Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

02.03.2014 Arusha Nationalpark, Rivertrees Country Lodge, Usa River, 52 km

Es wurde doch 08:30 Uhr bis wir bei Johannes in Ngongogare eintrafen. Von der Momella Road (Zufahrt zum Arusha Nationalpark) geht es rechterhand an der Poultry Farm vorbei zur Guestfarm "Our Little House" der Familie Schimann. Ein Wachmann öffnete das hohe Tor und wir wurden von einem noch etwas müden Hannes und seinem kleinen Sohn Christian auf´s Herzlichste begrüßt. Auch unsere Jessica, die hier lebt, wenn sie nicht an der Küste arbeitet, hatte sich hübsch für den sonntäglichen Kirchgang hergerichtet. Das Guesthouse liegt - soweit ich das beurteilen kann - recht ruhig (jedenfalls habe ich während unseres kurzen Aufenthaltes keine Kirchenglocken und vor allem keinen Muezzin gehört). Die Anlage machte einen sehr gepflegten Eindruck und hier können es sich Gäste für kleines Geld mit allerbester Verpflegung und familiären Anschluss in drei Cottages gemütlich machen. Hannes ließ mich schon einmal einen kurzen Blick in die Lunchbox werfen und mir lief nach zwei Wochen Englischem Frühstück das Wasser im Mund zusammen: Mettwurst, Käse, Körnerbrot!!!

 

Hannes Lebenspartnerin Happy (gerade mal wieder mit Gästen unterwegs auf Tour) bietet sehr erfolgreich deutschsprachige Budgettouren mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis ins südliche Afrika an. Eine interessante und preiswerte Art Land und Leute ausgiebig unter kompetenter und erfahrener Begleitung kennen zu lernen, wie ich meine. Vielleicht gehen wir mit Happy einmal Zentraltansania mit MS-Liemba-Fahrt auf dem Lake Tangajika an. Und die TAZARA (Tanzania-Zambia Railway) wartet ja auch noch auf uns. Meine Reiseagenda wird länger und länger...

 

Wir verabschiedeten uns herzlich von Hannes und von unserer Jessica. Der Nationalpark und seine Sehenswürdigkeiten rufen.

Karte Route 2. Tag Arusha NP, T4Africa
Zufahrt Schimann-Family, Ngongongare
Toreinfahrt Schimann-Family, Ngongongare
Johannes Schimann, Ngongongare
Jessica (kirchenfein) und Axel, Schimann-Family, Ngongongare
Jessica (kirchenfein) und Axel, Schimann-Family, Ngongongare

Am Ngongongare Gate des Parks beglich Sikoyo wieder für uns die Permits. Innerhalb von 14 Tagen hat sich an den Eintrittsgebühren nichts verändert. Das Permit für den Arusha NP kostet für Ausländer 45 US$ pro Person/Tag zuzüglich Minimum 20.000 TSh (je nach Fahrzeuggewicht) für das Fahrzeug mit tansanischem Kennzeichen. Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen dürfen 40 US$ pro Tag für das Fahrzeug berappen!

 

In der kleinen Serengeti standen immer noch einige Zebras und die Büffel lagen gemütlich in einer Suhle, während eine Giraffe mit langen Schritten dem Unterholz zustrebte.

 

Linkerhand der Momella Rd wählten wir einen ca. 3 Kilometer langen Loop, der uns durch den Wald führte. Um die zahlreichen Giraffen zu sehen, brauchten wir schon sehr gute Augen. Die Gucken sich hier zwischen den dichten Bäumen und Büschen einfach weg. Gefreut haben wir uns auch über die Sichtung eines scheuen Duikers.

 

Wir wollten zunächst den Fig Tree Arch bestaunen, einen großen, alten Würgefeigenbaum mit Loch in der Mitte. Unweit des Park Headquarters bogen wir auf eine Piste ein, die auch der Startpunkt für die Merubesteigungen ist. Im salzhaltigen Ngare Nanyuki River waren Arbeiter damit beschäftigt, die Uferböschung zu reparieren. Die Gummistiefel haben nicht viel genützt und ich vermute mal, dass das Wasser nicht eben warm war. Wie so oft in Afrika, wird die Arbeit der Anderen gerne von einigen daneben sitzenden Kollegen begutachtet.

