Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

09.07.2014, Tandala Tented Camp, Ruaha Nationalpark, 122 km

Durch die Nacht begleitet uns heute zur Abwechselung lautes Hyänengeheul. Dank der angenehm warmen Dusche fällt uns das Aufstehen jedoch nicht schwer und um 06:30 Uhr sitzen wir zu viert beim Frühstück. Sikoyo und Lazaro treffen wenig später ein. Heute gibt es etwas zu Feiern! John berichtet begeistert davon, dass Deutschland die Brasilianer mit 7:1 entzaubert hat. Ramba Zamba! Unglaublich!

 

Wir beschließen gemeinsam zum Abschied heute noch einmal den Ruaha River Trail in Richtung Mwagusi River zu fahren. Eindeutig hat´s dort die größte Tierdichte. Eine Stunde später sitzen wir in den Autos. Während der Fahrt teilt Sikoyo mir mit, dass wir heute früh im Camp zurück sein müssen, denn morgen folgt ein langer Fahrtag. Sikoyo muss noch irgendwo Diesel für den Long Wheel auftreiben und verschiedene Dinge in Tungamalenga erledigen.

 

Das Morgenlicht ist wunderschön. Mir flattert eine hübsche Bergammer vor die Linse und allerlei anderes interessantes Federvieh. In der Nähe des Headquarters sichten wir einen einsamen Schabrackenschakal und das von uns so genannte "Elephant Valley" macht seinem Namen alle Ehre. Ein klitzekleiner Babyelefant streckt neugierig seinen Rüssel in unsere Richtung. Vielleicht will er uns aber auch nur zeigen, dass man mit ausgefahrenem Rüssel und ausgeklappten Ohren doch schon viel größer ist.

Karte Game Drive Ruaha NP 09.07.14, T4Africa
Bergammer/Cinnamon-breasted Bunting (Emberiza tahapisi), Ruaha NP
Rotkehlfrankolin/Red-necked Spurfowl (Pternistis afer), Ruaha NP
Tansanischer Rotschnabeltoko/Tanzanian Red-billed Hornbill (Tockus ruahae), Ruaha NP
Strichelkopfschnäpper/African Grey Flycatcher (Bradornis microrhynchus), Ruaha NP
Schabrackenschakal beim Msembe Headquarter, Ruaha NP
neugieriger Babyelefant, Elephant Valley, Ruaha NP
Elephant Valley, Ruaha NP
Spornkuckuck/Senegal Coucal (Centropus senegalensis), Elephant Valley, Ruaha NP
Elephant Valley, Ruaha NP
Schabrackenschakal, Ruaha NP
Gleitaar/Black-shouldered Kite (Elanus caeruleus), juvenile, Ruaha NP, Tanzania, Ruaha NP
Tansanischer Rotschnabeltoko/Tanzanian Red-billed Hornbill (Tockus ruahae), Ruaha NP

Diese Landschaft ist einfach nur grandios!

 

Das Handy klingelt. Lazaro, der über Funk im Wagen verfügt, hat irgendwo aufgeschnappt, dass es eine Gepardensichtung gegeben hat, teilt uns Sikoyo mit. Naja, dann wissen die anderen sicherlich, wo die Sichtung war. Also folgen wir Lazaro, der wiederum zwei vollgepackten Safariwagen mit crazy Students folgt. Wir verlassen den River Trail in Richtung Main Road, halten bei jedem Impala und Warzenschwein, hören uns das Gekicher der Vorausfahrenden an und können nicht überholen. Irgendwann wird dann aus dem Gepard ein Leopard, wir können immer noch nicht überholen, die Vögel sind durch drei vorausfahrende Fahrzeuge verscheucht und mir platzt nach gut einer Stunde die Hutschnur! Das gute Licht ist vorbei und wir gurken hinter halbnackten Teenagern durch die leere Pampa! Ich bitte Sikoyo den nächst möglichen Weg anzubiegen und wieder an den Fluss zurück zu kehren! Er sieht es ein und ist dann ebenfalls der Meinung, dass wir unsere Tiere selbst und in eigenen Tempo suchen!

