Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

01.10. 2012 Ziwa Rhino Sanctuary

Bis 06:00 Uhr haben wir sehr gut geschlafen. Mit Francis vereinbarten wir nur einen kurzen Kaffee zum Frühstück, da wir um 08.00 Uhr einen Birding Walk an der Ranger Station des Sanctuary unternehmen wollten, anschließend spätes Frühstück und dann den Rhino Walk nachschieben wollten. So starteten wir zusammen mit Francis in unserem Wagen Richtung Rhino Fund Headquarter.

 

Dort angekommen entrichteten wir erst mal das Permit für den Birding Walk (20 US$ pP) und das Rhino Trekking (30 US$ pP zuzüglich einmalig 15 US$ für den Guide), bevor wir von unserem Guide Taban geeignete Gummistiefel ausgehändigt bekamen. Jochen wollte lieber mit den beim Globetrotter erstandenen Gamaschen über seinen Wüstenstiefeln los ziehen. Picco und ich wählten die empfohlene Gummistiefel-Variante!

Francis, Jochen, Taban, Picco am Rangerposten, Ziwa Rhino Sanctuary
Kandelaber-Euphorbie, Birdwatching Walk, Ziwa Rhino S.

Gegen 08:30 Uhr zogen wir endlich los in den Busch. Außer Moskitos, wunderschönen Schmetterlingen und fantastisch bunten Libellen sahen wir wenig bis gar keine Tiere. Irgendwo, irgendwann haben wir einen Buschbock flüchten gehört. Vogelbeobachtung zu Fuß ist meines Erachtens suboptimal, da wir die gefiederten Gesellen alle verscheuchen. Ein schöner Hochstand mit Schattendach, wo man in Ruhe einige Zeit verweilen kann, wäre besser geeignet gewesen zum Birden! Mittlerweile wurde es nämlich schon ganz schön warm und die hohe Luftfeuchtigkeit lud geradezu ein, hier besser einen Produkttest für ein neues Antitranspirant durchzuführen. Zumindest ich wäre ein brauchbarer Proband gewesen...

 

Ach ja, also wir bekamen einen Senegalkiebitz, einen Senegalliest und eine Meerkatze vor die Linse.

Marina, Taban, Birdwatching Walk, Ziwa Rhino S.
Senegalliest / Woodland Kingfisher (Halcyon senegalensis), Ziwa Rhino S.
Senegalkiebitz/African Wattled Lapwing (Vanellus senegallus). Ziwa Rhino S.
Grünmeerkatze, Ziwa Rhino S.
Birdwatching Walk, Ziwa Rhino S.
Birdwatching Walk, Ziwa Rhino S.
Birdwatching Walk, Ziwa Rhino S.

Je nach Gast nehmen die Guides auch entsprechend beschriftete Rucksäcke mit. Woher wissen die nur vorher, wer mit auf Tour gehen wird? Sehr vorausschauend die Guides hier!

Birdwatching Walk, Ziwa Rhino S.
Taban, Birdwatching Walk, Ziwa Rhino S.
Birdwatching Walk, Ziwa Rhino S.
Birdwatching Walk, Ziwa Rhino S.
Birdwatching Walk, Ziwa Rhino S.

Upps, schon 10.30 Uhr?! Taban beschloss, dass wir das Rhino Trekking gleich an den Bird Walk anschließen. Somit fällt unser Frühstück erst mal flach! Und weiter geht´s durch sumpfiges Terrain. Sehr gut zu durchwaten in den hohen Gummistiefeln. Jochens Wüstenstiefel liefen recht schnell voll Wasser... quitsch,quatsch,quitsch,quatsch! Aber des Mannes Wille ist sein Himmelreich!

Tja, und da lagen sie plötzlich vor uns: Laloyo, geboren im Januar 2012, der dreijährige Justice, dren 12-jährige Mutter Kori und der große Papa Taleo, der Picco einen gehörigen Schrecken einjagte.

 

Originalkommentar Picco:
„Taban und ich sind dann noch etwas weiter und plötzlich höre ich ein schlürfendes Geräusch von links, dreh den Kopf und da steht ein riesiger Nashornbulle etwa 10m neben mir...PHU!!! Puls 180!!!
Mein Herz droht zu explodieren, mein Schweiss spritzt richtiggehend aus den Poren!!! In amerikanischen Filmen würde jetzt mein Leben in Bildform und rasend schnell an mir vorbeiziehen...
...aber...
...er legt sich zum Glück wieder hin!!! WOW!!!
Mir schlottern die Knie..."


Bewacht wurde diese Gruppe von zwei Rangern, mit denen ich gleich ein Schwätzchen hielt. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit lagen unsere Rhinos nämlich ziemlich träge im Gras und dösten vor sich hin. So habe ich fotografisch nicht wirklich etwas verpasst.

Rhino Walk, Ziwa Rhiono S.

