Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

13.10.2012 Lake Buro - Entebbe

Karte Lake Mburo - Entebbe, T4Africa

255 km

 

In der Nacht entlädt sich wieder ein gewaltiges Tropengewitter. Regen prasselt aufs Dach und laute Musik aus einiger Entfernung vertreibt die Geräusche des afrikanischen Buschs.

 

Sturm und Regen halten bis zum Morgen an und Jochen und ich entscheiden, den Game Drive sausen zu lassen, denn man würde eh kaum etwas sehen. So fährt Picco dann allein in den Park, d.h. zusammen mit meiner Reisetasche und meiner Kamera, denn Jochen hat mal wieder alles übereifrig schon im Wagen verstaut! Bis Picco gegen 10:00 Uhr zurück war, habe ich gefroren wie ein Schneider (und nicht nur ich)! Die schönen Sunbirds, für die ich das Teleobjektiv gebraucht hätte, sind mittlerweile geflohen oder zu Eis erstarrt vom Himmel gefallen!

Zebra, Rwakobo Rock Lodge
Mackinnonwürger / Mackinnon's Fiscal (Lanius mackinnoni), Rwakobo Rock Lodge
Doppelzahn-Bartvogel / Double-toothed Barbet (Lybius bidentatus), Rwakobo Rock Lodge
Doppelzahn-Bartvogel / Double-toothed Barbet (Lybius bidentatus), Rwakobo Rock Lodge

Nachdem Picco sein spätes Frühstück beendet hat, sind wir gegen 11:30 Uhr nach herzlicher Verabschiedung Richtung Entebbe gestartet. Bis Masaka ist auf der der Teerstraße ein gutes Vorankommen, doch ab dort bis kurz vor Kampala ist eine zeitraubende Baustelle eingerichtet, in der sich keiner der anderen Verkehrsteilnehmer an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Vor allem die Fahrer der großen Überlandbusse glauben, sie wären Lewis Hamilton!

Nick, Picco, Marina, Katie, Chris
abgebrochene Zweige auf der Straße deuten auf ein Hindernis, zwischen Kagate und Masaka
schwerer LKW-Unfall zwischen Kagate und Masaka
LKW-Unfall zwischen Kagate und Masaka
zwischen Kagate und Masaka
zwischen Kagate und Masaka
zwischen Kagate und Masaka
zwischen Kagate und Masaka
zwischen Kagate und Masaka
zwischen Kagate und Masaka
Masaka
Masaka
zwischen Masaka und Kampala
zwischen Masaka und Kampala

Chris gab uns eine Beschreibung für die Umfahrung von Kampala mit. Ca. 5 km vor Kampala geht es rechts ab zum Budo Kings College (großes Schild). Damit sollten wir dem gefürchteten Verkehrschaos der Hauptstadt entkommen.

 

Unterwegs in der zeitraubenden Baustelle entscheide ich kurzerhand Patrick von Alpha-Car-Rental anzurufen und mit ihm einen Treffpunkt zur Wagenübergabe noch vor Kampala aus zu machen. Und zwar genau an besagtem Schild „Budo Kings College" übernahm Patrick das Steuer und teilte uns auch gleich mit, dass die Abkürzung Richtung Entebbe wegen Staus nicht befahrbar ist. Also kutschierte er uns noch eine gute Stunde durch Kampala bis wir gegen 17:00 Uhr wieder am Boma-Guesthouse eintrafen. Picco und ich luden das Gepäck aus und checkten ein, während Jochen mit Patrick in der nahegelegenen Tankstelle für einen vollen Tank sorgte. Die Übergabe des Wagens erfolgte völlig unbürokratisch, nachdem Picco erklärte, wie man die ausgehängten hinteren Scheiben wieder funktionsfähig machen kann. Selbstredend erhielt Patrick ein ordentliches Trinkgeld für den nervenschonenden Shuttleservice.

