Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

19.06.2011 Touch of Afrika Safari Lodge, Pandamatenga

Marina:
Übrigens: Wir sind komplett temperaturlos unterwegs dieses Jahr, da unser Wagen über keine Temperaturanzeige verfügt und wir außer Fieberthermometer auch keine eigenes mitgenommen haben. Zumindest konnten wir hier oben in Panda bei offenem Fenster und ohne Vliesjacke über dem Pyjama schlafen. Ist doch auch mal etwas Positives.

 

Um 06.00 Uhr hat es uns heute Morgen aus dem Bett getrieben um zu schauen, was sich zu dieser frühen Stunde so am Wasserloch tummelt. Die Impalas haben uns während des Frühstücks begleitet und auch die wunderschönen Rappenantilopen sind zum Morgenapell angetreten.

Sonnenaufgang, Touch of Africa
Rappenantilopen am Wasserloch

Anschließend sind wir mit Gary zu einem Bush Walk Richtung Hunters Road (ca. 2 – 3 km) aufgebrochen. Die Gegend der Lodge ist sehr gut einsehbar und nicht so verbuscht wie Elephant Sands, so dass man auch in der Entfernung Tiere sichten kann. So begleiteten uns die Herden der Rappenantilopen und Impalas. Auf dem Rückweg gesellten sich noch die Giraffen hinzu.

Bush Walk, Touch of Africa
Bush Walk, Touch of Africa
Bush Walk, Touch of Africa
Bush Walk, Touch of Africa

Gegen 11:00 Uhr sind wir diesen Weg dann noch einmal mit eigenem Pkw weiter auf der Hunters Road Richtung Norden gefahren. Direkt auf der HR sahen wir leider keine Tiere, so dass wir beschlossen, den nächsten Weg nach ca. 16 km, den das Nüvi angab wieder nach links Richtung A33 abzubiegen. Gesagt getan! Die Hunters Road war in diesem Bereich gut ohne 4x4 zu befahren, allerdings ist hohe Bodenfreiheit angeraten.

Hunters Road nördl. Pandamatenga
Hunters Road nördl. Pandamatenga

Hier im Kazuma Forest gab es noch einige große gut gefüllte Wasserlöcher, an denen sich Warzenscheine tummelten und schwups, mitten im Mopanewald waren wir dann plötzlich mal wieder von Elefanten umzingelt. Rückwärts fahren ging nicht, wegen der tiefen Fahrspur und dem kurvigen, uneinsichtigen Gelände. Also erst einmal abwarten und dann aufs Gas und durch. Puh! Alles ging gut. Der Adrenalinspiegel war wieder auf afrikanischem Niveau.

 

Wir haben ja einen Heidenrespekt vor diesen großen Gesellen. Vor allem, da es sich dabei um Elis aus Zimbabwe handeln kann, die dort gerne mal gewildert werden und deshalb recht aggressiv sein können. Aber wir mogelten uns im sandigen und hochgrasigen Gelände erfolgreich an den Elis vorbei...
Ähm, nach Fotografieren war mir an dieser Stelle gerade nicht. Deshalb gibt´s keine Eli-Fotos!

Kazuma Forest
Kazuma Forest
Kazuma Forest

Plötzlich strich ein äußerst unangenehmer Geruch durchs Auto. Identifizieren konnten wir ihn zunächst nicht. Einige Meter weiter sahen wir dann einen verwesenden Elefantenkadaver direkt neben dem Auto liegen. Die Stoßzähne waren schon entfernt. Das stinkt meilenweit gegen den Wind, bäh!!!  Nicht mal die Geier waren noch in der Nähe. Kurz darauf kreuzte noch eine Herde Giraffen unseren Weg und von rechts nach links hechteten einige Zebras hinterher. Fazit: Die Tiere halten sich häufig dicht neben der A33 in dem schmalen Streifen zwischen Hunter Road und Teerstraße auf.

Elefanten-Kadaver, das Geruchs-Internet habe ich vorsichtshalber abgestellt!

Da der Tag noch jung war, haben wir unser Auto kurzentschlossen Richtung Kasane dirigiert. Kaum 15 Minuten gefahren, kam uns Franz entgegen, der an diesem Sonntagmorgen (der übrigens Vatertag im südlichen Afrika ist) mit Freunden in Kasane golfen war.

 

Es ist schon fantastisch, wie sich auf dem kurzen Stück Richtung Kasane die Vegetation dauernd ändert.

