Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

08.11.2015, Nkuringo Gorilla Lodge, Bwindi Nationalpark, 87 km

In der Morgendämmerung tauchte heute erstmals sichtbar der Mt. Muhavura, der östlichste der Virunga-Vulkane, am Horizont auf. Noch bedeckte er sein Haupt mit einer hübschen Schlafmütze. Aber schon recht bald verwand er wieder unter seiner Bettdecke. Ich zeigte Verständnis, denn morgens war es doch noch recht frisch in dieser Höhe.

im Hintergrund Mt. Muhavura, Lake Bunyonyi, Uganda
Lake Bunyonyi, Uganda
Lake Bunyonyi, Uganda

Wir frühstückten gegen 07:30 Uhr bei bestem Wetter und verabschiedeten uns eine halbe Stunde später. Gerne wären wir von Rutindo auf direktem Weg am See entlang nach Muko gefahren. Die Piste soll fantastische Ausblicke auf See und Hügellandschaft gewähren (siehe Karte Bradt Travel Guide, Seite 240 - narrow road), aber leider war diese Erdpiste aufgrund der Regenzeit nicht befahrbar. Für uns steht aber schon jetzt fest, dass es rund um den Lake Bunyonyi noch so einiges zu entdecken gibt und wir auf jeden Fall für einen längeren Aufenthalt wieder kommen werden.

 

Auch ohne Kalender (irgendwann verlieren wir im Urlaubsmodus jegliches Datumsgefühl) registrierten wir, dass Sonntag sein musste. Auf der erst vor wenigen Jahren vollständig geteerten Kabale-Kisoro-Road war viel herausgeputztes Volk in festlicher Kleidung unterwegs.

Karte Route Bunyonyi - Nkuringo, OSM
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko

Die kurvenreiche Strecke war gespickt mit Speedbumbs, so dass wir nicht wirklich schnell fahren konnten und lange dem entsetzten Quieken des armen Schweines lauschen mussten, das wie ein Paket verschnürt per Fahrrad transportiert wurde (hoffentlich hat ihm nicht sein letztes Stündlein geschlagen).

Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko
interessante Ablagerungen vulkanischen Ursprungs, Kabale-Kisoro-Road zwischen Kabale und Muko

Bei Muko nahmen wir dann wieder rostrote Erdpiste unter die Räder, zunächst noch durch Farmland und gesäumt von vielen Dörfern. Vor den einfachen Hütten saßen Frauen auf dem Boden, wuschen Wäsche, putzen Gemüse, zerstampfen Getreide oder balancierten schwere Habseligkeiten auf dem Kopf. Rotznasige Kinder mit durchlöcherter Kleidung winkten uns und riefen begeistert ihr Mzungu, Mzungu.

Schilderwald bei Muko
Muko-Rubuguri-Road
Schilderwald bei Katojo, Muko-Rubuguri-Road
Muko-Rubuguri-Road
Muko-Rubuguri-Road
Muko-Rubuguri-Road

Je näher wir dem Bwindi kamen, umso steiler empfanden wir die tief eingeschnittenen Täler rechts der Piste - obwohl der Höhenunterschied zum Bunyonyi lediglich einige hundert Meter beträgt. Ab und zu mussten wir einige Überspülungen durchfahren, kleinere Erdrutsche  umfahren, aber im Großen und Ganzen war die Straße nach Rubuguri bzw. Rushaga sehr gut, wenn  auch mit gebotener Umsicht befahrbar. Hinter jeder Kurve wird man mit neuen Überraschungen konfrontiert: Ziegenherden, Kühe, Kamikaze-Trucks, fliegende Boda-Bodas, Radfahrer mit schweren Lasten in Überbreite. Überhaupt ist meines Erachtens ein Boda das effizienteste Fahrzeug, um sich hier im Bergland rasch von A nach B zu bewegen.

Muko-Rubuguri-Road
Muko-Rubuguri-Road
Muko-Rubuguri-Road
Im Hintergrund der Bwindi NP und Rushaga, Muko-Rubuguri-Road
Muko-Rubuguri-Road
Muko-Rubuguri-Road
"Mzungu, Mzungu"! Muko-Rubuguri-Road
Muko-Rubuguri-Road
Muko-Rubuguri-Road
Muko-Rubuguri-Road

Vor Rushaga ging es steil ins Tal hinunter. Wir überquerten auf einer kleinen Betonbrücke einen reißenden Bergbach, der recht viel Wasser führte. Rechterhand ging´s weiter nach Rushaga. Wir orientierten uns nach links Richtung Rubuguri, wo wir einen kleinen Stopp einlegten, um unsere Zigarettenvorräte aufzufüllen.

Rubuguri

Hinter Rubuguri war dann war Schluss mit lustig! Die letzten 9 km Piste bestanden aus Schlaglöchern, Lehmserpentinen, felsigen Abschnitten, wasserführenden Querrillen, blockierenden Felsbrocken, führten steil bergauf und wieder hinab. Dies war der wilde Teil der Strecke nach Nkuringo und deshalb gibt´s keine Fotos. Wir waren froh, dass wir diesen Streckenabschnitt bei Trockenheit bewältigen konnten.

