Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

26.06.2011 Senyati Safari Camp, Leshoma Valley

Brrrrrr, bibber, bibber. Ist das heute Morgen kalt. Lt. Werner Thermometer sollen es -4° sein.  Lt. Louw +4°. Aber mit den ersten Sonnenstrahlen wird es rasch wärmer. Um 09:00 Uhr verabschieden wir die beiden Fomis Ute und Werner Richtung Ihaha. Vielleicht treffen wir uns ja noch einmal am Kwando River.

 

Da wir noch keine Lust zum Frühstücken haben, schwätzen wir mit Louw, dem Besitzer des Camps. Neben der Bar wird eine neue Rezeption mit einem weiteren Chalet errichtet. Die alte Rezeption soll umgebaut noch mindestens zwei weitere Schlafräume erhalten und neben unserem Nachbarchalet Nr. 1 sollen auch noch zwei weitere entstehen. Louw möchte insgesamt 26 Betten anbieten und 14 Campsites. Ein Restaurant ist nicht geplant, So werden hier in absehbarer Zeit auch keine Busgruppen einfallen.

 

Von sich aus schnitt Louw den Elefantenabgriff auf Olga an. Seine Sicht der Dinge war eine etwas andere als die im Forum geschilderte. Olga möchte dieses Jahr im Oktober auch wieder dem Senyati Safari Camp einen Besuch abstatten.

 

Jochen und ich beschließen einfach faul (!) zu sein, rücken unseren Tisch vor die Veranda in die Sonne, entpellen uns Schicht um Schicht und bringen die Tagebücher (ja, Jochen schreibt auch und viel) aufs Laufende. Eine wunderbare Ruhe umgibt uns hier am späten Vormittag. Da Jochen zwei Tage zuvor die quietschenden Türen des Geschirrschranks fachmännisch geölt hat, stören auch meine Frühstücksvorbereitungen nicht.

 

Nach dem Brunch gings ab Richtung Kasane. Wir möchten in der Chobe Safari Lodge noch spontan eine Sundownertour mit dem Boot buchen. Unser Tank muss auch wieder aufgefüllt werden. Und was soll ich sagen: Kein Diesel in Kazungula, kein Diesel in Kasane. Naja, kennen wir ja von Pandamatenga. Sonntags wird Diesel in Botswana rationiert und er scheint generell aus zu sein. Eine Woche vorher in Panda war´s das gleiche Spiel. Naja, dann tanken wir eben Morgen. Hörst sich ein bisschen an wie „Vom Winde verweht“, gell? Aber da folgte ja Jahre später auch ein zweiter Teil…

 

Leider kann man in der CSL für nachmittags kein kleines Boot mieten, sondern muss mit dem riesigen Touri-Kutter vorlieb nehmen. Tja, Lust hatten wir jetzt auch keine mehr es noch wo anders zu versuchen, also gehen wir das Wagnis ein. Dann sind wir wenigstens um eine Erfahrung reicher. 

 

Das ganze Boot war vollgestopft mit englischsprachigen Touristen, hauptsächlich Amerikanern. 490 P pP hat der Spaß gekostet. Das große Boot kommt nicht so nah an die Tiere ran, ist längst nicht so wendig. Am schlimmsten aber war die Geräuschkulisse auf dem Kahn. 

Jochen schreibt...
Barbereich, Senyati
Sundowner Boat Cruise
Weißstirnspint, Chobe River
Chobe Wetlands
Kudu, Chobe Boat Cruise
Kudu, Chobe Boat Cruise
Impalas, Chobe Boat Cruise
Graureiher, Chobe Boat Cruise
Chobe Boat Cruise
Chobe Boat Cruise
verletzter Eli, Chobe Boat Cruise
Chobe Boat Cruise
Chobe Boat Cruise
Chobe Boat Cruise
Chobe Boat Cruise

Waren wir froh, nach Sonnenuntergang das Boot verlassen zu können. Das Geld hätten wir uns echt sparen können nach unserer Erfahrung vom Vortag. Man soll halt aufhören, wenn es am schönsten ist. Und wer nicht hören kann, muss fühlen!

 

Welch Balsam für unsere Ohren: Zurück auf Senyati begrüßten uns die Elis mit lautem Trompeten, da sich wohl schon wieder die viele, verschiedenen Rüssel in der Frischwasserquelle verknotet haben. Klick, klick, klick. Jetzt reicht es aber wirklich mit Elefanten-Fotos!

