Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

02.06.2015, Arad

Früh waren wir wieder auf den Beinen, denn Günther und Jochen wollten bei Denzel in Wien dabei sein, wenn das Radlager im Landy verbaut wird, während Edeltraud und ich schon wieder den Vögeln hinterher stiegen (Grünspecht und Wacholderdrossel waren die Ausbeute). Zwischendurch packten wir das Camping-Equipment zusammen soweit wir konnten, denn die Männer gaben uns telefonisch durch, dass wir noch heute Richtung Rumänien aufbrechen würden. Der Landy schnurrt also wieder! Naja, mal schauen wie lange noch…

                                                  

Nach Rückkehr baute Jochen noch unser geniales Quechua Wurfzelt ab. Das Zelt ist tatsächlich in zwei Sekunden aufgebaut (Abbau dauert aber ca. 5 Minuten), das Zelt hat den Regen- und Sturmtest erfolgreich bestanden und (die Investition von 109,00 €) hat sich wirklich gelohnt.

 

An der Rezeption beglich ich unsere Rechnung: Camping Erwachs. pP/Tag 4,90 €, Ortstaxe Erwachs. pP/Tag 1,50 €, PKW/Tag 3,50 €, Zelt/Tag 4,00 €, Strom/Tag 2,00 €.

Durch malerische Weinfelder und bunt gefärbte Felder, vorbei an gigantischen Windparks erreichten wir nach kurzer Fahrzeit gegen 13:00 Uhr die ungarische Grenze. Auf der perfekt ausgebauten M1/E75 kamen wir zügig (soweit das mit einem Landrover möglich ist) voran. Erst kurz vor Budapest veränderte sich das Landschaftsbild und es wurde wieder hügelig und waldreich, ähnlich wie im Bayerischen Wald.

 

Im Reise Know-How-Verlag hatte ich vorab eine digitale Version des Kauderwelsch-Sprachführers Rumänisch erstanden und auf CD kopiert. Während der Fahrt übten wir uns stundenlang (mit mäßigem Erfolg) in der rumänischen Sprache, der östlichsten romanischen Sprache, die aus dem Latein der Römer hervorgegangen ist. Die nächstverwandte Sprache ist Italienisch, was man der Sprachmelodie deutlich anhört. Dies erklärt auch, warum so viele Italiener im Land leben, bzw. viele Rumänen in Italien Arbeit suchen.

Andau, Austria
Andau, Austria
Andau, Austria
Ungarn
Ungarn
Ungarn - in welcher Schrift auch immer das Ortseingangsschild geschrieben ist
Ungarn
Ungarn
Ungarn
Ungarn
Ungarn
Ungarn

Hinter Budapest wechselten wir auf die M5 Richtung Szeged (hier wird das leckere Szegediner Gulasch gekocht). Auf der Google-Maps-Karte ist bereits eine durchgehende Autobahnverbindung M43/A1 bis hinter Timisoara/Rumänien eingezeichnet, aber die befand sich leider noch im Bau, so dass wir schon auf ungarischer Seite ab der Ortschaft Mako einen ersten Eindruck der ostafrikanischen, ähm osteuropäischen Straßenverhältnisse völlig kostenlos erhielten. Die ungarischen Orte schauten jedoch überwiegend sehr hübsch und aufgeräumt aus.

 

Vor der Grenze in Nadlac stauten sich auf der LKW-Spur die Trucks kilometerlang. Auf der PKW-Spur ging´s zügig voran. Jedoch wurden unsere Pässe kontrolliert (Rumänien ist noch kein Mitglied des Schengen-Raums). Da die Uhren in Rumänien anders ticken, verloren wir eine Stunde.

 

Mit Grenzquerung in das Kreischgebiet (Crisana) veränderte sich schlagartig auch das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer. In kleinen, unübersichtlichen Ortschaften ist es offensichtlich üblich trotz Tempolimit 50 km/h auch mit Trucks Minimum 80 km/h zu fahren. Ich fürchtete als Beifahrerin auf der linken Seite um mein Leben und krallte mich an meinen Festhaltegriff. Jochen schaltete auf stur und hielt sich an die Vorschriften. Die Fahrzeugschlange hinter uns wurde länger und länger.