Hier leben die einzigen 12 südlichen Breitmaulnashörner Ugandas.
2005 startete der Ziwa Rhino Fund mit sechs repatririerten Breitmaulnashörnern aus Kenia und Florida. Das Schutzgebiet ist 69 km² groß und die Rhinos sollen hier langfristig auf die Auswilderung in die ugandischen Nationalparks vorbereitet werden, da die einst heimische Population komplett durch Wilderei ausgerottet wurde. Aus diesem Grund werden die 12 Dickhäuter auch rund um die Uhr von Ranger bewacht. Im Sanctuary, das auch vom Augsburger Zoo finanziell unterstützt wird, finden 80 Ranger Arbeit (2015: 15 Nashörner, 90 Ranger bewachen die Rhinos in 12-Stunden-Schichten). Der Schutz eines Rhinos wird mit ca. 5000 € im Jahr veranschlagt!

 

Auf dem Rückweg zum Ranger Headquarter sahen wir dann auch noch Augustu, Bella und Obama. Obamas Vater ist in Kenia geboren, das Muttertier stammt aus den USA. Obama war 2009 das erste in Uganda geborene Nashorn seit 28 Jahren.

 

Bei den netten Mitarbeiterinnen des Headquarters geben wir noch eine Spende für den Rhino Fund ab. Dafür erhalten wir für den Verein Go-for-Rhino, den wir unterstützen, einen Stein in der Spendenwand. Mit Peace, der fröhlichen Verwaltungsmitarbeiterin, halten wir noch ein ausführliches Schwätzchen und tauschen Email-Adressen aus.

 

Update via Email am 17.11.2012 von Peace: Will update you on Rhinos soon. I had a baby boy!! and busy with him now. Gratulation! Das ist wunderbar. Nun leben 13 Rhinos in Ziwa!

Jochen mit unserem Gruß von Go-for-Rhino
Jochen und Peace, Ziwa Rhino Sanctuary
Picco, Jochen, und Peace flankiert von zwei Mitarbeiterinnen des Ziwa Rhino Funds
Schmetterlinge, Ziwa Rhino Sanctuary
Schmetterlinge, Ziwa Rhino Sanctuary

Als wir gegen 12.00 Uhr zurück auf der Amuka Lodge sind, eröffnet uns Francis, dass es ja nun mittlerweile zu spät für unser Breakfast ist. Ich protestiere noch und fordere zumindest ein „Brunch" ein. Francis lacht sich scheckig über diesen Begriff, den man in Uganda wohl nicht kennt. Auch trotz meiner Erklärung bleibt es beim Lunch, erst um 13:00 Uhr. Mittlerweile ist es drückend heiß, das Mittagsschläfchen im noch heißeren Zelt fällt wegen akuten Schweißausbruchs aus und der Pool ist leider nicht so sauber, als dass ich ihn testen würde.

 

Am Nachmittag lernen wir dann Angie, Johan und ihre beiden Söhne persönlich kennen. Sie haben den Rhino Fund mit gegründet und vor einiger Zeit die Amuka Farm gekauft, damit auch die beiden Söhne hier in Uganda ihr finanzielles Auskommen haben. Sie sollen die Lodge leiten, die nun Zug um Zug weiter ausgebaut wird.

Spitzmaulnashörner gibt es hier entgegen der Angaben im Reise Know How 2012 Uganda keine! Hier noch der Newsletter des Ziwa Rhino Funds.

Die vier nördlichen Breitmaulnashörner, die wir im Juli in Ol Pejeta/Kenia bewundern konnten, gehören eigentlich nach Uganda! Ihre Vorfahren stammen von hier. Der tschechische Zoo machte auch zunächst dem ugandischen Staat das Angebot, die Tiere aufzunehmen. Doch damals gab es noch keine Möglichkeit der Unterbringung bzw. kein geeignetes Schutzgebiet in Uganda. So wurden die Tiere in das private Game Sanctuary Ol Pejeta/Kenia repatririert. Heute hätte Uganda die Rhinos gerne zurück, aber das ist ein Problem, welches die Politiker lösen müssen. In Kenia hat es jedenfalls nie nördliche Breitmaulnashörner gegeben.

 

In Ziwa sind über 300 verschiedene Vogelarten heimisch und so soll das Birding ausgeweitete werden. Wie schon vorher erwähnt, fände ich einen Hides und Plattformen für Birder sehr sinnvoll. In Zukunft ist geplant hier weitere Antilopenarten, Zebras und Giraffen wieder anzusiedeln. Büffel können nicht eingeführt werden, da sie für die rhino-trackenden Touristen zu gefährlich wären. Ebenfalls sind Hyänen ausgenommen, da diese Spezies die einzigen natürlichen Feinde der Nashörner darstellen. An Raubtieren gibt es im Moment nur einige Leoparden im Schutzgebiet, die aber sehr selten gesichtet werden.

