Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

Tagestour in die Mondlandschaft und das Swakop Revier

Mondlandschaft/Badlands, Dorob NP
das grüne Swakop-Revier in Mitten der Mondlandschaft

Am 17.11.2011 sind wir gegen 09:00 Uhr mit Konny von Schmettau und Tina zu einer Tagestour in die Mondlandschaft aufgebrochen. Gerd hat sich mit Schwager, Schwägerin und eigenem 4x4 unserer kleinen Gruppe angeschlossen. In Swakop war es wie üblich bedeckt und recht frisch. Erst auf der D1901 in Höhe Sophia Dale Rest Camp lugte die Sonne ab und zu durch die Wolken. Auf diese Tour haben wir uns wirklich sehr gefreut, da wir 2010 leider nicht alle Programmpunkte auf unserer Agenda abarbeiten konnten.

 

Was uns dann im neuen, erst im Dezember 2010 proklamierten Dorob Nationalpark erwartete war einfach nur grandios. Ein spektakuläres Panorama wechselte sich mit dem nächsten ab. Hier überwiegen die "kalten" Farben - ganz im Gegensatz zur rot dominierten Kalahari und Namib Naukluft Park. Der Dorob NP liegt zwischen dem Namib Naukluft Park im Süden und dem Skeleton Coast NP im Norden auf Höhe der Küstenstädte Walvis Bay und Swakopmund. 

 

Die Topnaars, die Ureinwohner des Gebiets erhielten die Gelegenheit, dem Park seinem Namen zu geben. „Dorob" bedeutet „Wasser, das im Sand versinkt".

 

Fazinierende Ausblicke auf die im Swakop Revier gelegene Mondlandschaft boten sich gleich beim ersten Stopp, den "klingenden Steinen". Durch den besonders hohen Eisenanteil kann je nach Größe und Lage der Steine ein "kling, klang, klong" erzeugt werden - Wüstenmusik halt.

 

Tja, und da das Nambia-Forum auch in den entlegensten Ecken nicht weit ist... trafen wir an den "klingenden Steinen" Uli R. und seine Frau. Die Welt ist ein Dorf!

 

"klingende Steine", Mondlandschaft, Dorob NP
klingende Steine, Mondlandschaft, Dorob NB
bei den "klingenden Steinen", Mondlandschaft, Dorob NP
bei den "klingenden Steinen", Mondlandschaft, Dorob NP
bei den "klingenden Steinen", Mondlandschaft, Dorob NP
Tok-Tokkie, Nebeltrinker-Käfer (Onymacris unguicularis)
bei den "klingenden Steinen", Mondlandschaft, Dorob NP

Dieses eindrucksvolle Gebiet besteht im wesentlichen aus Graniten und Glimmerschiefern, in die sich der Swakop eingeschnitten hat. Durch den ständigen Wechsel von großer Hitze am Tag, starker Abkühlung in der Nacht sowie Durchfeuchtung der Gesteinsoberflächen mit salzhaltigem Nebel, löst sich der Granit relativ schnell in seine Mineralbestandteile auf, wodurch ein Gewirr von tief eingeschnittenen kleinen Tälern entsteht.

 

Wunderbare Kontraste ergeben sich durch dunkle Dolerit-Gänge in der Nähe des Welwitschia Drives. Dolerit ist ein schwarz-graues basaltähnliches Gestein magmatischen Ursprungs. Dolerit-Gänge können eine Länge bis zu einigen Kilometern erreichen, während die Breite nur zwischen einigen Zenitimetern bis Metern liegt. Da Dolerit im Vergleich zum Granit eine hohe Verwitterungsresistenz besitzt, sind viele Kuppen der Hügel in dieser Gegend mit markanten schwarzen Linien gezeichnet.

 

An einer Stelle zeigte uns Konny den "Engel". Dies sind zwei Dolerit-Gänge, die sich im rechten Winkel kreuzen. Eine sehr seltenes geologisches Ereignis.