 

Die Piste wurde schmaler, steiler, felsiger und der lose Schotter war für den Long Wheel Landcrusier im 4x2 Modus nicht einfach zu meistern. Es kam wie es kommen musste (Jochen hätte schon längst den 4x4 eingeschaltet) die in der Serengeti geschweißte Kardanwelle verabschiedete sich erneut. Wir standen recht unglücklich, denn der Weg war hier wirklich sehr schmal. Werkzeug war Fehlanzeige, das lag in Lazaros Fahrzeug. Auch Fahrzeuge, die von oben kamen verfügten nicht über die notwendige Größe Schraubenschlüssel. Meine Idee zu Fuß Richtung Fig Trees Arch zu gehen wurde wieder verworfen, denn das ist nur in Begleitung bewaffneter Ranger erlaubt. Dank Sikoyos Telefonkünsten erreichte uns nach ca. 30 Minuten ein Mechanikerteam des Nationalparks und auch Steffi und Andi haben wir den pünktlichen Aufbruch nach Arusha vermasselt, denn Lazaro musste ebenfalls Erste Hilfe leisten. Nach insgesamt einer Stunde war es vollbracht und der Long Wheel hatte nur noch Mühe auf der schmalen Piste zu wenden. Wir verabschiedeten uns herzlich von Mechanikerteam und Lazaro, suchten noch kurz die Toilette beim Momella Gate auf und dann ging´s Richtung Momella Seen. Ohne 4x4 ist der Weg zum Fig Tree Arch nicht machbar.

 

Autos bereiten ja in Afrika öfter mal Probleme. Ich weiß nicht, wie viel Zeit uns als Selbstfahrer verloren gegangen wäre, bis adäquate Hilfe bzw. Reparaturen stattgefunden hätten. Diesmal nicht selbst verantwortlich zu sein hat uns Dank der einheimischen Kontakte, die Sikoyo nutzte, doch Zeit, Geld und Nerven gespart. War auch mal nett! Alles hat seine Vor- und Nachteile! Lt. unserer Freundin und Tour Operatorin Elvira aus Nairobi hat auch sie ihre Erfahrungen mit geschweißten Kreuzgelenken der Kardanwelle. Die halten einfach nicht zuverlässig. Jedenfalls nicht auf afrikanischen Straßen.

Ngongongare Gate, Arusha NP
Little Serengeti, Arusha NP
hier die gemeine Waldgiraffe, Arusha NP
Tululusia Hill, Arusha NP
Befestigungsarbeiten am Ngare Nanyuki River, Arusha NP
Befestigungsarbeiten am Ngare Nanyuki River, Arusha NP
Fig Tree Road, Arusha NP
Tanapa-Ranger, Fig Tree Road, Arusha NP
Sikoyo und Jochen, Fig Tree Road, Arusha NP
Axel, Sikoyo, Jochen, Fig Tree Road, Arusha NP
Lazaro - unserer Retter und Jochen, Fig Tree Road, Arusha NP

Auf der Kamba ya Fisi Lichtung (Ort der Hyänen) hatte sich wieder eine große Herde Büffel garniert mit Zebras postiert.

 

Hier grenzt der Nationalpark bereits schon wieder an dicht besiedeltes Farmland und wir konnten linkerhand Plantagen und Haustiere bestaunen. Die Zivilisation nimmt die Natur in den Würgegriff!

 

Am Small Momella Lake genossen wir eine wunderbare Aussicht und am dortigen Picnic Spot auch unsere erstklassigen Lunch-Pakete, die Hannes mit viel Liebe zubereitet hat. Tiermäßig  gab´s hier einige nur Zwerghaubentaucher und jede Menge dicht über der Wasseroberfläche fliegende Schwalben zu begutachten. Naja, und natürlich Schmetterlinge.

Kamba ya Fisi, Arusha NP
Haustierhaltung und Plantagen, Richtung Small Momella Lake
Arusha NP
Small Momella Lake, Arusha NP
Small Momella Lake, Arusha NP
Small Momella Lake, Arusha NP
Zwergtaucher/Little Grebe (Tachybaptus ruficollis), Small Momella Lake, Arusha NP
Small Momella Lake, Arusha NP
Sikoyo, Marina, Small Momella Lake, Arusha NP
Sikoyo, Marina, Small Momella Lake, Arusha NP
Marina, Small Momella Lake, Arusha NP
Jochen, Small Momella Lake, Arusha NP
Jochen, Marina, Axel, Small Momella Lake, Arusha NP

Der Wettergott war uns heute gnädig gestimmt und der blaue Himmel mit den hübschen Schönwetterwolken machte sich ausnehmend gut als Hintergrund. Da alle Momellaseen recht salzhaltig sind, werden sie von den Tieren nicht zur Wasserversorgung genutzt. Die unterschiedliche Salzkonzentration in den Seen sorgt allerdings durch ein entsprechend angepasstes Algenwachstum für wunderschöne Farben.