Baustelle zwischen Masaka und Kampala
zwischen Masaka und Kampala
zwischen Masaka und Kampala
zwischen Masaka und Kampala
zwischen Masaka und Kampala
The Boma, Entebbe
The Boma, Entebbe
Hammerkopf / Hamerkop (Scopus umbretta), The Boma Guesthouse, Entebbe
The Boma, Entebbe
Jochen, The Boma, Entebbe
The Boma, Entebbe
Schmucknektarvogel / Red-chested Sunbird (Cinnyris erythrocerca), The Boma Guesthouse, Entebbe
Bindenlärmvogel / Eastern Grey Plantain-eater (Crinifer zonurus), The Boma Guesthouse, Entebbe

Im Boma Hotel ergatterten wir diesmal das wesentlich schönere Zimmer Nr. 14 mit Eingangstür zum Gartenrestaurant. Wir gönnten uns hier ein sehr gutes Abschiedsdinner und gingen früh gegen 20.00 Uhr zu Bett, denn der Weckdienst soll bereits um 01.00 Uhr tätig werden.

 

Doch bereits um 21:30 Uhr falle ich durch lautes Gerede und Gelächter vor unserem Fenster aus dem Bett. Eine Gruppe Gäste unterhielt sich und die anderen Hotelgäste lautstark. Ich war am Kochen! Gegen Mitternacht gab ich auf, duschte, zog mich an und marschierte mit meinem Glas Nescafe Richtung Rezeption. Bei den Ruhestörern bedankte ich mich ironisch für die schlaflose Nacht und die nette Gartenparty! Beim Rezeptionisten machte ich ebenfalls meinem Ärger Luft. Der verstörte junge Mann entschuldigte sich vielmals: „Oh Mam, I´m so sorry. I told them so often they should be quiet. But it´s the boss from the UN! He´s just arrived with his colleagues from New York!" In diesem Moment kam der UN-Boss auch mit seinem Gefolge um die Ecke und entschuldigte sich ebenfalls: „We´re so sorry! But we still arrived from New York and we´ve jetlag. We´ll finish in 15 Minutes, is it ok for you?" Welch eine Dreistigkeit! Diese egoistischen Amerikaner drehen sich nur um sich selbst! Ich erklärte ihm, dass sich ihr Verhalten gegenüber anderen Hotelgästen als äußerst rücksichtslos empfinde.

 

Um 01.30 Uhr brachte uns Ibrahim, der Fahrer des Boma Hotels zum Airport. Check-in, Gepäckaufgabe waren sehr schnell erledigt. Der kleine Flughafen ist übersichtlich und unser Rückflug, diesmal ohne Zwischenlandung in Kigali, startete pünktlich.

 

Service, Bordmenüs und Beinfreiheit waren auch bei diesem Turkish Air Flug vorbildlich. In den sehr komfortablen Sitzen der Boing 707 haben wir uns wohl gefühlt.

 

In Istanbul hatten wir dann 4 Stunden und 50 Minuten zu überbrücken, bevor wir uns bei Picco für die angenehme Reisebegleitung bedankten und sich unsere Wege trennten. Um 14:50 Uhr rollte unser Zubringerflug nach Hannover Richtung Startbahn. Doch ein Fluggast direkt vor uns erlitt einen Herzinfarkt. Kompetente Ärzte waren sogleich zur Stelle, denn der halbe Flieger war gefüllt mit Teilnehmern eines Medizinkongresses. Bis der Flughafennotarzt, die Ambulanz und die Sanitäter eintrafen, vergingen gut 20 Minuten. Eine weitere halbe Stunde verstrich, bis der Passgagier aus der engen Kabine transportiert werden konnte. Ich möchte im Flieger besser nicht in eine akute gesundheitliche Notsituation geraten! Mit einer Stunde Verspätung sind wir dann in Hannover gelandet.

Istanbul
Istanbul
Istanbul
Marina und Picco, Istanbul Airport

Fazit

Naturraum:

In Uganda treffen die ostafrikanischen Savannen mit den westafrikanischen Urwäldern zusammen. Dieses fruchtbare, üppig grüne Land am westafrikanischen Grabenbruch fasziniert durch seine seltenen, bedrohten Tierarten, seine wunderbaren Wasserlandschaften und sicherlich auch durch die geheimnisvollen Bergnebelwälder, die wir leider nicht gesehen haben.

 

In den zwei Wochen unseres Aufenthaltes haben wir ebenso vier der Big Five sehen können, wie in drei Wochen Kenia im Juli 2012. Der Leopard fehlt uns in Ostafrika also nach wie vor. Jedoch ist die Säugetierdichte aufgrund der jahrelangen Wilderei in der Vergangenheit nicht annähernd so hoch wie in Tansania und Kenia. Uganda ist aber das absolute Paradies für Birder und Schmetterlingsfreunde! 1061 Vogelarten sind in Uganda heimisch. In Afrika hat nur noch Kenia mit 1132 Arten mehr zu bieten.

