Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

14.07.2014, Lake Tagalala Campsite, Selous Game Reserve, 55 km

Ich habe geschlafen wie ein Stein! Die Betten sind erstaunlich gut und Dank Generator gibt´s sogar eine warme Morgendusche. Der Assistant-Manager hatte mir gestern bei Ankunft versprochen, dass es hier keine Moskitos geben würde. Dafür liegt die Lodge zu hoch. Das Ergebnis kann ich heute an meinen Beinen und Armen bewundern!

 

Wir lassen´s gemütlich angehen und frühstücken erst gegen 08:00 Uhr. Der Esstisch und die diversen Pöttchen und Döschen vermitteln einen etwas schmuddeligen Eindruck. Für einen mehrtägigen Aufenthalt würde ich dieses Camp nicht buchen. Gut, dass ich auf das gestrige Dinner verzichtet habe: Es gab einen kleinen Gummiadler!

 

Anschließend können wir unsere Trinkwasserreserven aus der campeigenen Zisterne auffüllen. Immerhin benötigen wir für sieben Personen plus Ranger Frischwasser für vier Tage. Auf den beiden Public Campsites im Selous gibt es keine Trinkwasserzapfstellen.

 

Wir begleichen unsere Rechnung und verabschieden uns Richtung Matambwe Gate.

Karte Kisaki - Lake Tagalala CS, Selous GR, T4Africa
Selous Mbega Camp Kisaki Annex

Und endlich gibt es wieder Vögel zu sehen. Ich bin ja schon mehrere Tage auf Entzug. Ganz besonders freue ich mich über den Wollhalsstorch, die hübsche Bronzeflecktaube und den Grautoko. Alle drei hatte ich bisher noch nie vor der Kamera.

 

Der Himmel ist heute bedeckt und trotzdem ist es schwülwarm, da der Selous fast auf Meeresniveau liegt und sein Klima auch vom indischen Ozean beeinflusst wird. Kurz vor 11:00 Uhr erreichen wir das Headquarter und Gate bei Matambwe. Auch hier gibt es eine Bahnstation der Tazara und so könnte man von Dar aus mit dem Ordinary Train (der Express Train hält hier nicht, nur in Kisaki) um 10:30 Uhr (Stand 08.2014) anreisen und sich von der Lodge gegen 15:30 abholen lassen. Eine preiswerte Fahrt tagsüber, bei der man Gelegenheit hat, die Landschaft zu genießen, aber mit Verspätungen rechnen muss.

 

Zwischen den Häusern des Headquarters suchen drei Elefanten nach Fressbarem. Die Angestellten lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, haben die Dickhäuter jedoch im Blick. Wir beobachten die Elis eine ganze Weile und erhalten Familie Warzenschwein als Zugabe. Durch ein kleines Tal mit Bachbett geht´s auf die andere Seite des Camps zum Permitten. Aus den Augenwinkeln sehen wir noch einen wunderschönen Turacko, der aber leider, leider schnell das Weite sucht.

Wollhalsstorch/Woolly-necked Stork (Ciconia episcopus), Selous WR
Bronzeflecktaube/Emerald-spotted Wood-Dove (Turtur chalcospilos), Selous WR
Strichelkopfschnäpper/African Grey Flycatcher (Bradornis microrhynchus), Selous WR
Tazara-Station Matambwe Gate, Selous WR
Axel, Claudio, Matambwe Gate, Selous WR
Dinner! Matambwe Gate, Selous WR
Dinner! Matambwe Gate, Selous WR

Sikoyo kümmert sich um die Einschreibung und wir erkunden ein wenig die Umgebung. Im aufgestauten Bachlauf tummelt sich allerlei merkwürdiges Getier. Ich taufe sie auf Minihippos und einige hübsche Schmetterlinge hat´s hier auch.

 

Die heutige Infrastruktur des Selous GR, dem mit 52.000 qkm größten und ältesten afrikanischen Wildschutzgebiet, wurde maßgeblich mit Unterstützung der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit - heute GIZ: Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) mit Millionenbeträgen aus Deutschland aufgebaut. Nur etwa 10 % des Reservats im Norden sind für den Foto-Tourismus freigegeben. Der weitaus größere Bereich ist dem Jagdtourismus vorbehalten.

