Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

03.06.2015, Hunedoara, Oarja  

Wir haben herrlich in diesem klimatisierten, verdunkelbaren Hotelzimmer geschlafen. Noch vor dem Frühstück, welches auf 08:00 Uhr vereinbart war, räumten wir unser Gepäck in das Fahrzeug, damit wir rasch startklar waren. Leider mussten wir ca. 30 Minuten warten, bis dann endlich ein hervorragendes Morgenmahl mit frischen Erdbeeren und gutem Kaffee auf dem Tisch stand. Erinnerte uns an wenig an Ostafrika (pole pole). Die Rechnung für Zimmer (90,00 €) und Restaurant konnten wir mit Kreditkarte begleichen. Gegen 09:00 Uhr begaben wir uns immer entlang der Marosch (Mures), durch hügelige, waldreiche Landschaften auf der Bundesstr. 7/E65.

 

Uns begegneten zahlreiche Pferdefuhrwerke, das Vieh weidete am Straßenrand, malerische Heuschober zierten die saftig grünen Wiesen. Dörfer und Ortschaften  zogen sich endlos lang und hinter uns bildete sich rasch wieder eine Schlange aus LKW und PKW´s, die ungeduldig darauf lauerten uns an den unmöglichsten Stellen in halsbrecherischem Tempo zu überholen. Jochen war gnädig und fuhr ab und zu mal rechts ran, damit die Meute an uns vorbeiziehen konnte.

 

Wenn auch viele Dorfhäuser noch erheblichen Renovierungsbedarf aufwiesen, so legen die Rumänen offenbar sehr großen Wert auf blumenreiche Vorgärten. Es war wirklich eine Freude, die liebevoll angelegten und sehr gepflegten Blumenrabatten in allen Teilen Rumäniens im Vorbeifahren zu bewundern. Und wie überall nach Zusammenbruch des Ostblocks wurde in die Restaurierung der Kirchen, hier zumeist rumänisch-orthodox,  zuerst investiert.

zwischen Arad und Deva
zwischen Arad und Deva
zwischen Arad und Deva
zwischen Arad und Deva
zwischen Arad und Deva
zwischen Arad und Deva
zwischen Arad und Deva
zwischen Arad und Deva
zwischen Arad und Deva

In Deva (Diemrich), einer alten Dakersiedlung), konnten wir uns davon überzeugen, dass all die großen Handelsketten ihre Dependancen im Land eingerichtet hatten. Metro, Praktiker, Kaufland, Lidl und einige französische Ketten hatten sich in strategisch günstigen Lagen positioniert. Damit war also ein nächster Programmpunkt unserer Reise gesetzt. Jochen wollte sich einen Praktikermarkt anschauen. Offensichtlich hatte das Unternehmen in Rumänien überlebt. Das Telefonnetz ist mit der Telekom fest in deutscher Hand. Was vielleicht auch gut so war, denn ich hatte noch kurz vor Abreise meinen Handytarif auf eine Europa-Flat umgestellt um kam so ohne zusätzliche Kosten in den Genuss jederzeit auf der Fahrt mittels Tablet-PC im „Globalen Dorf“ zu surfen.

 

Kurz nach 12:00 Uhr, die Sonne stand hoch und es war schon wieder über 30° warm, erreichten wir ca. 10 km nach rechts hinter Deva Hunedoara (Eisenmarkt) mit der mittelalterlichen Burg Corvin (Castelul Corvinilor). Nur leider zur falschen Tageszeit. Für schöne Aufnahmen kam das Licht aus der falschen Richtung und war viel zu hart. Wenigstens gab es auf dem bewachten Parkplatz ein Klo. Das hatte ich bitter nötig!

 

Man betritt die Burg über eine lange Brücke, unter der sich ein Burggraben auftut. Um das Jahr 1452 wurde Das Castelul im gotischen Stil von Johann Hunyadi (Iancu de Hunedoara) auf einem Kalkfelsen auf den Resten einer Festung aus dem 14. Jahrhundert errichtet. Die übrigen Teile wurden unter Matthias Corvinus und den Fürsten Bethlen erbaut. Mittlerweile dient die restaurierte Burg als attraktive Filmkulisse. Viele internationale Filme wurden dort bereits gedreht.

 

Für mich heißt das also wiederkommen und mehr Zeit mitbringen!

Deva (Diemrich)
Deva (Diemrich)
Burg Corvin, Hunedoara (Eisenmarkt)
Burg Corvin, Hunedoara (Eisenmarkt)
Burg Corvin, Hunedoara (Eisenmarkt)
Burg Corvin, Hunedoara (Eisenmarkt)
Burg Corvin, Hunedoara (Eisenmarkt)
Burg Corvin, Hunedoara (Eisenmarkt)
Orthodoxe St. Constantine und Helena Kathedrale, Hunedoara

Nach kurzer Lagebesprechung, wir wollten versuchen heute noch möglichst viel Strecke zu machen und freuten wir uns auf ein neues Stück Autobahn A1 zwischen Deva (Diemrich) und Sibiu (Hermannstadt). Gegen 14:00 Uhr ging´s also weiter.