 

Sofort fallen uns die vielen Storchennester auf den Strommasten auf. Jede Ortschaft verfügt über mehrer Brutstätten und der Nachwuchs guckt auch schon neugierig hervor. Nicht so schön ist das Gewirr der Stromleitungen, die hier überall oberirdisch verlegt wurden.

 

Sobald wir wieder ein Stück fertiggestellter Autobahn sahen, wechselten wir sofort auf die neue vierspurig ausgebaute Piste, die zukünftig komplett über Budapest bis ans Schwarze Meer führen soll. Welch eine Erholung! Hier merkt man sehr deutlich, dass Rumänien erst seit acht Jahren EU-Mitglied ist. Das Land hat im Vergleich zu Ungarn noch viel aufzuholen.

Grenze Ungarn-Rumänien bei Nadlac
Grenze Ungarn-Rumänien bei Nadlac
Historische Regionen Rumänien, Quelle: landkartenindex.de
Nadlac
Nadlac
Nadlac
Nadlac
neu gebaute A1 zwischen Nadlac und Arad

Die Bevölkerungszahl liegt bei rund 20 Millionen, von denen aber nach der großen Auswanderungswelle ca. 25 % im Ausland leben und arbeiten, die meisten davon in Italien und Spanien. Somit verfügt das zentralistisch regierte Land von der Größe Großbritanniens über eine relativ dünne Bevölkerungsdichte.

 

Zu den Bodenschätzen Rumäniens gehören Erdgas, Kohle, Salz, Gold und Erdöl. Einige Öl-Förderanlagen sichteten wir bereits kurz vor Arad.

zwischen Nadlac und Arad
Erdölförderung zwischen Nadlac und Arad

Dadurch, dass wir drei Tage in Österreich verloren haben und auch erst spät am Tag los fuhren, habe wir unseren ursprünglichen Plan im Nationalpark Marosch-Auen/Parcul Natural Lunca Muresului zu campen über Bord geworfen. Mittlerweile war brüll-heiß und im Landy durch die Getriebewärme noch viel unerträglicher. Im neuen Michael-Müller Reiseführer wurde das kleine, erst im Juli 2014 eröffnete, 4-Sterne-Hotel Palace Residence mit nur vier klimatisierten Zimmern in einem restaurierten Altbau mit angeschlossenem Italienischen Restaurant und bewachtem Parkplatz empfohlen. Von unterwegs reservierte ich bei der u.a. deutschsprachigen Besitzerin zwei freie Zimmer. So war unser Bett für die Nacht gesichert.

                          

In Arad angekommen lotste uns das Nüvi durch schmale Straßen vorbei an hübschen, nur teilweise renovierten Jugendstilhäusern, schmiedeeisernen Balkonen und barocken Villen. Die Habsburger haben in Arad eindeutig ihre Spuren hinterlassen. Nach dem Frieden von Karlowitz (1699) musste das Osmanische Reich neben Ungarn und Siebenbürgen auch das Kreischgebiet an Österreich abtreten.

 

Einmal kurz verfahren und die Marosch gequert, führte uns das Nüvi aber dann gegen 20:00 Uhr zielgerichtet zum Hotel. Wir parkten die Fahrzeuge direkt an der Straße und wurden herzlich von der Besitzerin begrüßt, die uns versicherte, dass nachts ein Wächter auf unsere Fahrbaren Untersätze achten würde. Ich checkte ein Unsere Zimmer (Jochen und ich hatten die Nr. 5) im ersten Obergeschoss einer alten Villa waren der pure Luxus: Klimaanlage, hohe Decken, elektrische Jalousien und vor allem ein großes, neues Bad. Wir sind im Paradies angekommen, welches ich auch sofort in Form einer kühlen, erfrischenden Dusche in Betrieb nahm!

 

Anschließend trafen wir uns zu einem vorzüglichen italienischen Abendessen im Restaurant des Hotels. Günther schlich immer noch etwas ängstlich um seinen T5, baute jegliches Equipment aus, wollte den Wagen trotzdem nicht aus den Augen lassen und hätte fast das Dinner verpasst. Das abschließende Tiramisu war ein Hochgenuss und selig fielen wir in die äußerst bequemen Betten.

Arad
Arad
Arad
Zimmer 5, Hotel Palace Residence, Arad, Foto: Hotel Palace Residence
Zimmer 5, Hotel Palace Residence, Arad, Foto: Hotel Palace Residence
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© Marina Meger 2017