 

Angie möchte gerne Kisuaheli lernen und ist auf der Suche nach einer Sprach-CD. Habe versprochen nach unserer Rückkehr auf die Suche zu gehen (und bin bereits fündig geworden. Ein Forumsmitglied wird sie im Dezember mitnehmen und in Ziwa abgegeben. Ganz herzlichen Dank für diesen Botengang)! Wobei ich ja finde, dass in Uganda Kisuaheli nicht häufig gesprochen wird. Mit unserem fröhlichen Jambo und Kwaheri konnten die meisten Einheimischen nicht viel anfangen.

 

Die Idee eine Vogeltränke mit Futterplatz an der Lodge für die gefiederten Gefährten einzurichten und ev. einen Futterplatz für die Stachelschweine (denn Gemüseabfälle fallen im Lodgebetrieb ja immer an), um den Gästen noch einige Aktivitäten in Ziwa zu bieten, stößt auf großes Interesse.

 

Angie hat hier in Ziwa übrigens innerhalb kürzester Zeit etwas ganz Bewundernswertes für die Mitarbeiter und ihre Familien aufgebaut. Da die Angestellten - zumeist vom Stamm der Ancholi - weit entfernt nördlich des Murchison Falls NP leben, hat sie schöne Unterkünfte, eine dreizügige Schule am Parkgate und eine Gesundheitsstation aufgebaut, so dass die Familien nun hier alle zusammen leben können. Die Schule werden wir morgen noch besichtigen.

 

In der Nähe der Lodge sind uns tagsüber größere Herde Ankole-Rinder aufgefallen. Mitte 2009 hat man den benachbahrten Farmern erlaubt Ihr Vieh im Sanctuary grasen zu lassen, da aufgrund der klimatischen Bedingungen - vor allem während der Trockenzeit - nicht ausreichend Grasland für die haustiere zur Verfügung stand.

Aus dieser Übereinkunft (mit strikten Regeln und Vorteilen für beide Parteien) hat sich eine excellente Partnerschaft mit den benachbarten Anwohnern und Communities ergeben. So kann u.a. das Riskio für Buschbrände minimiert werden. Mehr Informationen zum Community-Projekt gibt es hier:

 

Am Abend hat Johan für uns ein Buschdinner geplant und gegen 20:00 Uhr brechen wir gemeinsam mit Johans Sohn bei Vollmond auf. Erdferkel können wir leider nicht sichten. Es ist wohl zu hell.

 

Das Buschdinner am Lagerfeuer war eine Sensation. Wir haben sehr, sehr gut gegessen und ausschweifende, informative Gespräche mit Johan geführt. Auch er war erst gestern für einige Tage mit Familie in der Murchison River Lodge und hat sie uns wärmstens empfohlen. Dort soll die Möglichkeit bestehen, ein kleines Boot für die Niltouren exklusiv/privat zu buchen.

Bush Dinner, Amuka Lodge
Picco, Marina, Bush Dinner, Amuka Lodge
Johan Genade, Picco, Marina, Bush Dinner, Amuka Lodge
Bush Dinner, Amuka Lodge
Bush Dinner, Amuka Lodge
Bush Dinner, Amuka Lodge

Dem österreichischen Besitzer der Arra Fishing Lodge im Norden Ugandas, an der Grenze zum Südsudan geht es gesundheitlich zunehmend schlechter. Gut, dass wir diesen Programmpunkt aus unserer Reiseagenda gestrichen haben.


Johan und seine Söhne planen im Semliki NP eine neue Lodge aufzubauen. Das Projekt scheint vielversprechend, da es in diesem Teil Ugandas keine adäquaten Unterkünfte im mittleren bzw. höheren Preissegment gibt und nun eine sehr gute Teerstraße den Semliki NP mit Fort Portal verbindet. Da sind wir doch mal gespannt, wann wir dort zum ersten Mal übernachten können.


Die Lake Albert Lodge soll nach der Scheidung des Besitzerehepaares „den Bach" runter gehen. Zur Zeit hat wohl der Koch das Management übernommen. Die Lake Albert Lodge hatten wir auch mit zwei Nächten im Programm, sie fallen aber nun unser Verlängerung in Ziwa und einer weiteren Nacht im Murchison Falls NP zum Opfer.

 

Johans absoluter Lieblingspark in Uganda ist der Kidepo NP im Norden an der Grenze zum Südsudan und Kenia. O.k., überredet! Wir werden Ugandas tierreichsten Park in den nächsten Jahren im Januar/Februar (der besten Saison für den Kidepo) einen längeren Besuch abstatten.

Die Anzahl der Sterne einer Unterkunft sagen in Uganda nicht über den Service und die Ausstattung aus, sondern lediglich über den Preis (O-Ton Johan).

 

Aufgefallen ist uns übrigens, dass der sonst so kummunikative Francis in Anwesenheit seines Bosses sehr ruhig geworden ist...

 

Gegen 23:00 Uhr fallen wir todmüde in unsere Betten, können aber alle diese Nacht nicht wirklich gut schlafen. Liegt es am Bierkonsum, an den spannenden Geschichten oder aber bei mir an meinen vielen Moskitostichen? Ich habe nämlich heute für die Männer die Prophylaxerolle übernommen.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Marina Meger 2017