Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

Uganda Hospitation 19.10. bis 08.11.2015

Liebe KollegInnen,

 

auch 2015 habe ich wieder eine Hospitationsreise in ein afrikanisches Land für KollegInnen aus dem Gesundheitswesen ausgeschrieben, um persönlich die Übergabe/Verwendung von Spendengeldern zu veranlassen. Für sechs KollegInnen ging es nach Uganda in Ostafrika! Diesmal in Zusammenarbeit mit dem Verein Partnerschaft Gesunde Welt - Klinikverbund Südwest e.V..

 

Die Reise war auf drei Wochen konzipiert und beinhaltete die Besichtigung des staatlichen Lubaga Hospitals in Kampala, dem Partnerkrankenhaus von Partnerschaft Gesunde Welt e.V., und einen dreitägigen Besuch des Toro Babies Home in Fort Portal. Natürlich fanden auch die die touristischen Highlights der "Perle Afrikas", wie Winston Churchill Uganda schwärmerisch bezeichnete, im Programm ihren Platz. Die bewegende Begegnung mit den letzten freilebenden Berggorillas der Erde wird sicherlich allen TeilnehmerInnen bis ans Lebensende in Erinnerung bleiben. Daneben können wir (durchaus nicht selbstverständlich auf Uganda-Reisen) die erfolgreiche Sichtung der Big Five (Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel und Leopard) vermelden.

Hier ein lesenswerter Bericht über den Arbeitseinsatz Frühjahr 2016 der beiden Ärzte Juliane Schümann und Sven Wentrup im Lubaga Hospital.

Bericht über die Besichtigung des Lubaga Hospital am 21.10.2015

von Julia Walter, Fachkinderkrankenschwester, Kandel

weitere TeilnehmerInnen:

Esther Baumgartner, Kauffrau, Stans, Schweiz,

Angela Deppe, Fachkinderkrankenschwester, Göttingen

Matthias Deppe, Fachkrankenpfleger, Göttingen

Barbara Zimmermann, IBCLC, Hebamme, Stans, Schweiz

Lubaga Hospital, Foto: Partnerschaft Gesunde Welt e.V.

Am 21.10.2015 war es endlich soweit. Früh morgens trafen wir uns im Restaurant des Hotel Le Petit Village zu einem kräftigen Frühstück. Unser Driver Hassan kam einige Minuten zu spät, während unsere Gruppe schon auf heißen Kohlen saß, da wir befürchteten nicht rechtzeitig zum vereinbarten Termin im Hospital anzukommen - typisch für Deutsche. Trotz dem morgendlichen Verkehrs, kamen wir einigermaßen pünktlich an. Zunächst erreichten wir das Haupttor, das sich jedoch als Zufahrt für die Ambulanz herausstellte. So mussten wir auf die gegenüberliegende Seite des Geländes wechseln.

 

An der Rezeption meldeten wir uns als Gruppe an in Vertretung für Marina Meger und Partnerschaft Gesunde Welt – Klinikverbund Südwest e.V. In der großen Halle nahmen wir noch einmal auf lederbezogenen Sofas Platz. An der gegenüberliegenden Wand liefen auf einem Plasmabildschirm die neusten Nachrichten. Die weißen Bodenfliesen glänzten im einfallenden Licht.

 

Sr. Janet Harbour, eine Amerikanerin, die schon vor Jahren nach Uganda kam und ihr Leben dem Lubaga Hospital widmete, begrüßte uns herzlich und nahm uns in Empfang.

Lubaga Hospital, Kampala, Foto: J. Walter
B. Zimmermann, Sr. Janet, Lubaga Hospital, Foto: J. Walter

Nach kurzer gegenseitiger Vorstellungsrunde überreichten wir unsere Mitbringsel. Darunter befanden sich unter Bodys, Tücher, sterile Utensilien und auch ein von der Firma Gottlob Kurz zum Einkaufspreis überlassener Fetaldoppler, sowie eine Neugeborenenwaage. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Kurz. Teilweise bedarf es der einen oder anderen Erklärung. Das Strahlen von Sr. Janet wurde immer größer und wir freuten uns, dass die Gastgeschenke Anklang fanden und einer sinnvollen Bestimmung übergeben werden konnten.