"der Engel" - sich kreuzende Dolerit-Gänge
"der Engel" - sich kreuzende Dolerit-Gänge

Auch konnten wir endlich einmal live die Nara Melonen (Acanthosicyos horridus) bewundern. Sie gehören zur Familie der Kürbisgewächse. Die einheimischen Topnaar nennen sie auch !Nara, die Pflanze der stillenden Frauen, da sie die Milchbildung anregt.


Die Nara ist ein blattloser Strauch, der Wuchshöhen von 0,5 bis 1 m erreicht. Ihr wildes Gestrüpp aus Zweigen kann eine Fläche von bis 1500 m² bedecken und sie kann über 100 Jahre alt werden. Dieses Gestrüpp sammelt Sand und bildet damit hohe Dünen, wobei der größte Teil der Pflanze im Sand versteckt ist, wo ihre bis zu 30 cm dicken und bis zu 40 Meter langen Wurzeln zum Grundwasser vorstoßen. Sie ist mit paarigen, 2 bis 3 cm langen Dornen besetzt ist. Die Photosynthese findet in ihren Ästen, Blüten und Dornen statt.


Nara ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es gibt also männliche und weibliche Pflanzen. Die hellgelben oder grünlichen Blüten haben einen Durchmesser von etwa 3 cm und stehen einzeln. Die weiblichen Blüten sind an ihrem unterständigen Fruchtknoten unterhalb des Blütenbechers zu erkennen.
Er entwickelt zuerst grüne, später orange-gelbe, melonenförmige, dornenbewehrte Früchte. Die stark wasserhaltigen Früchte erreichen die Größe von Straußeneiern (Durchmesser von etwa 15 cm) bei einem Gewicht von etwa 1 kg, sie enthalten etwa 250 Samen. Die cremefarbenen Samen schmecken nussig und sind reich an Öl (etwa 55 %) und Proteinen (etwa 30 %).

 

Die Frucht wird von vielen Tieren der Namib verzehrt, darunter Giraffe, Gemsbock, Nashorn, Schakal, Hyäne und verschiedene Käfer. Hauptsächlich Elefanten und daneben Stachelschweine tragen zur Weiterverbreitung bei, denn sie scheiden einen Großteil der Samen unverdaut wieder aus. Kleinere Nagetiere mit einem hohen Energiebedarf wie die Zwergrennmaus vertilgen dagegen hauptsächlich die nahrhaften Samen und sind für die Pflanze unvorteilhaft (Quelle: Wikipedia.de).

Nara Melonen (Acanthosicyos horridu), Pflanze der stillen Frauen
Blüte der Nara Melonen (Acanthosicyos horridu)
Südwester-Edelweiß (Helichrysum roseo-niveum)
wer genau hinschaut, erkennt Rübezahl
Rübezahl, Mondlandschaft
eine perfekt getarnte Schrecke

Immer mal wieder konnten wir in Tälern das Swakop Revier sehen, dass sich aufgrund der diesjährigen Regenfällen wie ein grünes Band durch die Mondlandschaft schlängelt.

 

Zur Mittagspause erreichten wir die Goanikontes Oase am Swakop Revier. Völlig unerwartet in der sonst kargen Mondlandschaft liegt hier ein kleines, grünes Paradies. 

 

Diese neue Unterkunft liegt in malerischer Umgebung, eingerahmt zwischen den Bergen im wunderbar grünen Swakoprevier. Es gibt eine sehr schöne, schattige Campsite, Rundbungalows und A-Frame-Häuser. Das Haus Nr. 9 erinnert mit seinem integrierten Felsen an die Canon Lodge bzw. Eagles Nest.

Hier kann man die Seele baumeln lassen. Die Managerin Marianne serviert leckeren selbst gebackenen Kuchen, ein großer Naturpool lädt zum schwimmen ein (ab und zu muss man sich den Pool mit den Enten teilen).

