Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

04.03.2014 Toro Babies Home, Fort Portal, Kluges Guestfarm, 177 km

Die einsetzende Dämmerung und lauten Rufe der Colobusaffen weckten mich wieder recht früh und ich schlich ins Bad, während Steffi noch selig schlummerte.

 

Beim gemeinsamen, hervorragenden Frühstück mit Daniel verplapperten wir uns und so erreichten wir das Ruwenzori Travellers Inn in Fort Portal erst gegen 09:15 Uhr. Wolfgang Fischer, seine Frau Thea und der Chefredakteur des Böblinger Boten, Siegfried Dannecker begrüßten uns herzlich und rasch machten wir uns auf den kurzen Weg zum Toro Babies Home.

 

Ich hatte in der letzten Zeit über das Ausbildungszentrum Laktation und Stillen wie auch privat eine größere Spendensumme zweckgebunden für das Toro Babies Home an den Verein überwiesen und wir möchten nun gemeinsam vor Ort entscheiden, wie wir diese Summe sinnvoll investieren können.

 

Daniel erhielt derweil von mir den Auftrag bei der Barclays Bank die Übernachtungskosten für die Bush Lodge einzuzahlen, 100 Dollar in Uganda-Schilling umzutauschen und in der Apotheke Nachschub von Antimückenstichsalbe einzukaufen.

 

Im Toro Babies Home wurden wir herzlich von Bob aus der Administration des Babies Home und von Patrick, dem Bau-Projekt-Manager begrüßt und über aktuelle Probleme, die Pläne und Entwicklungen im Toro Babes Home unterrichtet. Steffi konnte 14 Fieberthermometer aus dem Olgahospital und eine kleine Tasche Babykleidung übergeben. Leider waren wir diesmal wegen des innerkontinentalen Fluges hinsichtlich der Freigepäckgrenze limitiert.

 

Ich zitiere hier einfach aus dem Bericht von Wolfgang, der eine wunderbare Zusammenfassung über den Besuch für die vergangene Mitgliederversammlung des Vereins verfasst hat:

 

Das Waisenhaus beeindruckt uns vielleicht am meisten. Du siehst Kinder in ihren Bettchen liegen, ganz still, den Blick unverwandt zur Decke gerichtet. Sie werden fast nur gewickelt und bekommen zu essen. Im Gegensatz zu SOS-Kinderdorf-Häusern hat hier jeder der 7 mothers in ihrer 8-Kinder-Gruppe auch Behinderte, die sie natürlich am meisten beschäftigen. In einem Raum finden wir einen Spastiker und einen Epileptiker. Ein Epileptiker, für den es keine Medikamente gibt. Thea nimmt ein Mädchen an der Hand, spricht mit ihr. Zunächst ist es ungewohnt für sie, der körperliche Kontakt. Dann taut sie auf, will auf den Arm. Schmiegt sich an diesen Mensch, der Zeit für sie hat, will auf den Körperkontakt nicht mehr verzichten. Als wir nach Stunden gehen, ist das ein Drama. Eine Engländerin betreut das ganze Waisenhaus 2 Stunden in der Woche als Logopädin. Es ist zum Heulen, es mangelt hinten und vorne. Schön, dass Lena, die uns auf diese Situation gemeinsam mit unserem Vereinsmitglied Marina Meger aufmerksam machte, wieder eine Nachfolgerin fand: Maria absolviert hier ebenfalls ihr freiwillig-soziales Jahr und spielt mit den Kindern und betreut sie.

 

Auch hier gibt es viele Wünsche/Projektvorstellungen. Bis auf den von Lena zu Recht geforderten Küchenneubau, der ist erledigt, die neue Küche ist bereits in Betrieb.

1. Neubau einer Toilette, die alte ist voll. Es gibt noch weitere. Nicht dringend.

2. Die letzte Wohnung rechts hat größere Risse, soll saniert werden. Nicht dringend.

3. Ein sehr teurer Neubau mit Wohnungen für ältere Kinder, die sich mit dem „Babies Home" nicht mehr identifizieren können. Sehr teuer.

4. Ein Appartement-Bau zum Geld verdienen, weil man die Vision hat, dass bald viele Arbeiter in die Gegend kommen, wenn das Ölgeschäft, das den ganzen Nationalpark kaputtmachen wird, entsprechend realisiert wird.

