Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

28.02.2014 Ngorongoro Krater, Rhino Lodge, 93 km

Ngorongoro Krater
Karte Ngorongoro Krater, T4 Africa

Über die steile, kurvenreiche Seneto Descent Road ging´s durch eine abwechslungsreiche, grüne Vegetation über ca. 30 Minuten bis zum Kraterboden hinab. Der sodahaltige Lake Magadi glitzerte im grellen Mittagslicht. Er bildet mit 1722 m den tiefsten Punkt des Kraterbodens. Am gegenüberliegenden Seeufer waren immer wieder kleine Staubtornados zu sehen.

 

Aus der Höhe nahmen wir die vielen Tiere als kleine, schwarze Punkte am Horizont war, zwischen denen Masai ihre Ziegen und Rinder zur Tränke an die Seneto Springs führten.

Vorbei an den Springs erfreuten wir uns am Kraterboden an den hübschen Fieberakazien im Lerai Forest, in dem wir auch erste Elefanten sichteten. Auch wunderten wir uns, dass kaum andere Fahrzeuge zu sehen waren und wir bisher fast allein hier unten sind. Die Touristen- und Fahrzeugdichte hatten wir uns im Ngorongoro nach diversen Erzählungen doch wesentlich schlimmer vorgestellt. Reiseführer und Internet berichteten von mehr Touristen wie Tieren im Krater. Möglicherweise lag es daran, dass sich viele der Gäste zur Lunchtime in ihren Lodges am Kraterrand aufhielten, oder wir waren heute einfach Glückskinder!

 

Obwohl ich Lazaro eindringlich bat, auch für Vögel zu stoppen bzw. nach ihnen Ausschau zu halten, war ich froh, dass wir üblicherweise mit Sikoyo fuhren und schon fast jegliches Federvieh vor die Kameras bekommen hatten. Für´s Birding hat Lazaro kein Talent. Zu seiner Ehrenrettung muss ich aber auch sagen, dass es sicherlich nicht einfach ist, den Wünschen von fünf oder sechs Fahrzeuginsassen gleichermaßen gerecht zu werden. Steffi, Axel und Andi waren ja mit seinem Fokus auf "große Tiere" zufrieden. Gut, dass wir mit zwei verschiedenen Wagen auf die Tansaniatour gegangen sind und jede Gruppe die Game Drives entsprechend ihren Wünschen gestalten konnte.

 

Vermutlich ist es einfacher aufzuzählen, welche Tiere wir im Krater nicht gesehen haben. Giraffen, Impalas und Topis schaffen es die steilen Kraterwände nicht hinauf. Mit Leoparden, Geparden und Kleinkatzen hatten wir auch kein Glück. Sabel und Roan-Antilopen kommen in dieser Gegend eh nicht vor. So erfreuten Jochen und ich uns sehr an der Sichtung eines Elands (wenn auch in weiter Entfernung). Mehrfach konnten wir neben den Zebras und Thommies einzelne Hyänen, Elefantenbullen mit langen Stoßzähnen, zahlreiche Abdimstörche, viele Kronenkraniche, Straußenpärchen und neugeborene Gnubabys beobachten, bevor wir dann zur Lunchtime zum ersten Mal auf richtig viele Fahrzeuge am Picnic Spot der Ngoitokitok Springs trafen.

Lazaro briefte uns, den Inhalt der Lunchbox (die Jessica am Morgen wieder mit viel Liebe gefüllt hat) besser im Wagen zu verzehren, denn die anwesenden Schwarzmilane greifen im Sturzflug nach allem, was essbar aussieht. Sie scheinen also die Paviane der Campsites zu sein. Außerdem beobachteten wir einige Touristen, wie sie die Milane ganz gezielt anfütterten, um so bessere Fotos von ihnen machen zu können...

 

Nach Lunch und anschließendem Toilettengang bleibt ausreichend Zeit die Milane, die in den Ngoitokitok Springs wohnenden Hippos ins Visier zu nehmen und noch einen hübschen Rotschwanzweber zu digitalisieren.