 

Bereits um 11:00 Uhr erreichten wir das große Eingangstor der Nkuringo Bwindi Gorilla Lodge, 2.200 m hoch gelegen und neben Buhoma wieder so ein Ende der Welt, eine Sackgasse - zumindest für Touristen. Fährt man die Piste noch 7 km weiter, erreicht man die grüne Grenze zum Kongo ohne Immigration Office. Lediglich die Locals und die UN nutzen diesen Grenzübergang.

 

Warum nun ausgerechnet das abseits liegende Nkuringo besuchen? Unser Reisefreund Axel (Uganda80) hatte uns mit seinen Reiseberichten infiziert. Dies ist der einzige Platz in Uganda, wo die Chance besteht alle acht Virunga-Vulkane zu sehen. Vor allem auf die beiden aktiven Vulkane Nyiragongo und Nyamuragira waren wir sehr gespannt.

 

Abgesehen davon, haben wir die Miteigentümerin Lydia dieses Jahr in Berlin kennen gelernt. Sie hat uns einen Gefallen getan und so wäscht eine Hand die andere. Klar, dass wir ihre Lodge besuchen, wenn wir in der Nähe sind.

 

Bereits von Buhoma aus hatte ich uns telefonisch bei Jackie, der Managerin angekündigt und um einen preiswerten Raum mit Blick auf die Vulkankette gebeten. So erwartete man uns und wir wurden auf das Herzlichste vom Team empfangen.

 

Die Lodge, früher unter dem Namen Nkuringo Gorilla Camp bekannt, wurde 2008 von Robert, einem professionellen Safari Guide, mit viel Liebe zum Detail an exponierter Stelle über Nkuringo Village thronend errichtet. Das Schwesterunternehmen Nkuringo Adventure Safaris (früher Nkuringo Walking Safaris) ist in der Szene u.a. bekannt für seine exzellent organisierten und geführten Hiking-Touren in der Region. Im April 2014 verstarb Robert plötzlich und unerwartet und hinterließ in der Schweiz eine Frau und zwei kleine Kinder. Somit führt Lydia das Unternehmen nun allein im Sinne Roberts und seiner Frau weiter.

 

Herbert, Assistent Manager, Guide, Koch, gute Seele der Lodge und ein ganz besonderer Freund von Axel führte uns während eines Begrüßungsdrinks zusammen mit Agatha, ebenfalls Guide und im Service tätig, in die Gepflogenheiten der Lodge ein. Strom und Wlan gab es nur zu den Generatorzeiten und heißes Wasser in den vier Cottages wird morgens und abends per Hand vom Staff in die Hochtanks geladen. Abrechnung per Kreditkarte ist möglich. Ein wenig später konnten wir auch Jackie, die Managerin der Lodge, aus Nairobi stammend, begrüßen. Ihr vierjähriger Sohn Neil war gerade in Nkuringo zu Besuch und innerhalb kürzester Zeit waren Jochen und der kleine Neil unzertrennliche Freunde (einer unserer noch verbliebenen zwei Lederbälle wechselte den Besitzer). Da sich eh gerade mal wieder die Schleusen des Himmels geöffnet hatten, kümmerten wir uns zunächst um unser leibliches Wohl in Form einer wärmenden Suppe und lernten den Rest des Hand in Hand arbeitenden Teams kennen.

 

Da sind zunächst Slivia (Housekeeping, Stroke, Service), Florence (Bar, Housekeeping, Kitchen), Victoria, Florences Schwester, Peace und Patrick zu nennen. Die Vogelwelt in den Büschen vor der Veranda sah ebenfalls sehr vielversprechend aus und den gelben Senegalbrillenvogel erwischte ich heute besser als in Buhoma.

Jochen und Neil, Nkuringo Gorilla Lodge, Nkuringo, Uganda
Preussnektarvogel/Northern Double-collared Sunbird (Cinnyris reichenowi reichenowi)♂, Nkuringo, Uganda
Senegalbrillenvogel/African Yellow White-eye (Zosterops senegalensis toroensis), Nkuringo, Uganda

Nachdem das Gepäck einigermaßen trocken transportiert werden konnte, zeigte uns Agatha unsere Bleibe für die kommenden zwei Nächte. Zu unserer Überraschung hatte man für uns das Luxery Cottage „Nyiragongo“ vorbereitet, welches von der privaten Terrasse aus einen direkten Blick auf die beiden aktiven Virunga-Vulkane eröffnete. Wie lieb und aufmerksam! Das Ambiente der überdachten Tented Luxery Cottages gefiel uns auf Anhieb sehr. Auch das direkt anschließende Bad war mit Liebe zum Detail gestaltet worden. Perfekt!!! Da reichte dann während des trüben Wetters die Zeit für mich, um die Matratzen und der doppelte Lage Bettdecke einem Test zu unterziehen. Jochen unternahm einen Spaziergang ins benachbarte Dorf.