Goanikontes Oase im Swakop-Revier
Goanikontes Oase
Goanikontes Oase
Goanikontes Oase
Goanikontes Oase
Goanikontes Oase
Goanikontes Oase
Goanikontes Oase
Goanikontes Oase

Nach Kaffee und Kuchen gings weiter Richtung Welwitschia Drive. Die endemischen und prähistorischen Pflanzen wollte ich dieses Mal unbedingt mit eigenen Augen sehen. Zunächst erblickten wir jedoch einige Springböcke links und rechts der D1991.

 

Und dann konnten wir auch schon die ersten Welwitschias in der trockenen Grassavanne sehen.

 

Der österreichische Arzt und Botaniker Friedrich Welwitsch entdeckte diese Pflanze im Jahre 1859 in der Nähe von Cabo Negro in Angola.

 

In Angola wird die Pflanze „N'Tumbo" genannt, was so viel wie „Stumpf" bedeutet. Die Nama nennen sie „ǃkharos" oder auch „khurub", die Damara „nyanka". Die Herero nennen sie „onyanga", was „Wüstenzwiebel" bedeutet. Das Mark wurde früher – roh oder in heißer Asche gebacken – gegessen. Auf Afrikaans heißt sie „tweeblaarkanniedood", was etwa "Zwei-Blatt-kann-nicht-sterben" bedeutet. 

 

Nach neueren Untersuchungen ist die Welwitschia mirabilis (Welwitschiaceae) nicht mehr die einzige Art dieser Pflanzengattung. Man unterscheidet heute die in Angola vorkommende Welwitschia mirabilis subsp. mirabilis und die in Namibia wachsende Welwitschia mirabilis subsp. namibiana Leuenberger.

 

Sie wächst endemisch nur in der Namib. Ihr südlichstes Verbreitungsgebiet ist das Kuiseb-Revier, das nördlichste das Nicolau-Rivier in Angola. Die meisten Pflanzen sind im Bereich des Khan und Swakop-Reviers zu sehen.  


Die Welwitschie kann über 1000 Jahre alt werden, bei günstigen Bedingungen sogar bis zu 2000 Jahre. Sie verfügt neben den zwei Keimblättern lediglich über ein Blattpaar (nur ca. 5% der Population besitzen zwei Blattpaare), die häufig im Laufe der Jahre von Wind und Wetter zerfranst werden. Die Welwitschie ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), d.h. es gibt weibliche und männliche Pflanzen.

 

Der verholzte Stamm wird oberirdisch meist rund 50 Zentimeter hoch (max. 1,50 Meter), kann einen Durchmesser von bis zu 1 Meter ereichen und weist Jahresringe auf.

Einzelne Exemplare der Pflanze besitzen einen Umfang von 8,7 Metern. 

Ihr Wurzelwerk breitet sich unterirdisch über einen Radius von 15 Metern aus. (Quelle: Wikipedia).  

Welwitschia mirabilis, Mondlandschaft
Welwitschia mirabilis, Mondlandschaft
Welwitschia mirabilis, Mondlandschaft
Welwitschia mirabilis, gut sichtbar der Stamm dieser männlichen Pflanze
zapfenförmige Blütenstände der männlichen Weltwitschia
Welwitschia Drive, Mondlandschaft

Direkt neben einer Welwitschia haben wir nachfolgendes blaues, kreideähnliches Mineral entdeckt. Eine Klopfprobe ergab einen Hohlraum direkt unter dem blauen Mineral. Habe anschließend Zuhause erst einmal eine Sammlung diverser Mineralienfachbücher angeschafft und bin damit auch nicht weiter gekommen. Gerd hat einen Geologen konsultiert, der meinte, dass es sich wohl um Markierungskreide der Minengesellschaften handeln könnte. Diese Erklärung scheint mir einschleuchtend, war das Zeugs doch unserer blauen Schulkreide sehr ähnlich. Also ist davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren wohl auch im Dorob NP gemint wird. Nationalpark und Welwitschias hin oder her! 

blaues Mineral neben einer Welwitschie
blaues Mineral neben einer Welwitschie
blaues Mineral neben einer Welwitschie

Der Versuch direkt bei der Goanikontes Oase das Swakop Revier zu befahren, schlug fehl. Promt hat sich eines unserer Fahrzeuge fest gefahren. Aber mit vereinten Kräften ging es kurze Zeit später zügig wieder raus aus dem Revier.


