Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

04.06.2015 Enisala, Lacul Razim

Unser Frühstück hatten wir auf 07:00 Uhr bestellt, denn obwohl der Löwenanteil der heutigen Strecke bis ins Donaudelta auf Autobahn zu bewältigen sein würde, muss man in Rumänien mit Überraschungen jeglicher Art rechnen.

 

Nach sehr gutem Frühstück beglich ich unsere Rechnung. Wir zahlten inkl. Verpflegung/Getränke 350 RON (ca. 80 €) zu zweit. Nach herzlicher Verabschiedung und mit dem Versprechen in Kontakt zu bleiben waren wir rasch wieder auf der gut ausgebauten Autobahn Richtung Bukarest und kamen auch zügig voran. In Bukarest jedoch muss man aktuell noch die Bahn verlassen und auf einer fürchterlichen, nur zweispurigen Piste die Stadt umfahren, um wieder auf die Autobahn Richtung Constanta/Schwarzes Meer zu gelangen. Die Umfahrung auf der südlichen DNCB hat uns über eine Stunde Zeit gekostet. Hier reihte sich wieder LKW an LKW! Schon allein aus wirtschaftlichen Gründen muss dem Ausbau der Infrastruktur in Rumänien dringend Vorrang gegeben werden. Zwischen Bukarest und Constanta tankten wir an einer der sehr gut ausgestatteten ROMPETROL-Tankstellen. Hier konnten wir immer mit Kreditkarte zahlen, die Toiletten war sehr sauber und das Shop-Angebot besser wie in vielen deutschen Tankstellen.

 

Hinter Fundulea führt eine große, mautpflichtige Brücke über die Donau. Wir entrichteten unseren Brückenzoll, erreichten gegen 13:30 Uhr das Ende der Autobahn bei Constanta und hielten uns Richtung Norden. Vorbei ging die Fahrt an farbenprächtigen Wiesen, durch eine landwirtschaftlich intensiv genutzte Region, die Dobrogea (Dobrudscha). Begrenzt wird die rumänische Dobrudscha wird im Norden und Westen durch die Donau, im Osten durch das Schwarze Meer und im Süden durch die Grenze zu Bulgarien. Das Hinterland der Küste gehört zu den wenigen Steppenlandschaften der EU.

 

Unser Tagesziel war zunächst das südliche Donaudelta am Lacul Razim, dem größten, sehr fisch- und vogelreichen See Rumäniens.

Oarja
zwischen Constanta und Donaudelta
zwischen Constanta und Donaudelta
zwischen Constanta und Donaudelta
zwischen Constanta und Donaudelta
Babadag

Bereits vor der Reise hatte ich uns in der Enisala Safari Village angekündigt. Die Beschreibung im Michael-Müller-Reiseführer und der Name sprachen mich an: „ein Geheimtipp ist dieses Ferienanwesen eines Bukarester Geschäftsmanns, der nicht nur seine Freunde, sondern auch Touristen empfängt. Vor den weißgetünchten Häusern mit blauen Fensterläden und Reetdächern blüht Lavendel.“ Mit dem Besitzer Gibi hatte ich einen recht netten Email-Kontakt, musste allerdings unsere Ankunft wegen der Landrover-Reparatur per Email verschieben. Auf der Hinreise nach Enisala telefonierten wir kurz: alles wäre für uns vorbereitet, er selbst können nicht kommen, da Prinz Charles mal wieder im Lande wäre und Gibi zur „Audienz“ eingeladen ist. Prinz Charles engagiert sich seit vielen Jahren in Rumänien für den ökologischen Landbau und die Restaurierung alter Landhäuser. Schade, auf ein persönliches Gespräch mit Gibi hatte ich mich sehr gefreut.

 

Die osmanische Vergangenheit der Dobrudscha zeigt sich nirgends so deutlich wie an den türkischen Ortsnamen: Enisala, Babadag, Murighiol, Mahmudia, Bestepe. In vielen dieser Orte befinden sich auch Moscheen.

 

Etwa gegen 14:00 Uhr kam die Burgruine Heraclea, die erhaben auf einem Hügel über Enisala thront, in Sicht. In der Enisala Safari Lodge wurde wir herzlich von der jungen Assistenzmanagerin Cristina empfangen. Der Exsoldat und eigentliche Manager Ion sprach kein Englisch, war deshalb vermutlich ein wenig distanziert, aber beim ihm liefen alle Fäden zusammen. Die guten Seelen der Unterkunft waren jedoch Maria und Tudora, die sich sofort bereit erklärten unseren Wäscheberg zu verringern. Außer Cristina sprach übrigens niemand vom Personal Englisch.

Burgruine Heraclea, Enisala
Enisala
Ausblick auf den Lacul Babadag, Enisala Safari Village
Enisala Safari Village
Enisala Safari Village
Enisala Safari Village
Enisala Safari Village
Enisala Safari Village
Enisala Safari Village
Enisala Safari Village
Enisala Safari Village

Wir bezogen unsere kleinen, einfach aber hübsch bunt eingerichteten Zimmer, duschten und genehmigten uns erst einmal einen ordentlichen Cappuccino. In der Rotonda Dinner Lounge werden die Mahlzeiten in Buffetform und Selbstbedienung angeboten. Mit Getränke versorgt man sich selbst aus mehreren großen Kühlschranken, bzw. mittels einer sehr guten Kaffeespezialitäten-Maschine. Abgerechnet wurde nach Strichliste. Die Lodge liegt auf einem Hügel und von der Terrasse hatten wir einen wunderbaren Blick in das größte Schilfgebiet der Welt (man höre und staune). Auf verschiedenen Ebenen wurde Terrassen, ein großer Braaiplatz uns sogar eine „Alibaba-Opiumhöhle“ eingerichtet. Alle Häuser sind reedgedeckt und verströmen Gemütlichkeit. Gibi, passionierter Jäger, hat sich in einen der Gebäude ein kleines Museum eingerichtet, welches wir interessiert mit Cristina besichtigten. Allerlei historische Kleinodien hat er hier zusammengetragen.

 

Allerdings blättert der „Lack“, man müsste an vielen Stellen mal wieder ausbessern und zum Farbtopf greifen. Der Spagat zwischen privatem Feriendomizil und Gästebetrieb ist noch nicht überzeugend gelungen.

 

Die Vogelvielfalt hier lässt mein Herz allerdings höher schlagen. Für 07:00 Uhr am nächsten Morgen haben Edeltraud und ich mit einem örtlichen Fischer eine Erkundungstour durch die Kanäle geplant und hoffen auf gutes Sichtungsglück. Ion arrangierte die Tour und hatte mich auch noch mit jeder Menge Infomaterial über Delta und Umgebung versorgt. Offensichtlich ist sein Sohn Cristian normalerweise der Experte für Flora und Fauna. Leider ist er nicht anwesend.

 

Das Abendessen war gut, aber nichts Besonderes. Entspannt ging´s gegen 09:30 Uhr zum Schönheitsschlaf.

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