 

Kurz vor Kazungula wurden wir vom Botswana Road Block aufgehalten. Unglaublich wie unbekümmert die Elefantenkühe mit ihren jungen Kälbern hier die Straße kreuzen bzw. auch in aller Seelenruhe auf dem seitlichen Grünstreifen neben der A33 grasten.

Botswana Road Block vor Kazungula auf der A33
Botswana Road Block vor Kazungula auf der A33

In der Chobe Safari Lodge haben wir entspannt ohne Zeitdruck die Aktivitäten für unseren Chobeaufenthalt ausloten können, hatten ein schönes Lunch am River, haben an der Tankstelle den Diesel aufgefüllt und den Wagen gründlich durchgecheckt. Sollte man hier wirklich bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Anspruch nehmen, wie es sich in der Folge noch zeigen sollte. Für den Stromgenerator der Touch of Africa Lodge haben wir noch den Reservekanister aufgefüllt, da in Panda auch an der Genossenschaftstanke kein Diesel zu bekommen war (ist unser uneigennütziges Vatertagsgeschenk an Franz).

 

Die schönsten Fotos machte ich heute von den Touristenbooten mit den dicken Teleobjektiven vor der CSL gemacht... Ach ja, und die Hornraben an der A33 waren auch wunderschön anzuschauen.

Chobe River, Kasane
Chobe Safari Lodge, Reisetagebuchschreiben
Chobe Safari Lodge
Chobe Safari Lodge
Wauw, gaaaanz viele Photo Professionals!
...und noch mehr...
Jochen fotografiert lieber solche Motive!
Chobe Safari Lodge. Kasane
Chobe Safari Lodge. Kasane
Hornrabe an der A33

Auf dem Rückweg: Ca. 20 km vor Pandamatenga ist ein Truck ebenfalls mangels Diesel liegen geblieben. Den Fahrer haben wir mitsamt Reservekanister eingeladen und nach Panda transportiert. Dort sollte durch einen Kollegen per LKW Dieselnachschub geliefert werden.

 

Nach einem wunderbaren Dinner haben wir an der Bar wieder spannende Gespräche geführt. Gary schaute sich im TV eine Doku über Anakondas, als Jochen plötzlich ein lautes Geräusch hörte und meinte, dass es sich um einen Löwen handeln könnte. Alles lachte. Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens! Das TV wurde leiser gedreht und tatsächlich, ca. 10 Min. später konnte man das Brüllen des Löwen laut und deutlich aus Richtung des Wasserlochs hören, Abenteuer, Abenteuer! Franz meinte, dass es sich um ein etwas 4 jähriges Männchen handeln müsste. Mandy, kam aufgeregt schnell laufend vom Wohnhaus rüber gelaufen, um Bescheid zu geben, dass ein Löwe auf dem Gelände war. Franz warnte sie noch nicht zu rennen, sondern ruhig und langsam wieder zum Wohnhaus zurück zu gehen. So ca. alle 12 bis 15 Minuten wiederholte sich das Brüllen aus ca. 100 bis 150 Meter Entfernung. Vorsichtshalber hat Franz sein Gewehr zurecht gelegt, denn wir mussten ja auch noch alle im Dunkeln sicher unsere Betten erreichen.

Giraffenbesuch war am Abend auch noch da
Löwe am Wasserloch, Touch of Africa
Löwe am Wasserloch, Touch of Africa

Am beleuchteten Wasserloch konnten wir den Löwen mit den Ferngläsern nicht ausmachen. Er muss hinter dem Damm gelegen haben.

Die ganze Nacht über haben wir den Löwen dann immer mal wieder gehört. Eine wunderbare Nacht! So richtiges Afrikafeeling! Laut Franz haben irgendwann auch die Hyänen in die Choreographie mit eingegriffen, aber da haben Jochen und ich schon tief und fest sicher im Chalet geschlummert.

 

Jochen:
Wache mal wieder um 5:30 Uhr auf und gehe duschen. Herrlich warmes Wasser – dusche gleich mal etwas länger. Die anderen Gäste reisen schon früh ab, haben wahrscheinlich auch alle länger geduscht, denn als Marina duschen will, ist das warme Wasser verbraucht. Wie war das noch, wer zu spät kommt den...

Nach Marinas Katzenwäsche und Frühstück machen wir einen Bush Walk mit Gerry, dem Manager von Franz.


Gerry kommt mit kurzer Trainingshose, T-Shirt und Turnschuhen an und erklärt uns, dass es zwar unwahrscheinlich ist, dass wir auf Raubtiere treffen, aber wenn es doch passiert sollen wir uns ruhig verhalten. Ich glaub's nicht. Der Mann sieht aus als wolle er zu einem Turnfest gehen und nicht in den Busch. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, dass Gerry 18 Jahre als Ranger im Krüger gearbeitet hat, hätte ich mich sicherer gefühlt.


