Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

17.06.2011 Elephant Sands, Nata

Marina:
Bibber, bibber war das kalt in der Hütte. Gegen 07:00 Uhr wollten wir die Dusche testen. Warmes Wasser definiere ich anders, aber wir hatten den Hallo-Wach-Effekt. Bekommt man ja auch nicht immer umsonst dazu! In Ermangelung von Zahnputzbechern habe ich dann mit klammen Finger die noch volle 5 Liter-Galone an den Hals gehievt, natürlich dabei die Hälfte der kalten Plörre auf meinen Alabasterkörper verschüttet. Wieder nass (Verdunstungskälte)!

 

Zum Frühstück kamen wir in Kontakt mit besagter Busgruppe. Ein reges Fachsimpeln war im Gange. Natürlich hatte jeder Touri letzte Nacht einen Elefanten vor dem Bett stehen. Und es war schon erstaunlich, wie groß die gewesen sein müssen.

 

Kaum waren die Büsler gegen 09:15 Uhr verschwunden, besuchte uns der erste Elefant bei Helligkeit im Camp. Die stehen wirklich nicht auf kreischende Bus-Hyänen!

Frühstück, Elephant Sands
Rotschulterglanzstar, Elephant Sands
der erste Eli am Wasserloch
Gelbschnabeltoko, Elephant Sands
Elfenastrilde und Blauastrilde, Elephant Sands
Meerkatze, Elephant Sands
Skink, Elephant Sands
Bar, Elephant Sands

Jochen und ich vereinbarten heute die Ruhe im Camp direkt am Wasserloch zu genießen und erst am Nachmittag einen Game Drive zu unternehmen.
In der Lodge trafen wir dann auf Jim, einen über 70. jährigen Briten, der seit vielen Jahren westlich vom Krüger NP in Südafrika lebt. Er ist mal wieder allein – ohne seine Frau – auf einer neun-wöchigen Rundreise in seinem Landcruiser mit Dachzelt unterwegs. Bis zum geplanten Game Drive hatten wir einen vergnüglichen Tag und konnten viele Geschichten austauschen. Tja, und dann stand der Game Drive bevor. Mittlerweile ist wieder ein Bus mit Campern eingefallen. Junge Leute aus den USA, Canada, u.a. ein deutschsprachiger Volunteer von Harnas...

 

Das Unheil nahm seinen Lauf! Ein Gegacker und Getratsche auf dem Safariwagen. Die gesamte Ausbeute an Tiersichtung war ein Elefant! Dafür wissen wir jetzt aber alles über ein stylisches Café in der 5th. Avenue in New York und wie toll und menschenfreundlich Harnas ist. Man darf stolz darauf sein, für Harnas seine Schulausbildung in Deutschland abzubrechen. Grrrrrrr....

 

Um das Unglück zu komplettieren stand bei unserer Rückkehr ein weiter Touri-Großbus vor der Lodge. Jetzt wird´s eng!

Jim
Game Drive, Elephant Sands
Game Drive, Elephant Sands

Das Abendessen war m.E. eine Katastrophe: Schweinerippen im Potjie (ohne Fleisch dran, nur Knochen in Tomatensauce – Jochen liebt Rippchen eigentlich über alles!), alternative Eiweißkost waren die gruselig schmeckenden Burenwürstchen mit Schaffleischanteil, der meine Geschmacksnerven kollabieren lässt. Salat und Pap waren o.k.

 

Für Morgen haben wir einen Bush Walk gebucht. Nehmen uns aber fest vor, diesen kurzfristig abzusagen, wenn wir nicht allein mit dem Guide unterwegs sein können.

Abends am Wasserloch dann wieder das volle Programm – halt so wie auf unserem Zeltfest in Ottenstein gegen 23:00 Uhr. Natürlich ließ sich kein Tier blicken. Also sind wir wieder gegen 21:00 Uhr Richtung Bett marschiert, nach dem diese von den Kötteln gesäubert waren und ich sicher unter dem Moskitonetz lag, entglitt ich schnell in das Reich der Träume. Und was für Träume: Elefanten, die das Camp auseinander nehmen und die Bus-Hyänen in alle Winde zerstreuen!