 

Der Big Momella Lake scheint der ideale Lebensraum für eine Algenart zu sein, die die Zwergflamingos bevorzugen. Eine recht große Kolonie säumte die Uferbereiche des Sees. Der nördliche Bereich des Lakes muss schon wieder außerhalb des Nationalparks zu liegen, denn hier entsteht eine hübsche Lodgeanlage. Ich werde das mal für zukünftige Reisen im Auge behalten, denn der Platz ist einmalig.

 

Ein Selbstfahrertourist kam uns auf der schmalen Piste in falscher Fahrtrichtung entgegen. Sikoyo wies ihn darauf hin, dass der Loop um die Seen nur in einer Richtung befahrbar ist (wie auch die Schilder auswiesen).

Buschbock, Tulusia Lake, Arusha NP
Tulusia Lake, Arusha NP
Tulusia Lake, Arusha NP
Big Momella Lake, Arusha NP
Big Momella Lake, Arusha NP
Zwergflamingo/Lesser Flamingo (Phoeniconaias minor), Big Momella Lake, Arusha NP
Wasserbock, Big Momella Lake, Arusha NP
Zwergflamingo/Lesser Flamingo (Phoeniconaias minor), Big Momella Lake, Arusha NP
Zwergflamingo/Lesser Flamingo (Phoeniconaias minor), Big Momella Lake, Arusha NP
Zwergflamingo/Lesser Flamingo (Phoeniconaias minor), Big Momella Lake, Arusha NP
Big Momella Lake, Arusha NP

Rund um die Seen verteilt gibt es schöne View Points, an denen man aussteigen und dieses einmalige vulkanische Naturschauspiel gießen darf. Die flachen Seen werden alle von unterirdischen Quellen gespeist und sind u.a. der Lebensraum von über 400 verschiedenen Vogelarten. In den frühen Morgen- oder Abendstunden muss es hier am Big Momella Lake noch schöner sein.

Jochen, Sikoyo, Axel, Big Momella Lake, Arusha NP
Jochen, Marina, Big Momella Lake, Arusha NP
Big Momella Lake, Arusha NP

Nun blieb uns noch die Besichtigung des ehemaligen Wohnhauses der Trappe-Familie. Unterwegs gab´s wieder Giraffen, obligatorisches Dinner (Warzenschweine) und einige Buschböcke zu sehen. Auch hier gibt es einen Platz mit Namen Halali (genauso wie in Etosha/Namibia). Die Deutsche Kolonialzeit hat ihre Spuren hinterlassen.

 

An einem kleinen See auf der Halalilichtung beobachteten wir einen Pavian-Pascha, der seinen Eiweißhaushalt durch den Riss eines jungen Buschbockkitzes aufbesserte. Die arme Buschbockmutter, die unweit entfernt das hohe Gras nach ihrem Kind absuchte, tat uns richtig leid. Der Pascha verteidigte seine Mahlzeit übrigens erfolgreich gegen alle anderen Familienmitglieder.

 

Die Vogelwelt war mit Schwarzhalsreiher, Silberreiher, Sporengänsen und einigen anderen Arten etwas hier am Halalisee etwas reichhaltiger vertreten.

Buschbock, Arusha NP
"Dinner", Arusha NP
Arusha NP
links gehts zum ehemaligen Wohnhaus vom Margarete Trappe, Halali, Arusha NP
Schwarzhalsreiher/Black-headed Heron (Ardea melanocephala), Halali, Arusha NP
Paviane, Arusha NP
Paviane, Arusha NP
Paviane, Arusha NP

Am Ende der Stichstraße erwarteten uns drei Camp Attendants am Wohnhaus der Trappes. Sie waren gerne bereit uns die Räumlichkeiten zu zeigen, in der die "Weiße Jägerin" zusammen mit ihrer Familie Anfang des 20. Jahrhunderts lebte. Das Haus ist noch zum großen Teil mit Originalmöbeln der Trappes eingerichtet und wird auch für 30$ pP/Nacht an Gäste vermietet. Birgitt hat eine ausführliche Beschreibung der Unterkunft erstellt.

