. Nachdem ich blitzsauber und gestriegelt die Ablutions verlasse, werde ich von Claudio, Axel und Jochen darüber aufgeklärt, dass wir gerade Geparden- und Elefantenbesuch auf der Campsite hatten. So ein Mist!!! Natürlich hat sich die Katze schon wieder verzogen und außerdem ist es bereits recht dunkel. Nun ja, frau kann halt nicht alles haben!

Pink scheint in zu sein! Ruaha NP
Ruaha NP
Ruaha NP

Prosper überrascht uns wieder mit einem ausgezeichneten Dinner, welches von den Geräuschen der grunzenden Hippos und Löwengebrüll in der Ferne begleitet wird. Wir unterhalten uns noch ein wenig und ziehen uns gegen 21:00 Uhr in unsere Zeltstatt zurück. Da ausgerechnet die Ifakara-Familie und unserer südafrikanischer Nachbar bis in die tiefe Nacht laute Gespräche führen, zücke ich wieder meine Ohropaxe! Hilft dann auch gegen die Schnarchgeräusche meiner männlichen Begleiter (meine eigenen höre ich Gott sei Dank nicht)!

Ruaha NP
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© Marina Meger 2017