Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

22.05.2013, Dombo Farm /Makgadikgadi Nationalpark

Mit Heike haben wir verabredet, dass sie uns unser Frühstück einpackt, denn gegen 07:00 Uhr starten wir zu unserem Game Drive in den Makgadikgadi Nationalpark. Auf dem Weg zum Phuduhudu Gate sehen wir immer wieder große Herden Zebras, die zu dieser Zeit vom Nxai Pan Nationalpark aus Richtung Norden an den Boteti River migrieren. Mit ca. 20.000 Zebras ist es die größte zusammen mit der Gnu-Migration die größte Säugetierwanderung im südlichen Afrika. Früher war sie noch wesentlich tierreicher, aber die Veterinärzäune, die aufgrund der expandierenden Rinderzucht kreuz und quer durch Botswana gezogen wurden, haben viele Tiere den Tod gebracht. Da Botswana sein Fleisch hauptsächlich in die EU exportiert, sind von den Europäern sehr strenge Auflagen gemacht worden, was die Verbreitung von Tierseuchen angeht. Müssen wir hier Fleisch aus Botswana konsumieren? Und die EU wiederum exportiert ihre Rinder ebenfalls in die ganze Welt. Meines Erachtens ist das kompletter ökologischer Irrsinn.

 

Am Phuduhudu-Gate zahlen wir unser Park Permit (2 x 120 P zuzüglich 50 P für den PKW). Ich unterhalte ich ein wenig mit den Rangern und lasse mir bestätigen, dass die Khumaga-Fähre in Betrieb ist. Ein deutsches Päarchen hat den Park gestern auf diesem Weg verlassen. Aber wir sollen nochmal am Khumga Gate hinsichtlich der aktuellen Lage nachfragen. Da der Boteti dieses Jahr recht wenig Wasser führt, stand Uli Oehl schon einige Male in Khumga und konnte die Fähre wegen Niedrigwasser nicht nutzen. Eine recht dürftige Karte vom Park mit GPS-Daten kann ich auch noch ergattern. Immerhin gibt es nun überhaupt eine an den Gates. 

A3 auf dem Weg zum Phuhudu Gate, Makgadikgadi NP
Phuhudu Gate, Makgadikgadi NP
Phuhudu Gate, Makgadikgadi NP

Und dann wühlen wir uns durch die tiefsandige Strecke Richtung Boteti. Und tatsächlich, wie von den Oehls angekündigt hat der Sand dieses Jahr aufgrund der langen Trockenheit ebenfalls eine ganz andere Konsistenz wie noch im Juni 2011. Es dauerte nicht lange und wir hatten uns bei einem Ausweichmanöver mit einem entgegen kommenden Fahrzeug festgefahren. Alle packten mit an und ruck zuck ging´s weiter. Wenige Kilometer entfernt hat´s uns noch einmal erwischt. Auch hier konnten wir uns rasch ausbuddeln und ich habe dann darauf bestanden, den Reifendruck zu reduzieren. Dann war Ruhe. Vor zwei Jahren war eine Druckreduzierung nicht notwendig. Willkommen im Club! Auch Uli als Einheimischer hat sich dieses Jahr – vor allem in Nxai Pan - schon mehrere Male eingegraben.

In diesem Nationalpark ist ein echter 4x4 mit hoher Bodenfreiheit Pflicht!

 

Überall am Wegrand sehen wir Elefantendung, kurz vor dem Boteti sehen wir Zebras, Gnus und Kudus.

 

Wir nahmen die erst mögliche Abfahrt zum Boteti Ufer, die uns das Nüvi vorschlug. Es war die Auf-/Abfahrt direkt am Grenzzaun, welche wir vor zwei Jahren in entgegengesetzter Richtung sehr gut erklimmen konnten. Und schon stehen wir vor der wunderschönen Kulisse des blauen Boteti Rivers. Einmal tief Luft holen. Ja, nun sind wir angekommen. Welch ein herrliches Fleckchen Afrika!