 

Wir haben den Eindruck, auf Senyati an einem Tag mehr Elefanten gesehen zu haben, wie auch allen unseren Reisen zusammen!

 

Jochen wollte die Reste unseres Kühlschrankes in die Bratpfanne hauen. Leider produzierte der elektrische Herd immer wieder einen Kurzschluss, der die gesamte Stromversorgung des Chalets lahmlegte.

 

Wie heißt das englische Word für Herd/Ofen. Es fiel uns partout nicht ein. Also meldeten wir Louw mit einem verschämten Grinsen: „The Ofen has a shorty“! Gerne überließ er Jochen für die drei Wüstchen und die dicken Ofenkartoffeln die Küche hinter der Rezeption. Ich machte es mir derweil mit Decke und Schreibzeug auf der Veranda unseres Häuschens gemütlich um Reisebericht zu schreiben und Channel 2 Senyati Wildlife Bush TV zu schauen.

 

Gegen 20:00 Uhr, Jochen hatte sich mit Louw seit nunmehr 1,5 Stunden in der Küche vergraben – ich war mittlerweile zur Eismumie erstarrt – habe ich einen Inspektionsgang Richtung Rezeption unternommen. Und was soll ich Euch sagen: Party in Louws Küche mit Whisky am warmen Herd, drei jungen Mädels vom Ngepi Camp! Klar, dass man dann nicht mehr an frierende, hungernde in der Wildnis verlassene Ehefrauen denkt! Wenn ich koche, brauchen auch dicke Ofenkartoffeln keine 1,5 Std. und gar zu werden! Lagerfeuer gibt’s heute auch nicht. Unser Feuerholz habe ich dann auch großzügig an die frierenden Nachbarn aus Südafrika verschenkt. Man weiß ja nie, wozu es gut ist!

 

Nachdem wir endlich die dreimal durchgebratenen Würstchen und unsere Ofenkartoffeln vertilgt hatten, gings noch schnell unter Hyänengeheul an den Abwasch und dann rasch ins wärmende Bett. Das gemauerte Haus hält die Wärme des Tages recht gut im Haus. Erst gegen Morgen wird es dann etwas frisch. Trotzdem habe ich heute vorsorglich mal wieder die Norwegersocken und die Fleecejacke bemüht.

 

In der Nacht, so gegen 02:30 Uhr werde ich von lautem Hyänengeheul ganz in unserer Nähe geweckt. Schäle mich schweren Herzens aus dem Bett und schaue durch das große Terrassenfenster Richtung beleuchtetem Wasserloch. Immer wieder in regelmäßigen Abständen ertönt der Gesang. Plötzlich nähert sich etwas dem Wasserloch… Schnell Jochen aus dem Tiefschlaf gerissen… Doch falscher Alarm, das war nur ein durstiger Schakal. Das Jaulen ging aber weiter. Nachdem sich nach einer halben Stunden immer noch keine Hyäne gezeigt hat, bin ich wieder ins das warme Bett gekrabbelt.

Jochen:

Es heißt mal wieder Abschied nehmen. Ute und Werner ziehen weiter. Da wir nicht wissen, was wir machen wollen, schreibe ich endlich weiter reisetagebuch und bin jetzt (11:15 Uhr) wieder auf dem aktuellen Stand. Ich könnte eigentlich am Wasserloch sitzen bleiben, aber Marina möchte noch einmal in den Chobe NP. Wir brausen los Richtung Kasane und diskutieren, ob wir mit dem Auto oder mit dem Boot in den Park fahren. Marina ist für eine Flussfahrt, ich für Auto. Gebe aber gerne nach, da Autofahren im Tiefsand auch nicht gerade entspannend ist.

 

An der Chobe Safari Lodge angekommen, wird uns mitgeteilt, dass alle kleinen Boote dort nur vormittags gebucht werden können. Also buchen wir eine 3-Stunden-Touridampfer-Tour. Bis zur Abfahrt telefoniere ich mit der gesamten Familie. Neben uns Amerikaner mit entsprechendem Geräuschpegel. Wir gehen an Bord und erwischen zwei gute Plätze ganz vorne im Boot. Da aber unser „Kapitän“ nicht darüber informiert ist, dass alle Passagiere auf zwei Boote verteilt werden sollen, müssen alle wieder von Board und werden vom Lodgepersonal nochmals verteilt. Müßig zu erwähnen, dass diesmal alle guten Plätze unten im Boot besetzt waren. Also entscheiden wir uns für die dicke Styropor-Matratze auf dem Oberdeck. Hoffe spontan, dass der Kahn absäuft. Höre schon die Stimmen aus den anderen Booten, wenn die alle im Wasser landen und die Kroks kommen: „A kill, a kill“ and so on. Dann haben wir die besten Plätze auf unserer Matratze!

