Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

05.06.2015, Enisala, Lacul Razim

Gewohnt früh wachte ich auf, erledigte die Morgentoilette und weckte Jochen, der sich bereit erklärt hatte Edeltraud mich und den Fischer mit dem Wagen zur Anlegestelle zu bringen, denn wir hatten keinerlei Ahnung, wie lange wir zu Fuß unterwegs sein würden. Günther zog es vor sich auszuschlafen und den Tag gemütlich anzugehen. Ion war so nett und schloss den Restaurantbereich auf, so dass ich auf meine morgendliche Kaffeeration nicht verzichten musste.

 

Im Garten posierte ein hübscher Wiedehopf für ein Foto, nur leider war es noch ein wenig zu dunkel.

 

Gegen 06:30 Uhr tauchte der Fischersmann auf. Wir begrüßten uns. Er spricht leider nur rumänisch. Ein junges rumänisches Paar wird die Bootstour mit uns zusammen unternehmen. Nachdem das Bootsbenzin Edel, der Fischer und ich im Landy verstaut sind, geht´s los zum kleinen Hafen der örtlichen Fischer, direkt rechts der Straße nach Sarichioi.

Wiedehopf/Eurasian Hoopoe (Upupa epops epops), Enisala

Wir kletterten in das kleine Motorboot und verabschiedeten uns winkend von Jochen. Vorbei ging´s im dicht mit schilfbewachsenen großen Kanal an der Burgruine und zunächst hinaus auf den Lacul Razim. Bei dieser Gelegenheit kontrollierte der Fischer gleich seine Netze. Wir erspähten erste Rosa Pelikane und einige Reiher. Das europäische Brutgebiet der Pelikane konzentriert sich auf das Donaudelta, von wo aus die Zugvögel im Herbst wieder nach Afrika aufbrechen. Es wird geschätzt, dass etwa 6000 bis 8000 Rosa Pelikane in großen Kolonien im Delta brüten, von wo aus die Zugvögel im Herbst wieder nach Afrika aufbrechen.

 

Hier draußen auf dem großen See war die Vogelausbeute aber eher mau. Am Himmel zogen im Norden bedrohlich schwarze Wolken heran und kündigten ein Unwetter an. Das rumänische Pärchen übersetzte für uns in Englisch, wenn Fragen auftauchten oder wichtige Informationen weiter gereicht wurden. Kaum zurück in den schmalen Kanälen flogen eine Vielzahl Reiher vor dem herannahenden Boot auf. In der Mehrzahl handelte es sich um Purpurreiher. Ich habe auch in Afrika noch nie so viele Purpurreiher in einem so begrenzten Raum sichten können. Graureiher, Silberreiher und die kleineren Rallenreiher waren ebenfalls recht häufig neben den Rosa Pelikanen anzutreffen. Die bedrohten Krauskopfpelikane waren allerdings nicht darunter. Ihre Zahl im Donaudelta wird lediglich auf 300 bis 400 Exemplare geschätzt, weltweit existieren nur noch 800 – 1400 Brutpaare dieser hübschen Tiere.

 

325 verschiedene Vogel-Arten, darunter 200 Brutvogelarten lassen das Herz eines jeden Vogelfreundes höher schlagen, denn das Donaudelta ist einer der bedeutendsten Rastplätze des Vogelzugs! Ein Teil der Vögel bleibt hier und brütet, der andere Teil der Zugvögel stärkt sich im Delta für den Weiterflug in nördlichere Gefilde. Im Donaudelta treffen sieben große Vogelrouten zusammen!

beim Bootsanleger, Enisala
unser Shuttleservice, Enisala
Bootstour durch die Kanäle des Lacul Razim
Bootstour durch die Kanäle des Lacul Razim
Bootstour durch die Kanäle des Lacul Razim
Bootstour durch die Kanäle des Lacul Razim
Burgruine Heraclea, Enisala
Rosapelikan/Great White Pelican (Pelecanus onocrotalus), Enisala

Es wurde dunkler und dunkler und der Himmel öffnete seine Schleusen. Es goss wie aus Kübeln, rasch waren wir bis auf die Haut durchnässt und hatten Mühe die Kameras regensicher zu verstauen. Unglaublich wie klapperkalt es werden kann, wenn man nass ist und im Fahrtwind sitzt.

 

Es dauerte noch eine ganze Weile bis wir endlich wieder den Hafen erreichten. Jochen hatte mitgedacht, als er die schwarze Bedrohung am Himmel sah und sich strategisch vorbildlich bereits wieder zur Abholung am Anleger positioniert. Wir müssen erbärmlich ausgesehen haben, als er uns in Empfang nahm. Gott sei Dank lagen im Landy zwei große Handtücher zur Trocknung bereit. Edeltraud und ich wünschten uns nichts sehnlicher wie eine heiße Dusche!

Unwetter über dem Lacul Razim
Purpurreiher/Purple Heron (Ardea purpurea), Lacul Razim, Enisala

Frisch gewaschen und gebügelt genossen wir ein ausführliches Frühstück. Jochen hatte während unserer Bootstour die Bienenfresserkolonie direkt neben der Straße gefunden. Diese stand zusammen mit einem Erkundungsausflug nach Murighiol, am südlichsten der drei Donauarme, auf dem Tagesprogramm.

