Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

Besuch von HOKISA im Township Masiphumelele

Am 21.11. hatten wir die Möglichkeit mit unserer Hospitationsgruppe das Kinderhaus HOKISA im Township Masiphumelele, südlich vom Tafelberg zu besuchen.

 

Kinder, die ihre Eltern durch HIV/Aids verloren haben wird dort ein Zuhause gegeben und Kinder, die mit HIV/Aids infiziert sind, können dort ein (fast) normales Leben führen.

 

2002 wurde das erste HOKISA Kinderhaus mit Unterstützung der Bewohner des Townships gebaut und eröffnet. Bischof Desmond Tutu weihte das Kinderhaus im Dezember 2002 ein. 

Es wurde mit der Medikamentierung begonnen, als die Regierung dies öffentlichen Einrichtungen noch untersagte. Alle behandelten Kinder überlebten.

 

2003 übernahm ein Arzt auf dem Gelände (einer ehemaligen Mülldeponie) von HOKISA seine Praxis und ist in Masiphumelele nun als einziger Hausarzt für über 30.000 Menschen zuständig.

 

2005 HOKISA wurde auf einem internationalen Ärztekongress als Modellprojekt für den Einsatz von aidshemmenden Medikamenten unter den Bedingungen einer Armensiedlung ausgezeichnet.

Im November 2005 weihte Erzbischof Desmond Tutu das zweite Haus, das Friedenshaus ein, das erstmals für MitarbeiterInnen des Projektes und von HIV/AIDS betroffene Jugendliche, die bisher in ungeeigneten Behausungen im Township leben mussten, eigene Wohnungen zur Verfügung stellt.

 

HOKISA hat dafür gesorgt, dass rund 20 Kinder und Jugendliche dauerhaft ein Zuhause gefunden haben und eine Schul- und Berufsausbildung erhalten.

 

HOKISA

Das sich unser Bus afrikanisch unpünktlich etwas verspätet hat, erreichten wir HOKISA erst gegen 10:30 Uhr. So konnte uns der deutsch-niederländische Autor und Pädagoge Dr. Lutz van Dijk nicht persönlich empfangen. Das übernahm dann die Mitbegründerin und Universitätsdozentin Karin Chubb. Es lief gerade eine Fachweiterbildung für das Personal von HOKISA und so drückten wir uns zwischenzeitlich die Nasen platt am Gartenzaun von HOKISA, denn im Kindergarten nebenan war gerade Pause und wir konnten einer Sonderaufführung in afrikanischen Traditionals folgen.

Masiphumelele
Masiphumelele
HOKISA
HOKISA
der Kindergarten neben HOKISA
der Kindergarten neben HOKISA
der Kindergarten neben HOKISA

Eine halbe Stunde später wurden wir herzlich von Dr. Lutz van Dijk begrüßt. Ein Todesfall im nähreren Umfeld von HOKISA erforderte seine Hilfe. Dr. Lutz van Dijk ist ein deutsch-niederlaendischer Schriftsteller, geboren 1955 in Berlin, zuerst Lehrer in Hamburg, spaeter Mitarbeiter des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam.


Seit 2001 lebt er als Ko-Direktor der Stiftung HOKISA, die sich fuer von AIDS betroffene Kinder einsetzt in Südafrika. Seine Buecher richten sich vor allem an Jugendliche und (junggebliebene) Erwachsene und erzaehlen von jungen Leuten, die anders sind als die Mehrheit (z.B. als Juden, als Homosexuelle, als HIV-Infizierte) und sich fuer ihre Rechte einsetzen – damals und heute,
hier und in anderen Laendern (Quelle:www.lutzvandijk.co.za).

 

Dr. van Dijk zeigte uns kurz die Räumlichkeiten des Kinderhauses bevor wir uns im Garten von HOKISA versammelten um gespannt weitere Informationen über dieses großartige Projekt zu erhalten.

Einweihung durch Bischof Desmond Tutu in 2002
Begrüßunf durch Dr. Lutz van Dijk
Dr. Lutz van Dijk, HOKISA
HOKISA
Themba: Verfilmung der Geschichte vom Aufstieg eines armen Jungen in die Nationalmannschaft Südafrikas
wir dürfen uns umschauen in HOKISA
HOKISA
im Garten von HOKISA - im Hintergrund die Arztpraxis
HOKISA
HOKISA
Thwali und Dr. Lutz van Dijk

Während wir gespannt den Ausführungen von Dr. van Dijk lauschten, kamen zwei Jungen zur Gartentüre herein. Offensichtlich war für die beiden Bewohner von HOKISA die Schule vorbei und sie kamen zum Mittagessen heim.