 

Bevölkerung:
Nach Kenia hätte ich ja nicht vermutet, dass es noch eine Steigerung gibt. Aber auch wir sind hier auf unglaublich nette und offene Menschen getroffen, die trotz ihres Schicksals den Kopf hoch tragen und die auf ihr Land unglaublich stolz sind. Die Ugandaer sind sehr kontaktfreudig, hilfsbereit und wir haben viele bereichernde Gespräche geführt. Betteleien u. ä. haben wir nur einmal erlebt. "Fotos nur gegen Geld" hat in Uganda noch keinen Einzug gehalten.

 

Mischung der Reiseziele:
Es sollte diesmal ein flexibel gestalteter Relaxurlaub werden mit Zeit, um an interessanten Orten länger zu verweilen. Ich denke, dass uns das recht gut gelungen ist. Die Begegnung mit den Menschen, der Besuch kultureller und/oder sozialer Projekte ist ein wichtiger Bestandteil unserer Reisen. Zwei/drei Wochen nur Tiere und Landschaft gucken, macht für mich nicht Afrika aus. Dazu gehören eindeutig die Menschen. Sie machen Afrika aus!

 

Kosten:
Eine unserer preiswertesten Afrikareisen bislang, da Mietwagen und Flug extrem günstig waren. Die Unterkünfte waren bislang nur in Südafrika preiswerter. Das Essen ist in Uganda sowieso sehr günstig! Die Nationalparkgebühren sind für südafrikanische Verhältnisse mit 35 US$ pP/Tag hoch, aber verglichen mit Kenia und Tansania fast Peanuts! Ugandareisen verteuern sich jedoch sehr durch das Gorillapermit, welches in vielen Pauschalreisen enthalten ist!

 

Straßenzustand/Verkehr:
Die geteerten Straßen auf denen wir uns bewegten, gehörten ebenfalls zu den besten Afrikas (kaum bis keine Potholes). Manche deutsche Autobahn ist dagegen ein hoffnungsloser Sanierungsfall. Die touristischen Hauptstrecken in den Nationalparks waren in gutem Zustand, es gibt aber durchaus selten benutzte Strecken, die (mir) keinen Spaß machen. Aber das hat nichts zu sagen. Ich gehöre da eh zu den vorsichtigen, leicht ängstlichen Beifahrern.

Bei Regen verwandeln sich die Murramroads allerdings rasch in Schmierseife.

 

Nicht alles, was auf der Karte wie der kürzeste Weg aussieht, ist auch der zeitsparendste Weg. Erkundigt Euch bei den Einheimischen, welche Routen sie benutzen um von A nach B zu kommen. Vor allem kennen sie die aktuelle Lage, die sich hier täglich ändern kann (eingestürzte Brücken, Erdrutsche, Überschwemmungen etc.). Um dem Verkehrschaos (vor allem am Ankunftstag) in Kampala zu umgehen, haben wir die elegante Variante gewählt und den Überbringer unseres Mietwagens gebeten, uns bis vor die Tore Kampalas zu bringen.

Außerhalb Kampalas konnte man eigentlich von Verkehr nicht reden. Lediglich die lange Baustelle zwischen Masaka und Kampala war wegen der überholenden Harakiri-Überlandbusse etwas anstrengend.

 

Klima im Oktober:
Naja, 34° und 90% Luftfeuchtigkeit sind nicht wirklich mein Lieblingsklima. Freue mich sehr auf den südafrikanischen Winter! Man kann dann einfach tagsüber mehr unternehmen und wird nicht von den Insekten angefallen. Eigentlich sollte der Oktober ja Regenzeit sein. Dafür war es erstaunlich trocken. Vereinzelte Gewitter traten in lokal eng begrenzten Gebieten auf und dauerten in der Regel nur kurze Zeit.