Nkuringo Village, im Hintergrund liegt Buhoma
mir unbekannte, aber hübsche Pflanze (vermutlich verwandt mit Salvien), Nkuringo Gorilla Lodge

Den Rest des Nachmittags verbrachten wir schwätzend mit dem Personal. Wie bereits mehrfach in meinen Reiseberichten erwähnt, ist Afrika bekanntlich ein Dorf. Agatha berichtete, dass sie in Nkuringo zusammen mit ihrem 20 Monate alten Sohn lebt, den tagsüber eine Kinderfrau betreut. Ihr Wohnsitz ist normalerweise Rutenga, etwas südlich von Kanungo. Dort wohnt auch ihr Partner. Eigentlich stammt Agatha jedoch aus Fort Portal. Auf dem Tablet schauten wir uns einige Fotos aus Fort Portal und von Kluges Guestfarm an. Plötzlich bricht Agatha in prustendes Lachen aus und bedeutet mir, dass sie die Tante des jungen Mannes dort auf dem Fotos ist. Es handelt sich um Robert, der zusammen mit Agatha seine Ranger-Ausbildung im Kibale Forest absolvierte und nun seit einigen Jahren im Service auf Kluges Guestfarm arbeitet. Unglaublich, wie klein die Welt ist!

Agatha, Nkuringo Gorilla Lodge
Robert von Kluges Guestfarm

Irgendwann am späten Nachmittag schälten sich die Umrisse der steilen Kegel der Virunga-Vulkane aus dem Dunst. Herbert brachte uns ein Stück die Straße runter an eine Stelle, von welcher man die gesamte Bergkette überblicken konnte. Dampfwolken stiegen aus den feuchten Wäldern. Dazwischen blinkende Blechdächer und terrassiertes Ackerland. Welch ein atemberaubender Anblick! Wenn uns vor 10 Jahren jemand prophezeit hätte, dass wir einmal hier im Dreiländereck Uganda/Ruanda/Kongo stehen und stundenlang zwei aktive Vulkane bestaunen würden, den hätten wir müde belächelt!

 

Die Rauchfahne des Nyamuragira, in dem sich ebenfalls ein Lavasee gebildet hat, war viel deutlicher zu sehen, wie die des benachbarten Nyiragongos. Der Nyamuragira brach zuletzt im November 2011 kurz nach Axels Abreise aus Nkuringo aus und gilt als einer der aktivsten Vulkane Afrikas. Dies bezieht sich ebenso auf den roten Feuerschein nachts, den wir gemütlich - bereits im Pyjama - von unserer Veranda aus beobachteten. Vermutlich liegt der Lavasee einfach höher wie der des Nyiragongos, den man von der DR Kongo aus besteigen kann. Die beiden aktiven Vulkane liegen nur etwa 60 km Luftlinie entfernt von Nkuringo.

Mt. Muhavura, Mt. Gahinga, Mt. Sabinyo, Nkuringo, Uganda
Mt. Nyamuragira, Nkuringo, Bwindi, NP, Uganda
Mt. Nyiragongo, Nkuringo, Bwindi, NP, Uganda
Mt. Muhavura, Mt. Gahinga, Mt. Sabinyo, Mt. Visoke, Mt. Karisimbi, Nkuringo, Uganda
Mt. Muhavura, Mt. Gahinga, Nkuringo, Uganda
Mt. Mikeno, Mt. Nyiragongo, Mt. Nyamuragira, Nkuringo, Uganda
Mt. Nyiragongo, Mt. Nyamuragira, Nkuringo, Uganda

Nach einem sehr leckeren Viergang-Dinner (Herbert hat frisches Brot gebacken!) übergab ich Jackie die große Tasche mit Verbandsmaterial und Medikamenten für die Health Unit in Nkuringo Village, die in etwas drei Monaten fertig gestellt sein sollte. Die gesamte Kinderkleidung fand beim Personal reißenden Absatz.

 

Nachdem wir dann noch eine Weile mit Herbert und Agatha Fotos von Südtansania angeschaut hatten, begaben wir uns gegen 22:00 Richtung Vulkan-TV und anschließend in das wunderbar kuschelige Bett, in dem wir zwei heiße Wärmflaschen vorfanden…

Nkuringo Gorilla Lodge, Nkuringo, Bwindi NP, Uganda
Neil, Nkuringo Gorilla Lodge, Nkuringo, Bwindi NP, Uganda
Slivia, Florence, Agatha, Nkuringo Gorilla Lodge, Nkuringo, Bwindi NP
Marina, Jackie, Agatha, Nkuringo Gorilla Camp, Nkuringo, Bwindi NP
für mehr als ein Beweisfoto hat´s nicht gereicht: Mt. Nyamuragira, Nkuringo, Bwindi, NP, Uganda
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