 

Dr. van Dijk stellte uns den einen jungen Mann als Mbu Maloni vor. Nachdem Mbus bester Freud Atie mit 15 Jahren bei einer Prügelei erstochen wird, hält Mbu die bewegende Trauerrede für seinen Freund. Er wird gebeten diese Trauerrede aufzuschreiben, aus der dann ein authenthischer Bericht über sein Leben geworden ist. Mbu lebte ist in extremer Armut ohne die Fürsorge und familäre Wärme einer Familie, umgeben von Alkohol und Gewalt in Südafrikas Townships. 

 

In HOKISA hat Mbu ein Zuhause gefunden, das erste richtige zuhause in 17 Jahren. Mbu ist heute 18 Jahre alt und besucht die elfte Klasse einer Oberschule im Township Masiphumelele bei Kapstadt und möchte sich seinen Traum von einem Journalmusstudium erfüllen. Mit den Erlösen aus seinem Buch "Niemand wird mich töten", möchte Mbu sein Studium finanzieren. 

so brachte der Weihnachtsmann für meine Nichten, Neffe und Jana Mbus Buch

Zum Abschluss unseres Besuches haben unsere Sach- und Geldspenden übergeben können und Thwali, der kleine Junge mit dem Feuerwehrhelm durfte entscheiden, wer die Fußballschuhe erhält.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei HOKISA und seinen Bewohnern, dass wir Euch besuchen konnten und wünschen, dass Ihr noch ganz viele Träume und Projekte verwirklichen könnt. Gemeinsam ist man stark!

Masiphumelele
Masiphumelele

Besuch des Townships Langa

Rund um Kapstadt leben über zwei Millionen Menschen in Elendsquartieren. Weit ab von den üblichen Besucherpfaden geben geführte Touren für Touristen Einblick in das Leben in den Townships. Und so ging es nachmittags unserem Guide Sim in sein Heimat-Township Langa. Langa bedeutet "Sonne". 

 

Im Vergleich zu den neueren Townships ist Langa flächenmäßig recht klein, womit schon erklärt ist, warum sich während der Apartheidszeit so viele Slums weiter außerhalb entwickelt haben.

 

Langa ist das älteste schwarze Township in Kapstadt, in dem rund 200.000 Menschen leben. Zwischen Sandpads und Bretterhütten kann man aber auch viele gemauerte Häuser mit Solarthermieversorgung sehen. Manche dieser neuen Unterkünfte stehen zur Vermietung, andere zum Kauf. Einige Schwarze wohnen in kleinen Steinhäusern mit Gärtchen, andere in den elenden Mehrbettzimmern der Arbeiter-Wohnblöcke und wieder andere am Rande vom Langa in selbst gebauten Slum-Behausungen, meist informal settlements (illegale Ansiedlungen), die direkt an die Autobahn Richtung Somerset West grenzen. Manchmal müssen sich hier bis zu drei Familien ein Zimmer teilen! Die Besserverdinenden parken ihr eigenes Auto im kleinen Vorgarten, während die Ärmsten nicht einmal über Toiletten und Stromversorgung verfügen.

 

Zunächst konnten wir das Visitors Center und Kulturzentrum Guga S´Thebe in Langa besichtigen, wo die Bewohner die Möglichkeit erhalten, durch den Verkauf von Kunstgewerbe ein Zubrot zu verdienen. Das Angebot dieser Einrichtung holt insbesondere Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsende und Alte, zumindest für einige Stunden von der Strasse. Hier werden Töpferkurse, Musikprojekte und kunsthandwerklicher Unterricht für die Bevölkerung angeboten.

Ein Teil unser Besuchergruppe wurde zu einem Trommelkurs eingeladen, mit dem Ergebnis, dass wir Europäer noch viel üben müssen!

 

Rund um dieses Center sind die Straßen ordentlich geteert, alle Häuser aus Stein und vielfach von Lehrern, Richtern und Ärzten bewohnt, die sich bewusst für Langa als Wohnsitz entschieden haben.

 

Sim zeigte uns seine ehemalige Schule, die einen recht gepflegten Eindruck machte.  

 

Guga S´Thebe Visitors Center, Langa
Guga S´Thebe Visitors Center, Langa
vor dem Guga S´Thebe Visitors Center, Langa

Die Häuser sind normalerweise klein und überfüllt und in den meisten Townships gibt es ganze Blöcke und Straßenzüge, in denen kriminelle Gangs alles fest in der Hand haben. Drogenhandel, Vergewaltigungen, Raub und Diebstahl sowie Morde sind hier leider an der Tagesordnung.

 

Die Autobahn A2 Richtung Somerset West wird wieder von einer nicht enden wollenden Barackenflucht gesäumt. Auf der anderen Seite entstehen im Rahmen von Hausprojekten der Regierung auch kleine, gemauerte Häuschen, die gemietet, gekauft oder aber auch besonders Bedürftigen kostenfrei überlassen werden. Einige die Häuser sind mit Solarthermieanlagen ausgestattet.