 

Gesundheit/Hygiene:
Für den Aufenthalt in Uganda ist eine Gelbfieberimpfung empfohlen. Bei direkter Ein- und Ausreise aus/nach Europa aber nicht zwingend vorgeschrieben (Stand 2012). Der Sudan, in dem aktuell wieder eine Gelbfieberepedemie wütet, ist nicht weit entfernt. Malariaphrophlaxe haben wir in Uganda aufgrund der Jahreszeit mit Doxycyclin gemacht. Wurde von uns beiden auch gut vertragen. Expositionsprophylaxe (Autan, Antibrumm-Forte, Nobite, Moskitonetze, langärmelige Kleidung) hat bei mir hinsichtlich Moskitostichen nichts genutzt, bei Jochen zu 100%. Die Biester haben sogar durch den Canvas-Stoff der Safaristühle getroffen!

Tsetsefliegen haben wir nur sehr vereinzelt gesehen. Große Schwärme überhaupt nicht und eine habe ich erschlagen, als sie mich in die Ferse stechen wollte!

Zum Zähneputzen und Trinken haben wir uns mit fünf Galonen Mineralwasser eingedeckt. Das war viel zu viel, da in allen Lodges Wasserflaschen für die Gäste bereitstehen. Mit drei Galonen wären wir auch noch auf der sicheren Seite gewesen. Wir konnten einiges von unserem Vorrat verschenken.

Toiletten in Lodges und Nationalparks verfügen im Durchschnitt nicht über den Standard wie im südlichen Afrika. Für mich aber absolut o.k.

 

Finanzen:
Wir haben 3600 US$ mitgenommen, die wir zu dritt bis auf 100 US$ auch verprasst haben (u.a. für den Mietwagen). Die Eintrittsgebühren für die Nationalparks haben wir ausschließlich in bar mit UGX gezahlt, ebenso einige Lodges. Tanken funktionierte bei uns auch nur in bar in UGX. Wir haben jedoch an den Geldautomaten der Barclays Bank immer, mehrfach zwischen 400.000 und 500.000 UGX mit VISA erhalten. Nur ist es lästig, seine Tour nach Geldautomaten ausrichten zu müssen. Vom Murchison Falls NP hätten wir nicht mal eben nach Masindi fahren wollen. Selbst für Pakwach hatten wir keine Zeit. Deshalb ist eine größere Menge Bargeld einfach zeitsparender. In welcher Währung auch immer! Ein Tag mehr Aufenthalt in Kampala/Entebbe am Beginn der Tour wäre für solche grundlegenden Dinge wie Einkauf, Geldversorgung etc. sicherlich sinnvoll. 

 

Navigation/Karten/Reiseführer:
Das Nüvi mit T4Africa hat Lücken. Und der Garmin City Navigator East Africa hätte allenfalls etwas in Kampala genutzt.
Also mit Papierkarten und den entsprechenden Parkmaps ist man gut versorgt. Alle POIs sind gut ausgeschildert.
Die aktualisierte Ausgabe des Reise Know How Uganda vom September 2912 hat mich enttäuscht. Vermutlich ist es aber immer noch der beste deutschsprachige Reiseführer. Absolut empfehlen kann ich jedoch den Bradt Travel Guide Uganda! Für 2013 ist eine neue Ausgabe geplant.

 

Sonstiges:
Stromausfälle hat es während unserer Anwesenheit im Land keine gegeben. Für Uganda benötigt man Zeit. Wir werden auf jeden Fall noch mehrmals wieder kommen, um alles was nun „liegen geblieben" ist (Kidepo NP, Ruwenzori Mountains, Bwindi NP, Lake Mburo, Lake Victoria, Jinja, Crater Lakes, Fahrt auf dem Albert-Nil bis in den Südsudan, Kibale Forest, Bigodi Wetlands) noch mitzunehmen.

 

Dank:
Vielen, herzlichen Dank an Axel, den ich bis zur Weißglut mit meinen Fragen über Uganda löchern konnte. Ganz lieben Dank an Leona (auch fürs Ohrleihen), deren sehr informativer Ugandabericht für uns gerade noch zeitnah vor Reisebeginn auf den Bildschirm flatterte und uns in der Auswahl unserer Unterkünfte bestärkt hat. Und herzlichen Dank an alle Fomis für ihre Uganda-Reiseberichte, die immer wieder zur Entscheidungsfindung beitrugen und die Planung so enorm erleichterten.

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© Marina Meger 2017