Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

28.06.2011 Kongola, Camp Kwando

Um sechs hat uns der Handywecker unsanft aus den Federn geworfen, da wir für 08:00 Uhr eine zweistündige Bootstour auf dem Kwando unternehmen möchten. Obwohl ab 06:00 Uhr warmes Wasser fürs Bad zur Verfügung stehen soll, ist es eiskalt! Jochen stürzt sich trotzdem todesmutig unter die Dusche. Ich verzichte dankend. Unter meinen sechs Schichten Klamotten für den heutigen Morgen, werden etwaige Körpergerüche vakuumverpackt und dringen sicher nicht nach außen.

Und die Aussicht auf eine heiße Dusche nach der Bootstour ist doch die perfekte Mettwurst vor der Nase. Pünktlich um 07:00 Uhr erschienen wir zum Frühstück. Hier konnten wir aus mehreren Menüs auswählen. Die 7. bzw. 8. Schicht Bekleidung (ein dickes Wollplaid aus Südafrika hatte ich noch als Reserve dabei) habe ich mir in der Lobby ausliefern lassen. Eine der dekorativen Sofadecken würde mich aus der Flussfahrt begleiten.

 

Die Flusslandschaft am frühen Morgen mit den grauen Nebelschwaden zauberte eine melancholische Stimmung.

 

Nelson, unserer Guide hievte noch eine große Kühl-(wofür?)box mit Getränken an Bord. Dabei wusste ich jetzt schon, dass die nicht geöffnet wird. Glühwein wäre angebrachter gewesen. Eindeutig haben die hier vergessen vom Sommer- auf das Winterprogramm umzustellen.

Morgenstimmung am Kwando River nach einer kalten Nacht
Morgenstimmung am Kwando River nach einer kalten Nacht
das Personal ist hier - wie immer - fröhlich drauf!
Nelson

Die Belgier standen am Ofen vor den River View Chalet und wärmten sich die Hände. Auf den Bäumen lag Rauhreif. Es muss also bitter kalt gewesen sein in der Nacht.

 

Die Tour führt zunächst bei langsamer Fahrt gemütlich die dicht mit Schilf und Papyrus bewachsenen Ufer des Kwando hinunter. Der Nebel waberte über dem speigelglatten Wasser, das hier sensationell klar ist. In den meisten Fällen konnte man bis auf den Grund schauen. Die Szenerie war wunderschön.

 

Außer einigen Hippos und Wasserböcken, diversen Vögelchen sahen wir jedoch keine Tiere. Aber diese Tour ohne jede weiteren Touris ließ uns die grandiose Natur und die Ruhe in vollen Zügen genießen.

 

Ein streitlustiges Hippo, wohl mit einem Jungen brach plötzlich aus dem Schilf. Es war auf Konfrontation gebürstet und verfolgte und mit wahnsinniger Geschwindigkeit. Man gut, dass wir einen Außenborder mit 60 PS hatten und nicht im Mokoro saßen. Das war der einzige Aufreger unserer Flusstour.

Kwando River am Morgen
Die Belgier in den River View Chalets müssen sich auch erst einmal aufwärmen!
Kwando River am Morgen
glasklares Wasser im Kwando
Hiipo im Kwando
Morgenstimmung am Kwando
Elypsenwasserböcke am Kwando
River View Chalets, Camp Kwando
Baumhaus Nr. 1 vom Kwando aus

Gegen 10:00 Uhr erreichten wir wieder das Camp Kwando und haben uns bei einem Smaltalk mit der vier Belgiern erst einmal aufgetaut. Schicht um Schicht habe ich mich dann im Viertelstundentakt entpellen können. Drei von den Belgiern sind zum ersten Mal in Afrika und möchten hier in Botswana ein Business im Tourismus aufmachen. In der Kalahari Anib Lodge hat ihnen ein Südafrikaner erzählt, dass das total easy wäre… Wir werden ausgefragt, wo und wie wir uns über unsere Reisen informieren und wie die Buchungslage in NAM ist. Na, dann träumt mal weiter! Habe Ihnen das Namibia Forum und einige private Kontakte empfohlen. So wie ich sie verstanden haben, haben sie als einzige Lektüre zu Namibia den Lonely Planet NAM/BOTs gelesen! Wie blauäugig kann man eigentlich sein?

der Hofhund vom Camp Kwando
Zwergbienenfresser, Camp Kwando
"Wassergemüse" im Kwando
Lotusblume, Kwando

Auf einen geführten Game Drive in den Mudumu Nationalpark werden wir verzichten und diesen Park statt dessen selbst erkunden. An der Rezeption des Camps erhalten wir eine detaillierte Karte und die Auskunft, dass das Permit an der Nakatwa Ranger Station, mitten im Park zu entrichten ist. Wir müssen also nicht noch einmal 25 km in die Gegenrichtung zur Susuwe Ranger Station bei Kongola.

 

An der Ranger Station haben wir zu zweit 90 N$ Gebühr bezahlt, eine weitere Karte vom Park erhalten und sind dann zunächst die Pad Richtung Nakatwa Island. Natürlich dauerte es mal wieder nicht lange und wir standen in einem tiefsandigen mitten in einer Elefantenherde fest. Hohe Bodenfreiheit ist hier ´neben 4x4 absolute Pflicht. Sogar mit dem Hilux sind wir einige Male aufgesetzt. Kudus und Impalas standen Spalier.  Anschließend haben wir noch das Maziba Waterhole angefahren, wo sich Zebras im besten Licht präsentierten. Links in den Büchen hatte sich eine Eligruppe mit Jungen häuslich eingerichtet. Für das Santika Wasserloch war es uns zu spät, da wir die Strecke nicht kannten und überall auch Buschfeuer loderten. Auf dem Rückweg konnten wir dann auch noch direkt auf der C49 unsere ersten Pferdeantilopen bewundern. Jetzt fehlen uns nur noch die Sitatungas.