 

Die Parkfee beträgt 75 US$ pPT zuzüglich 20.000 TSh pT für das Fahrzeug. DDie Gebühr für das Campen ist mit 30 US$ pPT gleich hoch wie in den Tanapa-Parks im Süden. Außerdem wird uns in Form von Deo ein bewaffneter Ranger zur Seite gestellt. Das kostet noch einmal 20 US$ pro Tag extra. Der Selous ist also kein preiswertes Vergnügen.

Matambwe Gate, Selous WR
Acraea serenna, Matambwe Gate, Selous WR
Afrikanischer Weissling/African Caper White (Belenois creona)?, Matambwe Gate, Selous WR
die Viecher sehen aus wie kleine Hippos! Matambwe Gate, Selous WR
die Viecher sehen aus wie kleine Hippos! Matambwe Gate, Selous WR
Afrikanischer Weissling/African Caper White (Belenois creona)?, Matambwe Gate, Selous WR
Matambwe Gate, Selous WR
Jochen, Matambwe Gate, Selous WR
Matambwe Gate, Selous WR
Matambwe Gate, Selous WR

Nach gut einer Stunde verstaut unser Ranger Deo sein Zelt und seine kleine Reisetasche im Wagen und nimmt mit seiner Waffe (Lauf wird ordnungsgemäß aus dem Fenster gehalten) auf dem Beifahrersitz neben Sikoyo Platz. In der Gegend um die Beho Beho Hills sichten wir außer vielen Tsetses wenig Tiere. Hier herrscht trockener Miombowald vor.

 

Deos Englisch ist nicht besonders gut, aber er kann uns verstehen, antwortet dann auf Kisuaheli und Sikoyo übersetzt für uns. Ab 01.07.2014 sind alle Wildreservate Tansanias einer neuen Verwaltung - Tanzanian Wildlife Authority (TAWA) - und nicht mehr direkt der Regierung unterstellt. Den Wildreservaten ist es nun möglich ihre Einnahmen selbst zu verwalten und eigenständig darüber zu entscheiden, wie und wo die Gelder investiert werden. Man spürt förmlich den Enthusiasmus in Deos Stimme. Bisher waren immer langwierige Anfragen an die Politiker in Dar notwendig und oftmals hieß es, es wäre kein Geld für Investitionen vorhanden.

 

Wir berichten Deo von unserer gestrigen abenteuerlichen Fahrt über den Shortcut durch den Mikumi und er teilt mit, dass das letzte Stück zwischen Kisaki und Lumanga vom Selous verwaltet wird und man nun mit besserer finanzieller Ausstattung an die Instandsetzung dieses Weges gehen möchte. Lassen wir uns überraschen.

 

Sikoyo hat übrigens in Erfahrung gebracht, das die Zufahrt zum Matambwe Gate von Morogoro aus durch die Uluguru Mountains "renoviert" wurde und dieses Jahr in erheblich besseren Zustand sein soll. Die Fahrer-Guides wählen mehrheitlich diese Strecke, denn den Shortcut können sie ihren Gästen nicht zumuten. Außerdem gibt es keinerlei Hilfe im Notfall, denn auf der gesamten Strecke ist kein Handyempfang möglich und auf andere Fahrzeuge wartet man mitunter tagelang. Sikoyo ist diese Strecke nur gefahren, weil wir mit zwei Fahrzeugen, Sat-Phone und Nüvi ausgestattet sind und wir uns durchgesetzt haben.

Grautoko/African Grey Hornbill (Tockus nasutus), Selous WR

Erst in den etwas offeneren Graslandschaften und kleinen grünen Galeriewäldern begegnen uns wieder größere Säugetiere in Form von Giraffen, Gnus, Pavianen und einem einzelnen Elefanten. Die Tiere sind allerdings nur aus großer Entfernung zu beobachten. Ihr Verhalten ist leicht panisch und sie weisen, übrigens ebenso wie die Vögel, eine hohe Fluchtdistanz auf. Offensichtlich wird nach wie vor viel gewildert.