5. Fotovoltaikanlage

6. Sanierung der zwei Wasserauffangbecken und des Wasserhochbehälters sowie 2 neue Pumpen. Das dürfte ein Projekt sein, das wir mit unseren derzeitigen zweckgebundenen Spenden komplett stemmen können. Und es ist wichtig, weil im Moment seit Beginn der Regenzeit das teure Wasser versickert. Darauf einigen wir uns mit der „Matron" Christine, der Finanzverantwortlichen, auch Christine und Bob und Patrick, den beiden Technik-Verantwortlichen - allerdings unter dem Vorbehalt der Entscheidung der Mitgliederversammlung. Stefan Kluge, ein Deutscher, der früher im Entwicklungsdienst gearbeitet hat und nun schon viele Jahre in der Nähe von Fort Portal eine Gästefarm betreibt, wäre bereit, diese Maßnahme für uns zu planen, zu überwachen und abzurechnen.

 

Wir besichtigten wieder alle Bereiche des Babies Home, bewunderten die letztes Jahr neu angeschafften Betten. Dieses Jahr roch es in den Zimmer nicht so eindringlich nach Urin. Die Kinder schienen deutlich häufiger gewickelt zu werden. Aber immer noch lagen viele Kinder völlig apathisch und hospitalisiert in ihrem Bettchen. Steffi lief fast das Herz über und sie schnappte sich rasch eines der Neugeborenen und behielt es bis zum Mittag im Körperkontakt.

 

Die wenigen Mothers haben einfach noch zu viele andere Aufgaben hier im Babies Home zu erledigen (Wäschewaschen, Mahlzeiten bereiten etc.), als dass sie sich individuell ausreichend um jedes Kind kümmern könnten. Soweit es in ihren Möglichkeiten steht, geben sie jedoch liebevoll ihr Bestes. Lenas kleiner Liebling Francis ist auch ordentlich gewachsen, lief schon flink wie ein Wiesel über die Flure, aber machte mir einen sehr traurigen und abwesenden Eindruck.

 

Gegen Mittag besprachen wir uns auch noch einmal mit der Matroness Christine über einen seit 2008 geplanten Neubau eines Teenagerheims bei Kaseses (Kaseses Village Home), der aber mangels Investoren und Spendenaufkommen bislang noch nicht realisiert werden konnte. Die Kirche hat dem Toro Babies Home in Kasese kostenfrei Land zur Verfügung gestellt, wo ein Heim für die älteren Kinder jederzeit entstehen könnte.

 

Um Kinder in einem möglichst familiären Umfeld aufwachsen zu lassen, hat das Toro Babies Home in den letzten Jahren 14 semi-permanente Häuser in Dörfern errichtet. Die volleingerichteten Häuser verfügen über Küche, Bad, Schlafzimmer und ein solches Haus kostet ca. 9 Millionen UGX (ca. 3100$). Das Toro Babies Home in Fort Portal benötigt als monatlichen Unterhalt ca. 10 bis 12 Millionen UGX.

 

Gegen Mittag hatte ich Mühe Steffi von den Kindern loszueisen. Wir verabschiedeten uns herzlich von den Kindern und Mitarbeitern des Babies Home. Daniel hatte zeitsparend für uns alle Erledigungen vorgenommen und wir konnten ihm seine Auslagen für die Bananen und Trinkwasser erstatten. In Fort Portal suchen wir zunächst zwei verschiedene Banken auf, denn weder Wolfgang noch Sigg erhielten mit ihren diversen Bankkarten bislang aus irgendeinem ATM Bargeld. 

 

Ich schob meine normale Maestro-Karte bei der Barclays Bank ein und erhielt problemlos 2x 1.000.000 UGX, von denen Wolfgang die Hälfte erhält, damit sie hier in Uganda nicht auf dem Trockenen saßen.

 

Anschließend kehrten wir zum Lunch und zur Lagebesprechung im netten Gardens Restaurant an der Hauptstraße in Fort Portal ein.

