Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

02.08.12 Naivasha, Nairobi - Karen Blixen Museum, Nairobi NP

Jochen schläft um 21:00 Uhr tief und fest. Während ich mich gerade nach der Lektüre des Reiseführers sanft auf den Weg ins Reich der Träume mache, höre ich jemand ums Haus schleichen, nicht mal leise und sitze wieder kerzengerade im Bett. Die Security hier macht sonst nie so einen Krach...


Als der „Einbrecher" nach ca. 5 Minuten dann auch noch fröhlich an zu pfeifen fängt und die Geräusche immer lauter werden, öffnet dann auch Jochen endlich mal seine Augen. Ich bin schneller an der Tür und glaube mich tritt ein Zebra! Direkt vor unserer Schlafzimmertür und neben der Badezimmertür hat jemand ein Einpersonenzelt aufgebaut und sortiert sein Gepäck (Socken, Unterhosen etc. sind fein säuberlich auf unseren Terrassenmöbeln ausgelegt).

 

Es ist ein kalifornischer Backpacker, der erst zu später Stunde mit dem Matatu aus Nairobi angereist ist. Da die Rezeption vom Fisherman´s nicht mehr besetzt war, hat er einfach ein paar Camper unten am See angesprochen und da es bereits sehr feucht war, haben die ihm gesagt, dass das Cottage nicht bewohnt sei und er es sich auf der Beton-Terrasse gemütlich machen kann.


Das fand ich denn nun aber mal nicht so prickelnd, möchte ich doch auch nachts mal ins Bad und außerdem hat unser Schlafzimmer keine Scheiben. Wir haben ihm dann erlaubt etwas weiter entfernt vom Cottage beim Lagerfeuer auf einem sandigen Plätzchen zu nächtigen.

 

Und als wir ihn am Morgen weckten, war er sehr froh, dass Jochen ihm unser Badezimmer mit heißem Duschwasser anbot (hat wohl länger nicht mehr warm geduscht und die Nächte im Zelt können empfindlich kühl sein). Nach dreimonatiger Tour mit Beginn in Kapstadt wollte er weiter nach Uganda reisen und war ebenfalls bestens über den Ebola-Ausbruch dort informiert.

Fisherman´s Camp, Lake Naivasha
Fisherman´s Camp, Lake Naivasha
Fisherman´s Camp, Lake Naivasha
Fisherman´s Camp, Lake Naivasha
Fisherman´s Camp, Lake Naivasha

Gegen 09:00 Uhr starteten wir mit zwei Tourbussen auf der Old Naivasha Road Richtung Nairobi. Von Naivasha bis zum Karen Blixen Museum sind es nur 98 km. An dieser Straße gibt es noch einen schönen Aussichtspunkt ins Rift Valley. Da die neue vierspurige A104 für LKW´s zu steil ist (!) quälten, die sich im Schneckentempo vor uns den Grabenbruch bis auf 2140 Meter hoch! Belohnt werden wollten wir am View Point ins Rift Valley mit einem sagenhaften Panoramablick, nur leider spielte das Wetter mal wieder nicht mit. Es war trüb und diesig. Die Temperaturen sind merklich niedriger, wie am See.

Old Naivasha Road
Mai Mahiu, Old Naivasha Road
Masai-Taxi, Mai Mahiu, Old Naivasha Road
Mai Mahiu, Old Naivasha Road
Mai Mahiu, Old Naivasha Road
Mai Mahiu, Old Naivasha Road
Rift Valley View Point, Old Naivasha Road
Rift Valley View Point, Old Naivasha Road
Rift Valley View Point, Old Naivasha Road
Rift Valley View Point, Old Naivasha Road
Masai-Taxi, Old Naivasha Road bei Limuru
Old Naivasha Road bei Limuru
auf der A104, Vororte von Nairobi
Vororte von Nairobi

Nach Ankunft in Nairobis Stadtteil Karen schauten Annick, Jochen und ich uns das ehemalige Wohnhaus von Karen Blixen an. Der Eintritt beträgt 800 KSh pP. Ein Guide erklärte uns sämtliche Gegenstände im Haus. Hier werden Requisiten vom Dreh des Films Jenseits von Afrika aufbewahrt. In einem der Gästezimmer hing die Originalsafarihose, die Robert Redford während der Dreharbeiten getragen hat. Annick und ich überlegten, wie wir Jochen dazu bewegen können, das gute Stück mitgehen zu lassen...