 

Gegen 14:00 Uhr besichtigen wir das Grab von Frederick C. Selous, der dem Wildreservat seinen Namen gab. Selous wurde während des 1. Weltkrieges im Kampf gegen die Deutschen Truppen des Generals Lettow-Vorbeck am Beho Beho River getötet. Auch die legendäre Hunters Road im südlichen Afrika ist mit seinem Namen verknüpft.

Selous WR
Selous WR
Selous WR
Selous WR
Selous WR
Grab von Frederick Courteny Selous
Grab von Frederick Courteny Selous
F. C. Selous, Foto: Mtemere Gate, Selous WR
Grab von Frederick Courteny Selous
Deo und Lazaro am Grab von Frederick Courteny Selous
Yellow Baboons, Selous GR
man achte auf die Details..., Yellow Baboon, Selous GR
Beho Beho, Selous GR
Wüstenrose, Selous WR

Gegen 15:30 Uhr erreichen wir endlich unser Domizil für die nächsten vier Nächte, die Lake Tagagalala Campsite, etwas oberhalb des gleichnamigen Sees gelegen. Der Campground ist völlig leer, so dass wir hinsichtlich des Stellplatzes die freie Wahl haben.

 

Der Platz verfügt über mehrere Schattendächer mit gemauertem Boden. Allerdings hausen unter den Dächern auch die Fledermäuse und so sind einige der Unterstände absolut nicht benutzbar. Entgegen den Vermutungen anderer Selous-Reisender, sind die neuen Ablutions mangels Finanzierung immer noch nicht fertig gestellt und verrotten bereits wieder. In den Damenbereich kann man nur mit zugehaltener Nase aus großer Distanz einen Blick werfen. Der frisch geflieste Boden ist ca. 5 cm hoch mit Fledermauskot bedeckt. Den nicht ganz so arg verschmutzten Herrenbereich säubert Jochen zusammen mit Axel. In der Ecke finden sie einen kleinen Strohhandfeger.

 

Leider verfügen die "neuen" Sanitärgebäude über keinerlei Wasserversorgung und Türen sind auch nicht eingebaut. Also improvisiert Jochen, sucht einen großen geeigneten Ast, um unseren Duschsack in der Duschzelle aufzuhängen. Den Reserveduschsack erhalten die Driver. Dieser wird im alten Duschhäuschen (mit Tür) aufgehängt. Dem direkt daneben liegenden alten Donnerbalken ist die Tür abhanden gekommen. Also heißt das nun sein Geschäft in aller Öffentlichkeit verrichten. Nix für mich! Wir und Axel benutzen unsere Papklos und Claudio ist mit seinem Porta Potti sowieso perfekt ausgerüstet.

Lake Tagalala Campsite, Selous WR
Lake Tagalala Public Campsite, Foto: C. Comolli
Sikoyo, Jochen, Claudio beim Befüllen unserer Dusche
Lake Tagalala Public Campsite, Foto: C. Comolli
Lake Tagalala Public Campsite, Foto: C. Comolli
Jochens und Marinas Zelt, Lake Tagalala Campsite, Selous WR
Claudios Zelt, Lake Tagalala Campsite, Selous WR
Prospers Reich, Lake Tagalala Campsite, Selous WR
Prosper, Foto: A. Köhler
unser Dining Room, Lake Tagalala Campsite, Selous WR

Bis wir uns eingerichtet haben vergeht einige Zeit. Es ist brüllwarm und schwül auch ohne direkten Sonnenschein! Gott sei Dank gibt es hier aber keine Tsetses! Prosper wird zusammen mit Deo in dessen recht großen Zelt nächtigen. Im kleinen Igluzelt von Sikoyo ist es zu dritt nicht sehr komfortabel.

 

Am Abend sind wir froh, dass uns Prosper bekocht. Sein Mehrgang-Dinner ist göttlich und wird von Löwengebrüll begleitet. Claudio sichtet eine Wildkatze im Camp, während ich das Buschbaby aufstöbere, welches so erbärmlich schreit. Gegen 21:00 Uhr geht´s wieder recht früh zu Bett. Wir lauschen noch eine ganze Weile den sich nähernden Löwens und genießen die Ruhe auf der Campsite. Nachts sind neben den Hippos vereinzelt Hyänen zu hören.

links das Schlafzimmer von Sikoyo und Lazaro, rechts das von Deo und Prosper
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© Marina Meger 2017