Panorama Ruaha River
Cabanis-Weber/Lesser Masked Weaver (Ploceus intermedius), female, Ruaha NP
Ruaha NP
Ruaha NP

Und prompt werden wir im Galeriewald am Fluss mit der Geburtswiese der Impalas belohnt. Hier tummelt sich ein ganzer Kindergarten mit niedlichen Babyimpals, die uns mit ihren Kulleraugen ebenfalls neugierig betrachten und wenig Scheu zeigen. Zwischendrin spaziert eine große Herde Giraffen von rechts nach links unter den Akazien hindurch. Einfach nur wunderschön - und wir haben´s ganz für uns allein!

Impala-Kindergarten, Ruaha River Trail, Ruaha NP
Impala-Kindergarten, Ruaha River Trail, Ruaha NP
Impala-Kindergarten, Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Impalas mit Rotschnabel-Madenhacker/Red-billed Oxpecker (Buphagus erythrorhynchus)
Impala-Kindergarten, Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP

Wir folgen dem Ruaha River weiter in nördöstlicher Richtung und stoßen im nächsten Wäldchen auf die riesige Büffelherde, die wir schon am zweiten Tag unseres Aufenthaltes im zentralen Bereich gefunden haben und die Roy vor ein paar Tagen noch nördlich des Mwagusi Sand Rivers mit einem großen Löwenrudel im Schlepptau gesichtet hat. Wo Büffel sind, sind Löwen nicht weit...

 

Und tatsächlich, gut einen Kilometer von den Büffeln entfernt sehen wir ein junges Löwenmännchen, welches sich zielstrebig in Richtung der Büffel bewegt. Lazaro, Claudio und Axel, die inzwischen wieder zu uns gestoßen sind, können mit dem kleinen Wagen die Uferböschung hinabfahren und sich dem Löwen nähern. Wir bleiben auf der kleinen Lichtung stehen, da wir vermuten, dass er eh gleich an uns vorbei kommen wird und nutzen die Zeit für unsere Lunchpause. Der Löwe überlegt es sich allerdings wieder anders, geht zurück und macht es sich unter einer Akazie im Schatten gemütlich. Über den Hauptweg können wir uns dann auch noch einmal annähern. Lazaro & Co. möchten ihr Lunch beim neuen Picnic Spot einnehmen und so begeben wir uns gegen 13:00 Uhr langsam allein auf den Rückweg Richtung Tandala.

Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP

Keine zwanzig Minuten später sichten wir am River Trail (genau auf der anderen Seite der Büffelherde) rechterhand eine junge Löwin, während eine Zweite den Weg vor uns Richtung Fluss kreuzt. Na, geht doch mit dem "Tiere allein finden"! Wir fahren bis auf Höhe der liegenden Löwin und folgen dann der Zweiten. Hinter der Kurve sehen wir dann ein ganzes Rudel, das es sich direkt am Flussufer bequem gemacht hat. Aus den Büschen gesellen sich immer mehr Katzen hinzu. Wir zählen zwischen 10 und 11 Tiere. Hier am Ufer geht ein kühler Wind und auf der gegenüberliegenden Flussseite wird das Wildlife-TV für die Löwen angeknipst. Und da spielt sich eine ganze Menge ab: Elefanten kommen zum Trinken, eine Herde Zebras nähert sich dem Wasser, Impalas grasen unter den Akazien, Familie Hippo ist ebenso vertreten wie die Warzenschweine. Sikoyo versucht Lazaro per Handy über die Löwensichtung zu informieren, erhält jedoch keine Verbindung.

 

Im Hintergrund nähert sich auf unserer Flussseite eine durstige Giraffe. Sie scheint zu wittern das "etwas im Busch ist", aber vertraut darauf, dass um diese Tageszeit keine Gefahr von den Löwen droht. Wir finden es wahnsinnig spannend, denn natürlich beobachten die Löwen aufmerksam jede Bewegung der Giraffe. Na, das wär ja mal ein Spektakel!

 

Was mich im Moment noch richtig ärgert ist die Tatsache, dass wir dieses große Löwenrudel schon viel früher am Morgen - möglicherweise in aktiverem Zustand - hätten finden können, wenn wir nicht auf diese ominöse Geparden-Leoparden-Jagd gegangen wären. Das Rudel liegt nämlich nur 400 m von der Kreuzung entfernt, wo wir uns heute Morgen vom River Trail verabschiedet haben!