 

Wir beschließen gleich hier zu frühstücken und genießen Heikes frisch gebrühten Kaffee und die Sandwiches. Eine Gnuherde stürmt an uns vorbei Richtung Ufer. Auf der gegenüberliegenden Seite des Boteti kommen die Elefanten an den Fluss. Sie teilen sich das Plätzchen mit Zebras und Rindern. Die Elis halten sich witzigerweise außerhalb des Parkgebiets auf, die Rinder innerhalb. Eine größere Rinderherde schwimmt sogar durch den Fluss und entert den Park. Verkehrte Welt!

 

Wir freuen uns sehr, dass wir unser Klunkerkranichpäarchen wieder sehen. Es hat sich sogar seit unserem letzten Besuch verdoppelt. Der Klunkerkranich ist der größte und zugleich der seltenste der sechs afrikanischen Kranicharten. Man schätzt, dass es noch ca. 13.000 Klunkerkraniche in 11 Ländern südlich der Sahara gibt. Mehr als die Hälfte davon leben in Sambia. Aber die dichteste Konzentration liegt im Okavango Delta Botswanas. Die Art wird in der Roten Liste der gefährdeten Arten (IUCN) als bedroht aufgeführt.

 

Am Boteti spielt sich der gleiche Konflikt ab wie fast überall dort, wo es noch freilebende Löwen gibt. Eigentlich leben die Raubkatzen im sicheren, umzäunten Schutzgebiet des Makgadikgadi Nationalparks. Doch direkt an den Park grenzen zahlreiche Rinderfarmen, und der Zaun, der die umliegenden Farmen und den voneinander trennen soll, hat Löcher. Die Raubkatzen wandern auf der Suche nach Beute durch diese Löcher auf die Farmen. Ein gerissenes Rind kann gerade für arme Farmer eine existenzielle Katastrophe bedeuten. Manche von ihnen wissen sich nicht anders zu helfen, als den Löwen zu erschießen. Und so werden die Löwen am Boteti von Tag zu Tag weniger. Wenn für diesen tödlichen Konflikt nicht bald eine Lösung gefunden wird, werden die Löwen eines Tages für immer aus dieser Gegend verschwinden. Quelle: Save Wildlife Fund

Botetiufer, Makgadikgadi NP
Botetiufer, Makgadikgadi NP
Botetiufer, Makgadikgadi NP
Klunkerkranich/Wattled Crane (Bugeranus carunculatus), Botetiufer, Makgadikgadi NP
Klunkerkranich/Wattled Crane (Bugeranus carunculatus), Botetiufer, Makgadikgadi NP
Gnus, Makgadikgadi NP
Gnus, Makgadikgadi NP
Zebras, Botetiufer, Makgadikgadi NP
Zebras, Botetiufer, Makgadikgadi NP
Gnus, Botetiufer, Makgadikgadi NP
Makgadikgadi NP
Gabelracke/Lilac-breasted Roller (Coracias caudatus), Botetiufer, Makgadikgadi NP
Elsterwürger/Magpie Shrike (Urolestes melanoleucus), Makgadikgadi NP
Klunkerkranich/Wattled Crane (Bugeranus carunculatus), Botetiufer, Makgadikgadi NP
Rinder im Nationalpark, Botetiufer, Makgadikgadi NP
Rinder im Nationalpark, Botetiufer, Makgadikgadi NP
Rinder, Zebras und Elefanten im Nationalpark, Botetiufer, Makgadikgadi NP
Angola-Schmetterlingsfink/Blauastrild / Blue Waxbill (Uraeginthus angolensis), Botetiufer, Makgadikgadi NP
Weißrückengeier/White-backed Vulture (Gyps africanus), Botetiufer, Makgadikgadi NP

Da wir noch bei Tageslicht zurück auf der Farm sein möchten und wir uns noch das neue Tiaans Camp in Khumaga anschauen wollen rollen wir langsam am Fluss entlang und finden eine erstaunlich gute Auffahrt auf die Hauptpad. Auf der Khumaga Campsite legen wir einen Toilettenstopp ein. Die Sanitäranlagen sind sauber und gepflegt. Vier andere Fahrzeuge mit Campern haben ihre Zelte hier aufgeschlagen.