 

Die Ausblicke auf Mt. Meru und Mt. Kilimanjaro sind bei klarem Wetter sensationell. Heute präsentierten sich die Gipfel natürlich wieder einmal wolkenverhüllt.

 

Ein Stück vom Farmhaus entfernt gibt es noch ein Guesthouse der Parkverwaltung. Ich habe allerdings keine Ahnung, ob das auch für Touristen offen steht.

 

Unser Pavian-Pascha ist immer noch mit seinem späten Lunch beschäftigt und auch Vater Buschbock sucht erfolglos nach seinem Nachwuchs.

Vater Buschbock sucht nun auch nach seinem Nachwuchs, Halali, Arusha NP
Derweil ist der Pascha immer noch dabei die Reste des Buschbockjungen zu verspeisen, Halali, Arusha NP

Gegen 16:30 Uhr verließen wir den Park, denn auf die Jungs wartet heute Nacht eine Boing 737-900 der Turkish Airline Richtung Deutschland und sie mussten noch ihr Gepäck richten.

 

Steffi unterrichtete mich beim Dinner, dass unser morgiger Weiterflug mit Precision Air von 11:00 Uhr auf 07:00 Uhr verschoben wurde. Der Direktflug  ist gecancelled worden und nun sollten wir via Dar Es Salam nach Entebbe/Uganda fliegen. So ein Mist. Die Nacht wird kurz, denn wir müssen spätestens gegen 05:30 Uhr am Kili-Airport sein.

 

Das Dinner, auf welches wir ewig warten mussten,  war gerade beendet, als sich Sikoyo von einer Shuttlefahrt zum Flughafen zusammen mit seinem Freund und Driverkollegen Richard zu uns gesellte. Den lustigen und aufgeschlossenen Richard hatten wir bereits kurz in Seronera kennen gelernt. Er ist oft im Süden Tansanias auf Tour und kennt sich dort bestens aus. Einer seiner Cousins lebt in Morogoro. Wir versuchten mit ihm unser Wasserproblem für das Camping im Selous zu lösen. Für insgesamt 9 Personen á fünf Tage/Nächte kommt da einiges an Litern zusammen und die Campsites dort verfügen über keinerlei Frischwasser und keine Sanitäranlagen. Eine brauchbare Lösung wird gerade noch geprüft (Stand April 2014). Außerdem gestand Richard mir, dass viele der Driverkollegen doch sehr neidisch sind auf Sikoyos brandneuen Engel-Freezer und ob wir Richard nicht auch so ein Kühlgerät beschaffen können. Versprechen konnten wir nichts, aber wir werden die Augen hier in Europa offen halten. Man trifft sich ja bekanntlich auch immer zweimal im Leben und da wir mit dem großen Freezer keinerlei zolltechnische Probleme hatten, können wir auf einer unserer nächsten Touren ev. noch einmal mit Freezer für Richard auf Reisen gehen.

 

Beim Restaurantleiter habe ich dann noch die Rechnung für die ausstehenden Getränke, Zigaretten, Laundry und die fünfte Übernachtung begleichen wollen. Die Kosten für das Zimmer hatten sie nicht auf dem Schirm, daran musste ich nach Vorlage einer Email erinnern. Der hinzugekommen französische Lodgemanager bedankte sich bei mir dafür. Die Laundry fand ihren Weg nach wie vor nicht auf die Rechnung. Und überhaupt habe ich keine detaillierte Aufstellung über das erhalten, was ich da gerade bezahlte. Die Buchführung hier ist in meinen Augen total überfordert.

 

Jochen war so lieb den Rest des Abends bis zur Abfahrt der Jungs gegen 00:30 Uhr in der Lounge zu verbringen, um meinen kurzen Schlaf nicht zu stören. Also verabschiedeten sich Steffi und ich von allen herzlich. Sikoyo und Axel werden wir ja bereits im Juni wieder sehen. Für mich war es schon ein komisches Gefühl: zum ersten Mal allein ohne Jochen in Afrika zu reisen...

frisches Obst und Gemüse in Ngongongare
Vielleicht streichen wir unser Haus nächstes Mal auch im Zebradesign, Ngongongare
Jochens letzter Abend in Tansania, Rivertrees, Usa River
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© Marina Meger 2017