Karte südliches Nairobi - T4Africa
Karen Blixen Museum, Nairobi
Karen Blixen Museum, Nairobi
Karen Blixen Museum, Nairobi
Karen Blixen Museum, Nairobi
Karen Blixen Museum, Nairobi
Karen Blixen Museum, Nairobi
Karen Blixen Museum, Nairobi
Karen Blixen Museum, Nairobi

Ein Besuch im ehemaligen Haus der Karen Blixen räumt mit einigen romantischen und von Hollywood verfälschten Ideen über Afrika auf. Gründlich. Und schmerzhaft. Quelle und lesenwerter Bericht: Frankfurter Rundschau

Ngong Hills - wird gerne mit der Silhouette einer geballten Faust verglichen
Strelitzie, Karen Blixen Museum, Nairobi

Gegen 13:00 Uhr erreichten wir dann wieder den Ausgangspunkt unserer Reise, die Masai Lodge, die ich wegen ihrer Lage am südlichen Rand des Nairobis Nationalparks ausgesucht habe. Sind doch von hier alle Sehenswürdigkeiten (Sheldrick Elefantenwaisenhaus, Nairobi NP, Karen Blixen Museum etc.) gut zu erreichen ohne stundenlang in Nairobis Verkehr festzustecken. Mit unserem Cottage Nr. 4 hatten wir diesmal auch wirklich Glück. Es war eines der renovierten Häuser und auch das Bad sah sehr ansprechend aus und verfügte über heißes Wasser per Durchlauferhitzer direkt am Duschkopf. Die Lage an der Gorge ist sowieso sensationell. Das Lunchbuffet war eine Katastrophe. Der ganze Restaurantbereich wirkt sehr vernachlässigt. Wein und Sprite waren seit nunmehr drei Wochen immer noch aus! Mit der kenianischen Version von Fanta können die auch keinen Blumentopf gewinnen. Schmeckt einfach widerlich, wenn man sich mit Bier ein Alster daraus mixen möchte. Ein frecher Pavian enterte das Buffet und packte gleich die Brotration für seine ganze Sippe ein. Hier am südlichen Rand des Nairobis NP´s kann man noch einmal den Stimmen und dem Geruch der Natur frönen.

 

Ganz in der Nähe liegt Leopard Cliff Mansion Boutique Hotel & Rolf's Place. Möglicherweise ist diese deutschgeführte Unterkunft mit sehr gutem Restaurant (Rolf soll selbst in der Küche stehen) für andere Reisende eine Alternative. Leider kannte ich diese Lodge vorher nicht.

Entschädigt wurden wir in der Masai Lodge durch die putzigen Klippschliefer, die ihr Familienleben vor uns zelebrierten.

stillende Klippschliefer, Masai Lodge
Klippschliefer, Masai Lodge
Klippschliefer, Masai Lodge
Klippschliefer, Masai Lodge

Der Rezeptionist Edu und James, der in Stammestracht gekleidet als Guide und Security tätig ist, sind beide Samburus. So haben wir uns lange über Umoja, die Lage der Samburu im Allgemeinen und die unterschiedlichen gesellschaftlichen Traditionen und Auswüchse im Vergleich zu Europa unterhalten. Rebecca Lolosoli kannten beide und berichteten stolz, dass Rebecca schon einmal im Chalet Nr. 1 übernachtet hat. James ist in Maralal Zuhause. Er wird mit uns Morgen den Walk über die Hängebrücke Richtung Kitengela Glas unternehmen. Beide schrieben eine kurze Widmung mit E-Mail-Adresse in Rebeccas Buch.

 

Am Nachmittag sind wir dann gegen 14:45 Uhr mit beiden Tourbussen durch das Masai Gate in den Nairobi NP aufgebrochen. Der 117 m² große Park liegt nur ca. 7 km von der Innenstadt entfernt. So kann man (bei ausreichender Zeit!) Wildtiere vor dem Panorama der Hochhäuser Nairobis sehen. Der Park beherbergt über 100 verschiedene Säugetierarten und weit mehr wie 300 Vogelarten. Zum Süden und Osten hin ist der Park nicht eingezäunt und erlaubt so den Tieren die Wanderung in die Athi und Kapiti Plains. Wie lange es den Park in dieser Form noch geben wird ist fraglich, denn die Regierung plant eine südliche Umgehungstraße für Nairobis Verkehr durch das Gebiet, um die Verkehrslage zu entspannen. Außerdem verkaufen die Masai immer mehr Land in den Plains, das dann zugebaut wird, die Wanderwege der Tiere abschneidet und den Mensch-Tier-Konflikt verschärft. Hier ein kurzes Video, das die Situation kritisch am Beispiel der Gepaden beschreibt.