 

Auf dem Weg an das westliche Ufer des Lake Magadi Richtung Flamingos sichteten wir in weiter Entfernung ein Rhino und einige Büffel. Wir hätten uns sehr gewünscht etwas näher an das Seeufer und die Flamingos zu kommen, aber abseits der Wege zu fahren ist natürlich nicht erlaubt. Und so machten die Zwergflamingos ihren Namen alle Ehre.

 

Andere Fahrzeuge vor und hinter uns wurden wieder seltener. Vermutlich begaben sie sich langsam in Richtung der Lodges am südlichen Kraterrand, während wir uns über die tiefer sinkende Sonne freuten, die ein zauberhaftes Licht auf Flora und Fauna warf und zusammen mit den kleinen dekorativen Wölkchen für wunderbare Panoramen sorgte. Das hatten wir uns jetzt aber auch nach den ersten verregneten Tagen unserer Tour verdient!

Schwarzmilan-aegyptius/Yellow-billed Kite (Milvus aegyptius), Ngoitokitok Springs
Schwarzmilan/Black Kite (Milvus migrans), Ngoitokitok Springs
Rotschwanzweber/Rufous-tailed Weaver (Histurgops ruficauda), Ngoitokitok Springs
Ngoitokitok Springs, Ngorongoro Krater
Ngoitokitok Springs, Ngorongoro Krater
Dieses Schild wurde an den Ngoitokitok Springs von einigen Touristen geflissentlich übersehen!
Rhino, dahinter unbeeindrucktes Zebra im Staubtornado
Lake Magadi, Ngorongoro Krater

Zebras, Gnus, Büffel, Kronenkraniche und Strauße sammelten sich zum Sonnenuntergang in großen gemischten Gruppen. Möglicherweise zum Schutz gegen die Raubtiere.

 

Steffi konnte sich wieder begeistert und lange an einen stillenden Zebrafohlen erfreuen, zitterte verbissen mit einem kleinen Gnukalb, welches auf wackeligen Beinen seiner Mutter folgte, während in der Nähe eine Hyäne auf schnelle Beute aus war.

Ngorongoro Krater
Ngorongoro Krater

Gegen 16:50 Uhr machten wir uns in Richtung Sopa Road für den Krateraufstieg bereit und wurden noch mit der Sichtung eines Löwenrudels belohnt. Recht weit voneinander entfernt sichteten wir zuerst zwei Löwinnen, die wegen der Hitze im Gras lagen und dösten und schließlich, direkt am Straßenrand, einen müden Mähnenlöwen, den wir nur mit zwei weiteren Fahrzeugen teilen mussten (später drei Fahrzeuge). Für Erheiterungsausbrüche sorgte, dass der Leo den Schatten des einen Safariwagens aufsuchte, um sich Kühlung zu verschaffen und das Auto als sein Revier markierte. Leider konnten die Fahrzeuginsassen nun keinen Sichtkontakt mehr zur Katze aufnehmen.

 

Nach einigen Minuten bewegte der Driver das Fahrzeug ein wenig zurück, so dass Leo wieder fotografierfähig in der Sonne lag. Es dauerte ca. eine Minute bis es Mr. Löwe wieder zu warm wurde und er den Schatten des nächsten Wagens aufsuchte. Natürlich war er auch einmal bei uns zu Besuch. Was wohl passiert wäre, wenn wir den Fahrer des einen Autos nicht auf die vor dem rechten Vorderreifen liegenden Schwanzquaste hingewiesen hätten... Dieses Spektakel wollten wir uns trotz der fortgeschrittenen Zeit nicht entgehen lassen. Dem Löwen wurden die Voyeure dann doch irgendwann zu viel und er trottete immer direkt neben der Straße und zwei Fahrzeugen von dannen. Welch ein grandioser Abschluss unseres Ausflugs in den Ngorongoro Krater.

 

Lazaro fuhr uns zügig über die Sopa Road den Kraterrand hinauf, denn bei Verspätung hätten wir uns eine überzeugende Ausrede überlegen müssen, um eine empfindliche Strafzahlung zu vermeiden. Außerdem wollten wir ja noch am Kraterrand den Sonnenuntergang fotografieren.