Nachdem wir schon morgens am Wasserloch Rappenantilopen gesehen haben, treffen wir jetzt auf eine ganze Herde von ca. 30 Tieren, angeführt von einem wunderschönen Männchen mit mehr als ein Meter langen Hörnern. Sehen noch Giraffen und Impalas und Gary zeigt uns noch verschiedene Heilpflanzen.


Als wir wieder am Camp sind, entscheiden wir uns die „Old Hunters Road" nach Norden zu fahren. Das ist die „Straße", auf der früher das Elfenbein aus der Umgebung nach SA zum Verschiffen gebracht wurde. Nach zwei Kilometern Farmpad und 16 km Hunters Road biegen wir links ab, um durch das „Kazuma Forest Reserve" zur Teerstraße zu gelangen. Wir kommen an mehreren Wasserlöchern vorbei und außer einem Warzenschwein ist kein einziges Tier zu sehen. In dem Moment, in dem Marina mir mitteilt, dass es in diesem Teil Botswanas wahrscheinlich gar keine Tiere gibt, fahren wir um eine Kurve direkt auf eine Elefantenherde zu. Ich bleibe stehen und überlege laut, was wir machen sollen. Zurückfahren geht nicht. Wir würden in dem tiefen Sand und den Kurven nicht schnell genug wegkommen und Wenden ist absolut nicht möglich. Ich erkläre Marina, dass es das Beste wäre, mit Vollgas durch die Herde zu fahren und traue meinen Ohren nicht, als mein mir angetrautes Eheweib ganz cool zu mir sagt: "Mach aber den Allrad rein, damit wir nicht mittendrin steckenbleiben!" Der Adrenalinpegel steigt. War vorhin noch ein bisschen Müde - jetzt aber hellwach!

Wir brettern durch die Herde und ich sehe, die Eli´s sind von meinem „Überraschungsangriff" so geschockt, dass sie nach beiden Seiten fliehen. Geschafft! Fahre jetzt extrem langsam, um das Adrenalin abzubauen. Nach ca. 300 Metern steigt mir ein beißender Geruch in die Nase. Ich halte an und wir sehen in einiger Entfernung einen Elefantenkadaver im Busch. Marina macht das Fenster auf, um ein Foto zu machen. Aber der Wind steht ungünstig und wir kriegen die volle Ladung ab. Habe noch nie etwas Schlimmeres gerochen. Wir fahren schnell weiter und kommen auf die Teerstraße nach Kazungula / Kasane, wo wir in der Chobe Safari Lodge einen kleinen Imbiss zu uns nehmen.


Da wir hier wieder mal Handyempfang haben, setze ich kurz ein Lebenszeichen an unseren Sohn ab. Auf der Rückfahrt tanken wir und nehmen noch 20 ltr. Diesel für Franzens Generator mit, da er am Vortag keinen Diesel in Panda bekommen hat.

Auf der Strecke werden wir noch von drei Brummifahrern angehalten, denen auch der Diesel ausgegangen ist. Wir nehmen einen der Fahrer samt Kanister mit nach Panda. Kann meinen Diesel nicht abgeben, da der schon Franz versprochen ist.

An der Lodge hatten wir zum Abendessen Rumpsteak und als Nachtisch ein paar Klip-Drift. Anmerkung Marina: Ich hatte keinen Klip-Drift-Nachtisch!

Gary sitzt im Sofa und schaut fern.

 

Als gerade im TV ein Mensch von einer überdimensionierten Anakonda verspeist wird (von wegen Doku), höre ich ein Brüllen aus Richtung Wasserloch. Da die Geräuschkulisse sehr laut ist, bitte ich Franz den Fernseher leiser zu stellen. Nachdem wir nun nichts mehr hören und mich schon alle komisch angucken, gebe ich Gary die Fernbedienung zurück. In diesem Moment ist laut und deutlich das Brüllen eines Löwen zu hören. Sofort sind alle hellwach. Franz erklärt, dass der Löwe direkt beim Wasserloch sein muss. Keine 100 m von uns entfernt.

Franz stellt den Generator ab und holt sein Gewehr. Vom Löwen ist nichts zu sehen. Er meldet sich in regelmäßigen Abständen so alle 15 Min. Dieses Mal werden wir mit Flinte ins Bett gebracht. Ich kann noch bis 4:00 Uhr morgens den Löwen hören.

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© Marina Meger 2017