Ahmed und Gulu, unsere Driver
Nairobi NP

Leider kann man hier mit der Safari Card nicht einchecken und so müssen wir quer durch den ganzen Park zum Main Gate. So geht wertvolle Zeit für uns verloren. Auf dem Weg dorthin sahen wir einen Büffel und eine Breitmaulnashornfamilie.

 

Nach endlosen Diskussionen unserer Driver mit dem Parkpersonal, erfuhren wir, dass es sich zwar um ein 24-Stunden-Eintritts-Ticket handelt, es aber ein Single Entree Ticket ist und man damit nur einmal einfahren darf. Am nächsten Morgen sind für den Game Drive also wieder 40 US$ fällig! Es ist mir wirklich schleierhaft, warum für einen Park 24-Stunden-Tickets ausgestellt werden, in dem man keine Übernachtungsmöglichkeit hat. Dieses System verstehe wer will. Wir vermuten allerdings, dass Safari-Driver gerne mehrere Gäste mit der Safari Card in den Park gebracht und so ihre Kasse aufgebessert haben. Somit konnten wir dann alle Game Drives für die folgenden Tage im Nairobi NP streichen, da nach Rücksprache mit unserem deutschen Reisebüro nur einmalig 40 US$ pP für den Park vorgesehen waren. Über das Prozedere in den Parks hätten sowohl unsere Driver wie auch unser Reisebüro in Deutschland informiert sein müssen. So neu sind diese Regelungen nicht.

Breitmaulnashörner, Nairobi NP
Breitmaulnashorn, Nairobi NP
Diskussionen am Main Gate, Nairobi NP
Main Gate, Nairobi NP

Durch die Fahrt zum Main Gate und die langen Diskussionen haben wir viel Zeit verloren, so dass wir erst gegen 16:15 Uhr zum eigentlichen Game Drive starten konnten. Die Aussicht am Leopard Cliff und der Weg zum Hippo Pool waren sehr schön und landschaftlich absolut lohnend. Gegen 17:00 Uhr kam noch einmal die Sonne raus und die Fieberakazien leuchteten wunderbar im letzten Tageslicht.

 

Außer einem weiteren Breitmaulnashorn war aber wenig Wild zu sichten. Auch hier im Nairobi NP gibt es eine saisonale Wanderung der Tiere und natürlich halten sie sich die Huftiere gerade in den südlichen Plains auf. Am Hippopool kann man aussteigen und eine Wanderung an den Mbagathi River unternehmen. Hippos waren allerdings nicht zu sichten, aber die frischen Losungen lassen darauf schließen, dass sie hier regelmäßig vorbeischauen. Dafür hat sich eine Giraffenfamilie präsentiert.

 

Hier ein lesenwerter Bericht aus der Frankfurter Rundschau:

Breitmaulnashörner, Nairobi NP
Ngong Hills
Leopard Cliff View Point, Nairobi NP
Leopard Cliff View Point, Nairobi NP
Leopard Cliff View Point, Nairobi NP
Nairobi NP
Nairobi NP
Giraffen, Nairobi NP
am Hippo Pool gesehen, Nairobi NP
Grünmeerkatze, Hippo Pool, Nairobi NP

In rasender Fahrt ging es dann zurück zum Masai Gate, das wir eine Minute nach 18:30 Uhr (Toresschluss) passierten. Gulu verlässt uns heute. Ab Morgen steht uns nur noch Ahmed zur Verfügung. Ich verabrede mit Elvira, dass sie für Jochen und mich ab Morgenmittag einen und für den folgenden Tag einen eigenen Tourbus organisiert, so dass wir noch einige Zeit zusammen mit ihr verbringen können. Da das Dinner in der Masai Lodge und die Stimmung am Tisch katastrophal sind, halte ich mich lieber an der Rezeption zu einen ausgedehnten Gespräch mit den beiden Samburus auf.

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© Marina Meger 2017