Karte Kluges Guestfarm, Fort Portal, Semliki NP, T4Africa
Kluges Guestfarm, Fort Portal
Fort Portal
Fort Portal
Fort Portal
Königspalast Tooro Kingdom, Fort Portal
Patrick, Bob, Toro Babies Home, Fort Portal
Fieberthermometer, Toro Babies Home, Fort Portal
Trinkwassertanks, Toro Babies Home, Fort Portal
Gardens Restaurant, Fort Portal

Die Driver erhalten hier ihr Essen umsonst, wenn sie Gäste bringen. Es gab ein ordentliches Lunchbuffet, aber eigentlich war es schon wieder viel zu heiß zum Essen.

 

Wolfgang und seine Gruppe ließen ihre Pläne fallen noch die Hot Springs im Semliki Nationalpark zu besuchen, denn die Fahrt dorthin ist sehr weit und sie wollten heute noch in der Queen Elizabeth Bush Lodge übernachten.

 

Mit war es sowieso zu heiß und ich wollte noch auf Vogelpirsch bei Stefan gehen. Ich empfahl Steffi und Daniel den Ausflug am Nachmittag zu unternehmen, nach dem sie mich auf der Guestfarm abgesetzt hatten.

 

Von einer erhöhten Aussichtsplattform ließ sich auf der Farm wunderbar eine Colobusfamilie beobachten, die Schmetterlinge sind auf den Wandelröschenhecken zahlreich vertreten und ein Weißschenkelhornvogelpaar hatte es sich in den hohen Bäumen gemütlich gemacht.

Fort Portal
Richtung Kluges Guestfarm, Fort Portal
Kluges Guestfarm, Fort Portal
Kluges Guestfarm, Fort Portal
Kluges Guestfarm, Fort Portal
Kluges Guestfarm, Fort Portal
Grauwangen-Hornvogel/Black-and-white-casqued Hornbill (Bycanistes subcylindricus), Kluges Guestfarm, Fort Portal
Schwarz-weiße Stummelaffen, Kluges Guestfarm, Fort Portal

Gegen Abend erreichte eine völlig verschwitzte Steffi zusammen mit Daniel die Farm. Im Semliki NP wollten sie für den kurzen Besuch bei den heißen Quellen doch tatsächlich 60$ Eintritt haben.

 

Die Beiden haben nach ordentlicher Standpauke beim Headquarter aufgrund der Wucherpreise dankend verzichtet und auf dem Rückweg die Amabere Caves samt Forest Walk für 12$ Trinkgeld besucht.

 

Steffi genoss das Bad in Stefans Pool außerordentlich. Es war aber auch dieses Jahr extrem trocken und heiß und die ganze Gegend sehnt den Regen herbei.

 

Zum Dinner gab´s dann auch für Steffi einen ganzen gegrillten Tilapia, ich hatte vermutlich wieder ein Steak und die farmeigenen Avocados.

 

Ein ausgebildeter Ranger aus dem Kibale Forest arbeitet nun für Stefan und wir verabredeten mit Robert für den folgenden Morgen um 08:00 Uhr zu einen Forest Walk auf der Farm. Robert ist ein sehr aufgeschlossener junger Mann, der leider das Pech hatte, dass ein von Europäern finanziertes Studienprojekt im Kibale auslief. Er verfügt über ein enormes und fundiertes Wissen über die heimische Flora und Fauna. Mittlerweile wurden von Roger Skeen 160 verschiedene Vogelarten auf der Farm identifiziert! Hier ein Bericht über eine Birding Tour, die Roger Skeen mit NatureUganda in 2015 auf der Farm unternommen hat.

 

Während des Tages hatte das Personal unser Gepäck in das große Canvaszelt auf der Campsite gebracht, die wir auch komplett für uns allein hatten. Die sauberen sanitären Anlagen direkt nebenan erfreuten das Auge. Die Campsite liegt am Farmeingang mit direktem Blick auf den Wald und den darunter liegenden Sumpf. Ein Nachtwächter hatte ein Auge auf uns, denn nach Stefans Erzählungen hinsichtlich der Vorkommnisse in der letzten Zeit, war mir schon ein wenig mulmig. Das Zelt ist eingerichtet mit normalen Matratzen, Kopfkissen und Betten und wird sogar jeden Morgen frisch hergerichtet.

 

Völlig müde fielen wir auf die bequemen Matratzen und erfreuten uns an der Einsamkeit und den Buschgeräuschen.

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© Marina Meger 2017