Karte Donaudelta. Googlemaps
Reedbaukunst, Enisla Safari Village
an der Bienenfresserkolonie, Enisala
an der Bienenfresserkolonie, Enisala
Purpurreiher/Purple Heron (Ardea purpurea), Lacul Razim, Enisala

Die bunten Bienenfresser beobachteten wir vor ihren Bruthöhlen an der Abbruchkante im Gelände eine gute Stunde lang. Ab und zu sieht man auch einmal einige Stare vor den Höhlen. Elstern kommen hier massenhaft vor, Ziesel haben den Wohnraum unter der Erde besetzt und der Ruf des Wiedehopfes ist häufig zu hören. Über all dem kreisen Milane und andere Raubvögel.

Enisala

Auf der landschaftlich wunderschönen und kaum befahrenen Strecke Richtung Murighiol erfreuten wir uns zunächst in dem aufgeräumten Lippowanerort Sarichioi an blau bemalten Fensterläden, typisch russischer Hausbaukunst und liebevoll bepflanzten Vorgärten. Der Ort liegt am Rande des Lacul Razim und beherbergt die größte Ansiedlung altgläubiger Russen im Donaudelta. Hier weideten Schafherden, dort bestellten die Bauern oftmals noch in Handarbeit ihre Felder. Herrlich bunte Wiesen waren eine Wohltat für das Auge. Zeitweise hatte es ordentliche Schlaglöcher im Straßenbelag, aber im Ort Valeas Nucarilor konnten wir uns davon überzeugen, dass auch in den Straßenbau investiert wird. Noch vor Jahren war dieser Teil des Deltas recht abgehängt vom Rest der Welt.

 

Am Ortseingang von Murighiol begrüßte uns Meister Adebar. Links und rechts der Straße liegen schilfbewachsene Seen, die sich für die Vogelpirsch anbieten.

zwischen Sarichioi und Murighiol
zwischen Sarichioi und Murighiol
Weißstorch/White Stork (Ciconia ciconia), Murighiol, Romania
Weißstorch/White Stork (Ciconia ciconia), Murighiol, Romania

Der langezogene Ort Murighiol am  Donauarm Sfantu Georghe ist sowohl von Tulcea, dem Tor zum Donaudelta, wie auch über die von uns gewählte Route erreichbar. Im Ort mussten wir uns zunächst durchfragen, um unsere Wunschunterkunft für die nächsten Tage zu inspizieren. Aufgrund mangelnder Englischkenntnisse der Befragten, landeten wir schließlich direkt am kleinen Hafen des hiesigen Donauarms.

 

Unser Wunschhotel für die nächsten Tage fanden wir hier zwar nicht, wurden aber direkt von einem sympathischen Bootsführer angesprochen, der uns bei der Zimmersuche behilflich sein wollte. Natürlich würde er auch die gewünschten Touren in das Delta mit uns machen. In direkter Hafennähe konnten wir ab Morgen luxuriös, für kleines Geld zwei Nächte in je einer klimatisierten Suite im 1. Stock des Laguna Albastra Resorts reservieren.

 

Das Resort verfügt direkt nebenan über eine kleine Campsite und Wohnmobilstellplätze mit Stromanschluss. Die sanitären Anlagen des Poolbereichs können mit genutzt werden. Das war der perfekte Parkplatz für unsere Autos in Sichtweite des Suitebalkons. So konnten wir die Freezer mit Strom versorgen.

 

Mit Roman vereinbarten wir, dass wir in morgen Mittag nach Ankunft anrufen würden, um die Details für eine Deltatour am Nachmittag zu besprechen.

Zufrieden, dass wir zeitsparend eine schöne Unterkunftsoption für die nächsten Tage gefunden hatten, begaben wir uns auf gleichem Weg zurück Richtung Enisala. Für die Strecke benötigten wir gut 1,25 Stunden und kamen gerade noch rechtzeitig zum Lunch.

zwischen Murighiol und Enisala
zwischen Murighiol und Enisala
zwischen Murighiol und Enisala
zwischen Murighiol und Enisala
zwischen Murighiol und Enisala
zwischen Murighiol und Enisala
zwischen Murighiol und Enisala
zwischen Murighiol und Enisala
zwischen Murighiol und Enisala
zwischen Murighiol und Enisala

Nach kurzem Mittagspäuschen statteten Edeltraud und ich der Vogelwelt in der Umgebung noch einen Besuch ab. Wir nahmen nochmals ausführlich Bienenfresser, Elstern, Schreiseeadler in Augenschein und retteten schließlich eine Sumpfschildkröte, die die Straße überqueren wollte.

Europäischer Bienenfresser/European Bee-eater (Merops apiaster), Enisala
Europäische Sumpfschildkröte/European pond turtle (Emys orbicularis), Enisala
Europäischer Bienenfresser/European Bee-eater (Merops apiaster), Enisala
Bienenfresserkolonie, Enisala
Ausblick Enisala Safari Village mit Lcul Razim im Hintergrund
Enisala Safari Village

Beim anschließenden Dinnerbuffet in der Lodge teilte ich Cristina mit, dass wir bereits morgen abreisen werden. Ursprünglich hatten wir drei Nächte Aufenthalt geplant. Sie war etwas geknickt, aber Touren ins Delta lassen sich einfach besser ab Murighiol organisieren. Die Fahrt von Enisala ist einfach zu lang, um das gute Morgenlicht auszunutzen.

 

Wir genossen noch ein wenig die traumhaft schönen Ausblicke in die Umgebung und zogen uns früh zurück.

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© Marina Meger 2017