 

Nach gut 50 Minuten mit den Löwen reißen wir uns schweren Herzens los, denn die Anderen warten bestimmt schon im Camp auf uns. Dort gibt es nämlich ebenfalls keinen Handyempfang (mit Airtel).

Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP
Ruaha River Trail, Ruaha NP

Gegen 15:00 Uhr schlagen wir wieder im Tandala Camp auf. Lazaro, Axel und Claudio sind noch nicht eingetroffen. Also genehmige ich mir erst einmal eine Dusche und anschließend einen guten Kaffee. Es wird 16:00 Uhr: Immer noch kein Lazaro in Sicht. Also feile ich mit Sikoyo, der mit Lazaro gemeinsam nach Tungamalenga aufbrechen will, weiter an seinem Angebot fur die Taiwanesen. Es wird 17:00 Uhr: Immer noch kein Lazaro in Sicht! Mein Ärger vom Vormittag verstärkt sich noch, denn wir hätten die Löwenbande gerne auch noch länger beobachten wollen!

 

Es wird 17:30 Uhr: Immer noch kein Lazaro in Sicht! Dafür kommt uns eine siebenköpfige Elefantenbullenherde besuchen. Dionysia ist überglücklich, denn die Burschen haben das Camp schon lange nicht mehr besucht. Hmmh, würde ich auch nicht, wenn nebenan in der Hunting Concession das Buschfeuer lodert! Um die Tiere besser sehen zu können, fackeln sie dort nämlich regelmäßig das Gras und Buschwerk runter. Letztes Jahr ist das Feuer auf Tandala übergesprungen und die Driverunterkünfte und Häuser der Angestellten mussten evakuiert werden.

 

Es wird 18:00 Uhr: Immer noch kein Lazaro in Sicht! Die Elefanten sind noch im Camp und widmen sich nun dem Grünzeug bevor sie sich bei einbrechender Dunkelheit Richtung unserer Zelte zurück ziehen.

Tandala TC
Tandala TC
Tandala TC
Tandala TC
Tandala TC
Tandala TC
Tandala TC
Tandala TC

Erst gegen 18:30 Uhr treffen Lazaro, Axel und Claudio im Camp ein und da ich immer noch stinksauer bin, schnappe ich mir Lazaro und es gibt das Wort zum Sonntag. Vermutlich wollte er die Trinkgeldader seiner Gäste streicheln und hat Axel und Claudio gegenüber mit keinem Wort erwähnt, dass wir den heutigen Game Drive früher beenden werden. Und natürlich sind die Jungs auch von allein nicht auf diese Idee gekommen. Jedenfalls habe ich darum gebeten, dass es in Zukunft eindeutige Absprachen gibt, die allen Reisemitgliedern spätestens am Morgen vor dem Aufbruch zu kommunizieren sind! Eine weitere Variante wäre natürlich noch, dass sich Sikoyo in Ruhe seinem Business (Laptop) widmen wollte... Ich werde es wohl nie erfahren.

 

Beim gemeinsamen, letzten Dinner auf Tandala erzählt uns Claudio, dass sie gegen 17:00 Uhr schon kurz vor den Ruaha River Rapids waren, als sie davon Mitteilung erhielten, dass in nordöstlicher Richtung ein großes Löwenrudel liegt. Und dann sind sie halt noch einmal dorthin zurück gefahren, haben sich einen Puncher zugezogen und nur einen kurzen Blick auf die Löwen werfen können. Die Katzen wurden jedoch schon wieder aktiver und sind Richtung des "Wildlife-TV" an den Fluss zum Trinken gewechselt.

 

Recht angegräzt begebe ich mich nebst Gatten früh zu Bett. Jochen ist übrigens bester Laune! Normalerweise hätte er auf unseren Selbstfahrertouren meinen Ärger zu spüren bekommen. Natürlich ist immer der Fahrer an allem schuld! Bis auf sein Zeitmanagement beim morgendlichen Zeltabbau, ist er auf dieser Tour aus dem Schneider!

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Marina Meger 2017