 

Auf dem Oberdeck haben wir wenigstens unsere Ruhe. Das Getöse unter uns nehmen wir nur gedämpft war. Nur, in den ersten 25 Minuten sind wir keine 100 m weiter weg von der Anlegestelle gekommen. Da wir hier auch noch keine Tiere sehen können, sind die Kinder, die ab und zu hochkommen, die einzige Abwechslung, die wir haben.

 

Als es endlich in den Park geht und das erste Wild-Life zu sehen ist erklimmen einige Amerikaner das Oberdeck. Das erste, was ich von ihm sehe, ist ein Objektiv – groß wie ein Kanonenrohr – mit einer im Vergleich mickerigen Kamera daran. Die zweite Kamera um seinen Hals ist eine Canon mit 300 mm Objektiv. Bewundere den Mann heimlich wegen seiner gut ausgebauten Halsmuskultur. Nachdem sich noch mehrere Männer auf dem Oberdeck eingefunden haben, ist wieder Austausch der „Lebensgeschichte“ dran. Der Ami stammt aus Kalifornien und ist schon drei Wochen unterwegs. Hat schon alles gesehen: Löwen, Hyänen, Leoparden, Elefanten und die komplette Antilopen-Garnitur, die natürlich immer im Magen der Raubtiere gelandet sind! Selbstverständlich alles vor der Kamera des Amis.

 

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich unweit von Bodenwerder lebe und ich immer der Meinung war, das „Aufschneiden“ eher unser Metier ist (wegen der Nähe zu Münchhausen). Glaube aber jetzt, dass „Münchhausiaden“ auch im Ruhrgebiet und in Kalifornien sehr populär sind.

 

Wobei – mit dem Objektiv kann er bestimmt bis Zimbabwe fotografieren.

 

Alles in allem war die Tour das Geld nicht wert und ich kann jedem nur raten morgens eine individuelle Boat Cruise mit dem kleinen Boot zu buchen. Auch wegen der Nähe zu den Tieren. Wir begeben uns auf den Rückweg nach senyati und entscheiden am nächsten Tag (Montag) zu tanken, da es in Kasane keinen Diesel gibt und es nun schon dunkel ist. Im Camp angekommen steht Essen vorbereiten auf dem Plan. Gerade als ich mit dem Braten und Köcheln anfangen will, spielt der kleine Herd nicht mehr mit. Immer wenn ich ihn einschalten will, fliegt die Sicherung raus.

Wir überlegen, wie wir das Louw auf Englisch erklären können und finden das „The ofen has a shorty“ am besten klingt.

 

Marina geht zu Louw und beschreibt die Situation. Louw bietet uns sofort an, unser Dinner in seiner Küche hinter der Rezeption zu brutzeln. Ich begebe mich mit Pfanne und Topf zur Küche. Dort leistet mir Louw Bernard Gesellschaft. Marina geht zum Lesen zurück auf die Veranda unseres Chalets.

 

Die Bratwurst ist schnell fertig und ich stelle sie warm. Da die großen Jumbo-Kartoffeln länger brauchen, lade ich Louw zu einem Whiskey ein. Wir kommen ins Gespräch und klönen einen Whiskey lang (ist ein großes Glas Whiskey!) und schauen ab und an nach den Kartoffeln. Top: immer noch nicht gar! Also wieder zurück zur Bar und wieder ein großes Glas Whiskey. Nach 1,5 Stunden können die Kartoffeln als Verzögerungsmoment nicht mehr herhalten und ich bin leicht angetrunken.

 

Mit dem gut gegarten Essen begebe ich mich zum Chalet und wir verputzen unser verspätetes Dinner. Danach schaue ich noch einmal kurz zur Bar. Um von hier oben die Elis zu beobachten… Nach 20 Min. werde ich müde und es geht ab ins Bett.

Chobe Boat Cruise
Chobe Boat Cruise
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© Marina Meger 2017