A. Deppe, B. Zimmermann, Sr. Janet, Lubaga Hospital, Foto: J. Walter
Hospitation im Lubaga Hospital, Kampala, Foto: A.M. Deppe

Schnell wurde unser Interesse geweckt, als uns Krankenschwestern in typisch weißen Klinikkleidern, jedoch mit verschiedenfarbigen Gürteln um die Taille entgegenkamen. Uns wurde erklärt, dass die Gürtel für den Ausbildungsgrad stehen, den jeweilige Krankenschwester absolviert hat.

 

Dr. Salim Bataale, ein Gynäkologe kreuzte unseren Weg und begrüßte uns mit leiser Stimme, musste sich jedoch alsbald wieder verabschieden.

Sr. Janet bestätigte, dass wir noch einige Zeit verweilen müssen, weil Dr. Andrew, der Klinikchef uns noch empfangen möchte. Und dann, nach kurzer Wartezeit, war es auch schon so weit. Sr. Janet teilte ihm freudestrahlend mit, wer wir sind. Prompt sollten wir für ein Foto der klinikinternen Zeitschrift parat stehen.

 

Anschließend trennten sich unsere Wege und Sr. Janet lud uns auf eine Krankenhausführung ein, die wir natürlich dankend annahmen. Das Hospital verfügt über 271 Betten und behandelt mit insgesamt 380 MitarbeiterInnen jährlich 170.000 ambulante und 40.000 stationäre PatientInnen. Die jährliche Geburtenrate beträgt 7.500 und die Sectio-Rate liegt bei 23% (was daran liegt, dass viele unkomplizierte Geburten gar nicht erst ins Krankenhaus kommen). 1.000 Operationen jährlich/Belegung 70%. Es werden nahezu alle Kliniken vorgehalten.

Sie hatte zudem vorgeschlagen unsere mitgebrachten Kuscheltiere selbst an die Kinder auf den Stationen zu verteilen.

 

Die Führung war mehr als bewegend. Es ist doch interessant zu sehen, wie mit einfachen Mitteln Patienten versorgt werden können bzw. müssen. Und im Gegensatz zu 12-Bett-Zimmern auf der Wochenstation sind wir in Europa doch schon sehr verwöhnt.

Jeder Patient benötigt einen Angehörigen für seine Pflege. Darunter fallen Waschen, Kochen, Körperhygiene und Bettenmachen.

 

Die betreuenden Ärzte leben mit ihren Familien in Häusern auf dem Klinikgelände.

Fortschrittlich empfanden wir den Kindergarten, der nicht nur für die Betreuung der

Kinder des Klinikpersonals zuständig ist und hatten sehr viel Spaß.

Die Kinderstationen heben sich sichtlich von den anderen Stationen ab. Die Wände sind

verziert mit bunten Bildern und Cartoons. Beim Passieren schauten wir

zunächst in ängstliche Kinderaugen. Auf den Gesichtern breitete sich jedoch rasch ein Freudestrahlen aus, als wir unsere Kuscheltiere an die Kleinen verteilten.

Zum Mittagessen kehrten wir in der klinikinternen Kantine ein und stärkten uns mit Posho, Bohnen und einigen weiteren Leckereien mehr.

 

Nach einem langen Tag voll neu gewonnener Eindrücke, nahmen wir noch ein kühles Getränk bei Sr. Janet ein, verabschiedeten und bedankten uns recht herzlich für die Möglichkeit das Lubaga Hospital zu besuchen.

 

Hier noch eine kleine Anekdote aus der Rubrik "Afrika ist ein Dorf": Während der Besichtigung des Lubaga Hospitals in Kampala kommt unserer Gruppe eine weiße Schwester entgegen. Die Überraschung war riesig, denn es handelte sich um eine Kinderkrankenschwester, die einen Teil ihrer Ausbildung 2015 bei Angela Deppe im Uniklinikum Göttingen absolviert hatte.

 

Nach dem Schwestern-Examen hatte man sich aus den Augen verloren und nun steht Lucia plötzlich im Lubaga Hospital in Kampala vor ihr. Lucia wird ein Jahr im Lubaga Hospital über ein Freiwilligenprogramm arbeiten.

Angela Deppe und Lucia, die einen Teil ihrer Ausbildung in Göttingen absoloviert hat
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