 

Nun aber schnell zurück zum Camp, da Jochen großzügig unser Lunch abbestellt hat (ich habe irgendwie nicht mitbekommen, dass wir auf Diät sind) und ich nun einen Bärenhunger hatte. Vielleicht kann ich noch eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen erhaschen.

 

Dank „smoke on the water“ (die Buschfeuer kommen näher) konnten wir wieder einen traumhaft schönen Sonnenuntergang bewundern.

 

Zum Dinner gab es heute Hähnchenbrust und auch Gemüse war heute vorhanden.

Mudumu NP
Nakatwa Ranger Station, Mudumu NP
Nakatwa Ranger Station
Nakatwa Island, Mudumu NP
Maziba Waterhole, Mudumu NP
Maziba Waterhole, Mudumu NP
Roan Antilopen auf der C49
Kinder bei Lizauli an der C49
C49 bei Lizauli

Jochen:

Morgens um halb sieben, nach 10 Stunden Schlaf, wird erst einmal kalt geduscht. Macht auch Sinn, weil draußen ist es schweinekalt! Drinnen auch! Die Wände bestehen nämlich nur aus Zeltplane.

Nach dem Frühstück wollen wir zwei Stunden den Kwando runter fahren. Wir besteigen das Motoboot und los geht´s. Ist immer noch saukalt! Der Kwando ist wesentlich schmaler, als der Chobe und hat weite Schilf- und Papyrusfelder. Eine herrliche Umgebung. Ich genieße die wundervolle Aussicht und friere still vor mich hin. Das Wasser ist übrigens so klar, dass man ohne Probleme den Grund sehen kann, obwohl der Kwando an manchen Stellen bis zu 3 Meter tief ist.

 Wir sehen ein paar Hippos, Wasserböcke und Vögel. Plötzlich treffen wir hinter einer Flussbiegung auf ein Hippo mit Jungtier. Wir sind schon vorbei, als ich links von uns das Hippo wütend aus dem Reet stampfen sehe. Es stürzt sich in den Fluss und verfolgt uns gute 30 m weit. Da es untergetaucht ist, kann man nur an der Wasserverdrängung sehen, wie es hinter uns her ist. Unser Guide wendet in sicherer Entfernung das Boot und fährt mit halber Kraft zurück. In dem Moment, nun rechts von uns, nimmt das Hippo „Fahrt auf“ und unser Bootsführer gibt ebenfalls Vollgas. Wir brettern nur ca. 1 m am Hippo vorbei (wobei ich nur die Wasserbewegung sehen kann). Auf der restlichen Rückfahrt sehen wir nur noch ein Babykrokodil.

 

Nach unserer Rückkehr ins Camp setzen wir uns erst mal zu den Belgiern auf die Sonnenterrasse. Sieht so aus, als hätten sie wirklich Mitleid mit uns, da sie uns die Liegen zurechtrücken, damit wir uns in der direkten Sonne aufwärmen können. Langsam taue ich wieder auf und wir unterhalten uns angeregt. Irgendwann geht Marina in der Hoffnung auf warmes Wasser duschen. Einem der Belgier gehen die Zigaretten aus und ich verschenke eine von meinem schachteln – wie schon im Vorjahr in Nambia an einen Österreicher. Nicht nur, dass man sich in Afrika immer mehrmals begegnet, auch manche Situationen wiederholen sich.

 

Um 14:00 Uhr fahren wir in den Mudumu NP. Die Straße bis zum Park ist hervorragend und ich freue mich darüber. Wir kommen auch ohne Probleme zur Ranger Station. Hier bezahlen wir unser Permit und lassen uns den Weg zu den Wasserlöchern zeigen. Wir fahren los und alles ist gut bis wir Richtung Nakatwa Island kommen. Nachdem wir uns durch ein paar Eliherden manövriert haben wird der weg extrem tiefsandig. Die Fahrspur ist hier so tief, dass sogar der Hillux teilweise aufliegt. Mit normalem 4x4 ist hier nichts mehr zu machen. Ich quäle mich im ersten Gang (Lastgang) durch den Sand und es scheint nicht besser zu werden. Nach ca. 10-15 min. wird die Piste anständiger. Auf der Strecke bis zum Maziba Wasserloch muss ich noch zweimal den Low Range bemühen.

 

Am Wasserloch angekommen sehen wir einer Zebraherde zu, die Richtung Wasser marschiert. Als ein paar Elis auftauchen, brechen wir unsere Zelte ab und machen uns auf den Rückweg. Mir fehlt einfach die Lust mich wieder durch Elis hindurch zu quälen. Im Camp gibt es erst mal Kaffee und Kuchen.

 

Beim Abendessen kommen wir kurz mit zwei deutschen Ehepaaren ins Gespräch. Nach dem Dinner geht’s sofort ab ins Bett. Bin von 00:30 bis ca. 02:00 Uhr wach und höre dem Hippo zu, dass sich am gegenüberliegenden Ufer das Schilf schmecken lässt. Darüber schlafe ich dann wieder bis 05:30 Uhr ein.

Abendstimmung am Kwando
smoke on the water, Kwando River
Sonnenuntergang am Kwando
der fröhliche Koch vom Camp Kwando
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© Marina Meger 2017