 

Das 2007 zur Europäischen Kulturhauptstadt gekürte Hermannstadt ist zwar für die meisten Rumänen die schönste Stadt des Landes und verfügt über eine wunderschönen, restaurierten Altstadtkern, aber ich wollte zunächst das Donaudelta besuchen, auf welchem der Reiseschwerpunkt liegt. Rund um Sibiu (Hermannstadt), welches über einen internationalen Flughafen verfügt und auch mit Direktflügen aus Deutschland erreichbar ist, haben sich eine Menge internationaler Großkonzerne angesiedelt und neue Arbeitsplätze geschaffen. Im Mittelalter zogen deutsche Siedler nach Hermannstadt, heute ist der rumänische Ort ein Zentrum deutscher Pkw-Zulieferer. Die Wirtschaft brummt und die Bevölkerung freut sich über den beginnenden Wohlstand. Der ehemalige deutschstämmige Bürgermeister und Siebenbürger Sachse Klaus Johannis ist 2014 zum Staatspräsidenten Rumäniens gewählt worden. Mit seiner Politik genießt Johannis derzeit enormen Rückhalt in der Bevölkerung. Das besagen landesweite Umfragen, und das ist auch auf den Straßen von Bukarest zu spüren:

 

"So jemand wie er hätte schon längst in Rumänien an der Macht sein müssen. Er ist nicht einmal ein halbes Jahr im Amt, aber er hat schon mehr erreicht, als seine Vorgänger, die nichts anderes getan haben, als Vermögen anzuhäufen für sich und ihre Interessengruppen." Quelle: Deutschlandfunk

 

In Tripadvisor hatte ich eine kleine Pension in Oarja, auf dem Land hinter der Industriestadt Pitesti mit sehr guten Kritiken gefunden. Von unterwegs ließ ich bei Cristian (englischsprachig) zwei Zimmer und Abendessen reservieren.

 

Hinter Hermannstadt hat es mit der Autobahn wieder erledigt, wir mussten die Karpaten überqueren und wir quälten uns auf schlechter, kurvenreicher Straße mit vielen Lastwagen und baustellenbedingten Staus durch die wunderschöne Bergwelt. Parallel zur Straße schlängelt sich der Olt, ein linker Nebenfluss der Donau. Er entspringt in den Ostkarpaten und wurde auf seinem Weg bis zur Mündung 24x aufgestaut. Für die Region Oltenien ist der Fluss Namensgeber. Die hohen Karpatengipfel waren übrigens noch schneebedeckt.

auf der A1 hinter Deva (Diemrich) Richtung Sibiu (Hermannstadt)
zwischen Deva und Hermanstadt (Sibiu)
Karpaten bei Hermanstadt
Karpaten bei Hermannstadt
Karpaten bei Hermannstadt
in den Karpaten zwischen Hermanstadt und Pitesti
in den Karpaten zwischen Hermanstadt und Pitesti
in den Karpaten zwischen Hermanstadt und Pitesti

Rückblickend war die Straße zwischen Hermannstadt (Sibiu) und Pitesti das anstrengendste, was wir in Rumänien unter die Räder genommen haben. Die Dörfer/Orte auf kurvenreicher, unübersichtlicher Strecke, durchsäht mit großen Schlaglöchern reihten sich endlos aneinander. Ich bin gespannt, ob und wie dort jemals eine Autobahn gebaut werden kann, die die Industriestädte Hermannstadt und Pitesti (Sitz der Peugeotochter Dacia) zeitsparend verbindet. So waren wir sehr dankbar bei Pitesti wieder ein - wenn auch kurzes Stück - guter Autobahn befahren zu dürfen. Gleich hinter Pitesti wählten wir die erste Ausfahrt in Richtung Oarja und befanden uns sofort wieder in ländlichem Gebiet. Störche suchten auf den Wiesen nach einer Mahlzeit und eine Roma-Familie transportierte eine Ladung Holz für den Herd auf dem Pferdefuhrwerk. Dazwischen sahen wir auch wieder einige Ölförderanlagen.

zwischen Hermanstadt und Pitesti
bei Oarja
bei Oarja
bei Oarja
Oarja

In Oarja mussten wir uns mehrfach bei der örtlichen Bevölkerung durchfragen, wo denn die Belegania Villa zu finden sei, denn auch Oarja ist eine dieser recht großen unübersichtlichen Dörfer und natürlich war die Pension nicht ausgeschildert. Müßig zu erwähnen, dass sie auch nicht im Nüvi gespeichert war. Gegen 19:00 Uhr erreichten wir endlich die Villa Belegania und wurden herzlich von Cristian, dem Sohn der Familie und seinen Eltern begrüßt. Er ist in Oarja geboren und seine Eltern betreiben hier eine Landwirtschaft mit u.a. Weinanbau. Die Eltern wohnen direkt neben dem Gästehaus, sprechen aber nur Rumänisch.

 

Ich vermute, dass Cristian den Eltern mit dem Gästehausbetrieb ein kleines Zubrot verschaffen möchte. Wir bezogen zunächst unsere zweckmäßig und sauberen Zimmer (hier sind einige Fotos zu finden) im ersten Obergeschoss, duschten und trafen uns zu einem ausführlichen Palaver mit Cristian wieder auf der Terrasse. Durch seine langen Aufenthalte im Ausland (u.a. zwei Jahre New York) und Reisen in 34 verschiedene Länder sprach Cristian perfekt Englisch und die Kommunikation war recht einfach. Er konnte uns viele Tipps geben und stand auch unterwegs auf der Rumänienreise für Auskünfte zur Verfügung. Das sehr gute Abendessen aus farmeigenen Produkten, hat Cristians Mutter nebenan gekocht. Da es doch recht spät geworden war, zogen wir uns nach dem Abendessen schnell auf unsere Zimmer zurück.

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© Marina Meger 2017