Wir tauchten in üppigen Bergregenwald ein, fuhren an der hübschen Sopa Lodge vorbei, die übrigens wirklich über eine sehr gute Lage mit Crater View verfügt. Von der Sopa Lodge bis zum Crater View Point sind es gute 20 km/30 Minuten Fahrt. Leider ist dieser View Point zum Sonnenuntergang nicht so geeignet wie die Sopa Lodge, da hier durch die Kraterflanke kein direkter Blickkontakt zu Sonne möglich ist. Und um die Ecke fotografieren haben wir noch nicht gelernt.

 

Allen Sonnenuntergangfans am Ngorongoro Krater empfehle ich für die Fotografie, sich am besten an der Sopa Lodge zu postieren, wenn man den Aufstieg über die Sopa Road wählt. Dafür ist es meines Erachtens jedoch notwendig auch in einer der Lodges am Krater zu übernachten. Der Weg durch den Bergwald bei Dunkelheit nach Karatu ist einfach zu weit.

Crater Rim Road, Ngorongoro Krater
Sopa Lodge, Crater Rim Road, Ngorongoro Krater
Crater View Point, Ngorongoro Krater
Axel, Marina, Andi, Steffi, Crater View Point, Ngorongoro Krater

Wir waren froh, bei beginnender Dämmerung die Rhino Lodge am Kraterrand zu erreichen, allerdings nicht mit Blick in den Krater, sondern auf den Mt. Oldeani. Sikoyo erwartete uns schon zusammen mit unserem Gepäck an der Rezeption, wir schrieben uns ein und bezogen unsere schönen, sauberen Zimmer mit kleinen Kaminöfen für kalte Tage. Die private Veranda bietet eine fantastische Aussicht ins grüne "Gemüse" und auf die Krater Highlands. Im Gegensatz zur heißen Serengeti war es hier sehr angenehm und ich war dankbar, dass wir heute von Tsetses und Moskitos verschont blieben. Eine erfrischende Abkühlung in der großen Dusche steigerte unser Wohlbefinden noch. Ein Platz zum Aushalten und Verweilen also! Sikoyo hatte ursprünglich vor, uns in der Bougainvillea Lodge in Karatu unterzubringen, weil es in der Rhino Lodge wohl negative Erfahrungen der Gäste gegeben hatte. Da mir aber die Rezensionen bei Tripadvisor aus der letzten Zeit einen anderen Eindruck vermittelten, buchte ich, aus weiter oben erwähnten Gründen, die Lodge selbst und erledigte das Payment via Mastercard völlig unkompliziert von Deutschland aus.

 

Die Lodge scheint seit einiger Zeit unter neuem Management zu stehen. Sie gehört zur selben Hotelgruppe wie das sehr empfohlene Slipway Hotel in Dar, welches ich zufällig auch für unsere Südtansaniatour gebucht habe.

 

Gegen 20:00 Uhr trafen wir uns alle im gemütlichen Restaurant. Für eine wohlige und heimelige Atmosphäre sorgte ein munter flackerndes Feuer im großen Kamin, an den eine bequeme Sofalandschaft angrenzt. Vom Manager Peter wurden wir herzlich begrüßt und in ein nettes Gespräch verwickelt. Das leckere Dinner wurde in Buffetform gereicht, so dass wieder jeder glücklich wurde. Ich bereute keinen Moment diese sehr preiswerte Lodge in das Programm aufgenommen zu haben und freute mich ganz arg über das Schnäppchen! Wir werden auf jeden Fall beim nächsten Besuch in Kombination mit der Ndutu Lodge mehrere Tage hier einplanen.

 

Direkt vor dem Restaurant verläuft eine große Veranda, auf die sich die Raucher gemütlich zurückziehen und die Büffel im Garten beobachten können. Jochen und ich haben nicht mehr lange beobachtet und die Bequemlichkeit und Ruhe unseres sehr guten Bettes vorgezogen. Während ich ohne Ohropax im Bett liege, male ich mir aus, was gerade auf der Simba Campsite los sein muss...

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© Marina Meger 2017