Swakop-Revier
im Swakop-Revier
im Swakop-Revier
im Swakop-Revier
im Swakop-Revier
im Swakop-Revier

Anschließend haben wir verschiedene View Points aufgesucht, die spektakuläre Aussichten auf die Mondlandschaft mit dem Rössing-Berg in Hintergrund und Richtung Süden in die weite Ebene der Geröllnamib boten.

 

Die Rössing-Mine ist ein Urantagebau in Namibia. Der in den Klanbergen unweit des Khan-Riviers liegende Tagebau ist mit über 9 % der Uran-Weltproduktion (2009) der größte Urantagebau der Welt. Der Khan Rivier verläuft durch das Tagebaugelände und führt sein Wasser unterirdisch nach Westen zum Atlantik.


Weitere Uranvorkommen in Namibia gibt es am Langen Heinrich, in Trekkopje, Aussinanis und Tubas. Das Uranvorkommen am Langen Heinrich wird seit 2007 in der Langer-Heinrich-Uran-Mine abgebaut. Zudem sind weitreichende Uranvorkommen – es wird von den weitaus größten der Erde gesprochen – um das Gebiet des heutigen Abbaus entdeckt worden.

Ursprünglich sollte die Ausbeutung der Lagerstätte nur 20 Jahre dauern, mit einem Ende des Abbaus ist aber erst in den nächsten Jahren zu rechnen. Seit 2008 wurden geologische Untersuchungen südlich der derzeitigen Rössing-Mine durchgeführt. Hierbei wurde die größte Uranlagerstätte der Erde, bekannt als „Rössing-Süd", entdeckt. Der Beginn des Abbaus ist für 2014 vorgesehen. Im Rahmen eines Erweiterungsprogrammes soll die Tagebaulebensdauer bis zum Jahre 2016 verlängert werden, dafür werden weitere 112 Millionen US-$ investiert. 150 weitere Arbeitsplätze sollen dadurch geschaffen werden (Quelle: Wikipedia).

 

Wir sind dann weiter westlich in das Revier eingefahren, dass sich wie ein grünes Band durch die Landschaft zieht. Auf einer der Farmen hier wird sogar grüner Spargel (Spargel vom Mond) angebaut.

 

Auf Höhe der D1901 haben wir das Revier dann wieder verlassen und sind an Gut Richthofen vorbei wieder Richtung Swakopmund aufgebrochen.

Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an Konny und Tina, die mit uns einen wunderbaren Tag verbracht haben!

 

Hier noch ein schöner Bericht über das Swakop Revier aus der Allgemeinen Zeitung Namibia vom 01.02.2012 von Konny von Schmettau. Und hier der 2.Teil des Berichtes über die Plotter vom Swakop-Revier.

Mondlandschaft, im Hintergrund der Rössing
Mondlandschaft, im Hintergrund der Rössing
das Panorama in südlicher Richtung
im Hintergrund der Rössing
im Swakop-Revier
im Swakop-Revier
im Swakop-Revier
im Swakop-Revier
im Swakop-Revier
im Swakop-Revier
im Swakop-Revier

Dieser schöne Tag wurde gekrönt mit einem wunderbaren Dinner im Hansa Hotel.

Swakopmund
Leuchtturm mit Staatshaus aus dem Jahre 1911, Swakopmund
im Hansa Hotel, Swakopmund
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© Marina Meger 2017