 

Ein Haus oder eine Blechhütte, gerade mal groß genug für 2 Personen, wird oft von 10 Personen aus dem weitläufigen Familienclan bewohnt. Nicht selten wird auf den wenigen Betten nach Zeitplan geschlafen. Die sanitären Einrichtungen reichen nur bedingt, können mittlerweile aber als verbessert angesehen werden, besonders wenn man sie mit denen gleicher Viertel in anderen Ländern vergleicht. Ausreichend sind sie aber nicht.

Und der Müll? Natürlich gibt es zentrale Müllplätze, aber wer bringt schon gerne seinen Müll 3 km weit weg und das noch ohne Fahrzeug? Die geregelte Müllabfuhr funktioniert nur bedingt, da keine Zahlungsmoral für so etwas existiert. Doch mag man das bei den niedrigen Löhnen – falls überhaupt ein Einkommen vorhanden ist – kritisieren. Mit dem Strom hat sich die Stadtverwaltung da aber etwas anderes ausgedacht: Strom wird nur mit einer vorbezahlten Chipkarte, die an dem hauseigenen Zähler eingesteckt wird, abgegeben. Oft fehlt es dann zum Monatsende an Licht (Quelle u.a. www.kapstadt.com).

Zwar haben die ersten freien Wahlen viele politische Freiheiten gebracht und Südafrika hat heute die beste Verfassung der Welt. Auf dem Papier haben alle Südafrikaner mehr Rechte als die Schweizer. Die Realität ist aber so dass viele Menschen mit einem Einkommen zwischen 100 Euro und 350 Euro pro Monat ihre Familie ernähren müssen, was in der Praxis heisst dass sie sich den Genuss der Freiheit nicht leisten können.

 

Während der Apartheid hat die Regierung die Infrastruktur für 10% der Bevölkerung gebaut, weil die weissen Machthaber an die Rassentrennung nach dem Vorbild der Nürnberger Rassengesetze geglaubt haben und damit das eigentlich reiche Land beinahe ruiniert haben. Die Probleme werden nicht so schnell ändern, es nützt nicht viel dass man sich als Südafrikaner im Spital gratis behandeln lassen darf wenn es zu wenig Ärzte, Krankenschwestern und Medikamente gibt. Es nützt ebenfalls wenig wenn man das Recht auf gute Schulbildung hat und es viel zu wenig gute Lehrer gibt. Heute gibt es auch ein Recht auf ein eigenes Haus, welches etwa 2000.- Euro kostet und leider nicht viel mehr Wert ist. Ohne Bildung und von Krankheiten geplagt haben viele Menschen kaum die Möglichkeit erfolgreich zu arbeiten, etwa 35% der Menschen im Township hat AIDS, und dies ist in Afrika noch immer ein Todesurteil (Quelle www.kapstadt.com).

 

In Südafrika kann man drei verschiedene Arten von traditionellen Heilern unterscheiden: Den Medizinmann (Herbalist), den Wahrsager (Abakhulu Gogo) und den Zauberheiler (Sangoma). 

 

Wir haben den Sangoma besucht. Die kleine, enge Blechhütte war mit allerlei Mystischem und Tierischen vollgestopft. Tiegelchen, Dosen und Gläser mit diversen Kräutern und Pflanzen stapelten sich in den Regalen.

 

Die Hauptkunden des Sangomas sind die Bewohner Langas mit ihren Problemen. Er hört ihnen geduldig zu und stellt Fragen, bis er sich sicher ist, wo die Ursache des Leides liegt um dann die richtige Medizin zubereiten zu können. Alle von ihm verordneten Medizinen stellt er selbst her, er zerstößt die getrockneten Ingredienzien wie Blüten, Rinden, Wurzeln oder bestimmte Tierknöchelchen in einem Mörser, mixt sie mit Wasser oder verschiedenen Ölen oder verabreicht sie als Pulver. Unterdessen hat man Zeit, sich im Inneren seines Ladens umzusehen. Von der Decke hängen an Schnüren Häute von Schlangen und anderen Tieren, Teile von Haifischflossen, Knochen, Wurzeln.... An der Wand fletscht das Skelett eines Pavians die Zähne.

 

Die traditionellen Heiler haben nicht nur im traditionellen Leben ihren festen Platz, auch in der modernen südafrikanischen Gesellschaft finden sie immer größere Anerkennung, immer häufiger kommt es zur Zusammenarbeit zwischen der modernen und der traditionellen Heilkunst (Quelle: www.kapstadt.com).

Wir haben uns sehr gefreut, hier auf gastfreundliche Afrikaner getroffen zu sein, die uns gerne in ihre Häuser eingeladen und uns viel über ihre Lebensumstände erzählt haben. Es war eine sehr bereichernde Erfahrung für uns, die wir nicht missen möchten und jedem Kapstadt-Touristen nur empfehlen können.

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© Marina Meger 2017