 

Das Fahrzeug, welches uns zum Ausweichmanöver in der Nähe des Gates gezwungen hat, ist bis zur Khumaga Campsite übrigens das einzige Fahrzeug, das uns im Park begegnet. Auf der Campsite stehen dann vier weitere PKW und an der Fähre warten noch vier Fahrzeuge um in den Park überzusetzen. Der Ferry Man ist wohl gerade zum Lunch nach Hause gegangen. Wir müssen zwischen 13.00 und 14:00 Uhr fast 50 Minuten warten. Aber was ist Zeit in Afrika?

 

Da zunächst ein Fahrzeug von der anderen Seite übersetzt, können wir sehr gut einschätzen, wie weit und wie lange wir mit dem Wagen durch den Fluss fahren müssen. Also tatsächlich war es so, dass wir mehr durch den Fluss gefahren, wie auf der Fähre gestanden sind. Die Gebühr für´s Übersetzen beträgt 130 P.

Richtung Khumaga Campsite, Makgadikgadi NP
Khumaga Fähre, Makgadikgadi NP

Die erste Straße hinter der Fähre führt rechts zum Camp der Nationalparkranger. Heike hat uns verraten, dass dahinter das Tiaans Camp liegt (GPS S20 28.218 E24 30.848). Vielleicht können wir nun das Restaurant testen und uns ein wenig umschauen. Wir fahren vor ein abgeriegeltes Tor, niemand erscheint. So öffne ich selbst und wir fahren auf den Hof, der eine rege Bautätigkeit erahnen lässt. Ein farbiger Vorarbeiter klärt uns darüber auf, dass das Camp noch nicht eröffnet ist und keiner der Besitzer anwesend ist. Wann mit der Eröffnung gerechnet werden kann bleibt offen. O. k., nun bin ich echt sauer und habe keine Lust mehr meine kostbare Urlaubzeit hier zu verplempern. Es wäre sinniger erst einmal alles fertig für Touristen herzurichten und dann mit der Werbung via Internet zu starten!

 

Lt. T4Africa geht bei Matimo eine Straße Richtung A3 über den Boteti. Das wollen wir doch einmal ausprobieren. Wir fahren durch das lebhafte Örtchen Matimo und gelangen an den Fluss... Hmmh, eine Brücke gibt es nicht nur zwei klitzekleine Pontonflöße. Nichts für unseren großen Wagen. Vor einigen Jahren war das hier wohl eine fahrbare Furt, um den Boteti zu überqueren. Das war bestimmt bevor er wieder so viel Wasser führte. Die Landschaft hier ist wunderschön, einige hübsche Vögel sind auch zu beobachten, also beschließen wir hier unseren Kaffee zu trinken. Tisch und Stühle sind rasch ausgepackt und wir genießen die absolute Ruhe mit Blick auf den Fluss. Ein alter Mann quert mittels der Pontonfähre den Boteti und wir halten noch ein nettes Schwätzchen mit ihm.

am Botetiufer bei Matimo
am Botetiufer bei Matimo
am Botetiufer bei Matimo
am Botetiufer bei Matimo
am Botetiufer bei Matimo

Gegen 16:00 Uhr sind wir dann zurück auf der Dombo Farm und haben noch einen schönen Nachmittag mit Heike und Uli. Das Dinner war mal wieder fabelhaft. Danke Heike! Die Leoparden Charly und Koala lassen sich am Wasserloch blicken und in der Nacht heulen die Hyänen. Der Dracula-Hyänen-Clan muss da gewesen sein, denn am Haus sind Spuren zu sehen.

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© Marina Meger 2017