Elephant Sands

Jochen:
Ich war noch nicht richtig im Maincamp angekommen, als von allen Seiten über den nächtlichen Eli-Besuch berichtet wurde. Obwohl das Camp relativ weiträumig ist, haben alle die Eli's gesehen. Kleine Eli's, große Eli's, mittlere Eli's und den Größenangaben zur Folge wahrscheinlich das eine oder andere Mammut. Die müssen im Zickzack durch´s Camp gelaufen sein und bei meinem Duisburg-Australier haben sie dann, (sein Bericht lies darauf schließen) direkt vorm Chalet ein kleines Tänzchen aufgeführt.


Nach einem guten und geräuschvollen Frühstück macht sich die Reisgruppe vom Acker und es kehrt Ruhe ein, was auch die Tierwelt merkt.

Keine zehn Minuten später kommt ein Eli ans Wasserloch. Bleibt aber nicht lange, da die nächste Reisegruppe lautstark einfällt.


Wir haben uns dann in die noch ruhige Bar verzogen, in der wir Jim kennen lernen, der sich gerade darüber beschwert, dass ihm die neue Reisegruppe auf dem Zeltplatz zu nah auf die Pelle rückt.

Jim ist zwischen 65 und 70 Jahre alt und ein echt britisches Original. Er reist, nachdem seine Frau wegen Krankheit der Tochter abbrechen musste, ganz allein mit seinem Landcruiser mit Dachzelt für neun Wochen durch Boswana. Wir haben einen schönen Nachmittag und merken fast gar nicht, das noch weitere Busgruppen ankommen. Um 17:00 Uhr haben wir einen Game-Drive gebucht.


Als wir zum Jeep kommen, sitzt dort schon ein Teil der Bustruppe drin. Wir steigen zu und der „Drive" beginnt. Oder – das Unheil nimmt seinen Lauf. Kurz hinterm Maincamp begegnet uns ein Eli-Bulle, der aber ganz ruhig ist. Im Gegensatz zu unserer Bustruppe, die sich pausenlos ihre Lebensgeschichten erzählt und andere Faxen macht. Zumindest das Gelächter (überwiegend Mädchen) erinnert ein bisschen an Hyänen.

Wünsche mir ein Trupp menschenfressender Löwen herbei und überlege, ob ich nicht einfach anfangen soll zu singen. Tiere lassen sich bei dem Radau soundso nicht sehen. Wieder zurück machen wir uns frisch und gehen zum Maincamp.


Hatte mir eigentlich vorgenommen, den Abend am Wasserloch zu verbringen. Aber am Wasserloch ist gerade Party angesagt. Sieht ein bisschen aus wie in einer Disco auf Ibiza mit exakt dem gleichen Geräuschpegel. Ich weiß nun, mit Tierbeobachten wird´s wieder nichts.


Wir verziehen uns wieder in die Bar, wo kurz nach uns Jim erscheint. Da für Jim nicht gedeckt wurde, entschließen wir uns einen Tisch draußen decken zu lassen und unser Dinner zusammen einzunehmen. So ist es trotzdem (auch beim Essen Geräuschpegel der „Bus-Hyänen wie ein startender Jet) noch ein lustiger und interessanter Abend geworden. Am meisten gefällt mir an Jim seine ruhige Art, sein britischer Humor und seine guten Manieren. Er verkörpert so ziemlich alles, was ich mir immer unter einem britischen Gentleman vorgestellt habe. Ich habe mich wirklich gefreut Jims Bekanntschaft gemacht zu haben und wir verabreden, uns am nächsten Tag auf jeden Fall voneinander zu verabschieden.

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© Marina Meger 2017