Butterblume in Afrika
Butterblume in Afrika

16.06.2011 Motopi – Nata Bird Sanctuary, Elephant Sands, ca. 302 km, 2 Nächte

Marina:
Während wir auf das Frühstück warteten, besuchte das große Leopardenmännchen das Wasserloch erneut. Er wollte sich wohl gebührend von uns verabschieden. Auch die Wildhunde wollten da nicht zurückstehen und kamen noch einmal an das Wasserloch. Ich stieß einen zufriedenen Seufzer aus.

Wildhunde, leider unscharf!

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns schließlich von der Dombo Combo, nicht ohne einige Erinnerungsfotos des Teams gemacht zu haben. Wir kommen wieder!!!

Da ja bekanntlich auch Botswana ein Dorf ist, waren wir gar nicht so sehr verwundert auf der A3 in Höhe Phuduhudu Gate schon von weitem den roten Land Cruiser von Annette und Anton zu sehen. Kurz Lichthupe, großes Hallo und ein kleines Schwätzchen gehalten. Dann gings weiter für uns auf der A3, die in ausgezeichnetem Zustand ist.

Annette und Anton auf der A3

In Gweta wurde der Durst unseres Toyotas gestillt. Mir gefiel das Werbebanner der botswanischen Post sehr gut: „When was the last time you wrote a love letter?" Ja, das muss ich unbedingt auch mal wieder tun! Ich beschließe, dass unserer Reisebericht der love letter an Botswana werden wird.

Postauto bei Gweta, mein Loveletter an Botswana ist sehr laaaang!

Nata erreichten wir so gegen 13:00 Uhr. Also entschieden wir uns noch kurzfristig für einen Besuch des Nata Bird Sanctuary, ca 20 km südlich von Nata in der Sowa Pan gelegen. Die Sowa Pan ist die zweitgrößte Salzpfanne der Makgadikgadi Pans. Nördlich der Sowa Pan mündet der Nata River in diese Pfanne, in der Soda-Asche industriell abgebaut wird. In der Regenzeit brüten hier viele verschiedene Vögel. Flamingos, Pelikane, verschiedene Reiherarten und auch Fischadler sind regelmäßige Besucher, solange der See noch nicht ausgetrocknet ist.

 

Wir beschlossen zunächst den Track Richtung Pelican Point und Nata River Mouth zu folgen, den unser Nüvi empfahl. Die Pad war nicht ganz einfach zu fahren (für 4x4 Anfänger). Wir mussten öfter von der eigentlichen Spur abweichen, da es bedingt durch die Regenzeit sehr tiefe Spurrillen gab. Je näher wir dem Nata River Mouth kamen, umso matschiger wurde der Untergrund. Am Nata River, der übrigens immer noch ausreichend Wasser führt, gelangen uns einige sehr schöne Aufnahmen von Fischadlern. Im See selbst steht noch reichlich Wasser. Hier sind die Spuren noch schlammiger und auch auf oberflächlich trockenem Grund sinkt der Wagen schnell ein. Die Reifenspuren, von Besuchern, die vor uns hier waren sprechen Bände. Jochen parkt den Wagen in ausreichender Entfernung vom See und ich stapfe zu Fuß Richtung Wasserkante um ein paar Bilder von den Vögelchen einzufangen. Leider drohe auch ich zu versinken und die wirklich interessanten Federviecher sind genau auf der anderen Seite des Nata River. So wirklich viele Flamingos, Marabus und Pelikane sind wohl nicht mehr hier...

Nata River Mouth
sub.-ad. Schreiseeadler/ African Fish-Eagle (Haliaeetus vocifer), Nata River Mouth
sub.-ad. Schreiseeadler/ African Fish-Eagle (Haliaeetus vocifer), Nata River Mouth

Von wirtschaftlicher Bedeutung sind Botswana Ash (Botash), die in der Mitte der Sowa-Pfanne Natriumcarbonat und Salz abbaut und die größten Diamantminen der Welt bei Orapa. Südlich der Ntwetwe-Salzpfanne gelegen, verbrauchen sie einen großen Teil des vom Boteti River aus dem Okavango-Delta hierher geleiteten Wassers und stellen dadurch ein Problem für das natürliche Gleichgewicht und den Wasserhaushalt der Region dar. Daneben spielt der Tourismus für die gesamte Zentral-Kalahari eine herausragende Rolle. (Quelle: wikipedia.de).

Nata River Mouth
Flamingo, Nata River Mouth
Pelican Point, Nata River Mouth

Also beschlossen wir noch zum Beobachtungsturm zu fahren, der gut mit 2x4 zu erreichen ist. Auch hier vogelmäßige Fehlanzeige. Die sind wohl gerade auf Urlaub in Walvis Bay oder am Lake Nakuru/Kenia. Außer ein paar Straußen, einer Herde Springböcke liefen uns Kühe über den Rückweg.

Übrigens, wir waren zu dieser Uhrzeit die einzigen Besucher im Sanctuary und hatten den Park ganz für uns allein!

am Beobachtungsturm des Nata Bird Sanctuary
am Beobachtungsturm des Nata Bird Sanctuary

Zurück in Nata und wieder mit Handyempfang habe ich kurz in Elephants Sands angeklingelt, um die Uhrzeit unserer Ankunft bekannt zu geben (kenne ich ja so aus Namibia...)! Am Telefon entgegnete der Manager Jaco, dass man uns bereits gestern erwartet hat und nun alles fully booked wäre. Mir entglitten die gebräunten Gesichtszüge. Ich habe dem Manager schließlich Buchungs-Nr. und den Namen unserer Sachbearbeiterin bei Safari Destinations gegeben. Er wollte das klären und uns dann sofort zurück rufen. Dies bedeutete für uns einen unfreiwilligen Stopp in Nata, da kurz hinter Nata natürlich mal wieder nicht mit einem funktionierenden Handy-Netz zu rechnen ist. Jochen fand´s nicht so schlimm. Sein Plan B lautete: Zurück zur Dombo Farm. Ich weigerte mich aber, den ganzen Weg retour zu fahren (schaue niemals zurück)! Mein Plan C: Weiter Richtung Pandamatenga zur Touch of Africa Safari Lodge. Und so saßen wir wartend im Auto, der Adrenalinspiegel am Anschlag, Plan D, E und F inszeniert. Als nach 30 Minuten immer noch kein Rückruf erfolgt ist, habe ich mich selbst mit Safari Destinations in Maun in Verbindung gesetzt. Die Mitarbeiterin beruhigte mich, teilte mir mit, dass alles ordnungsgemäß gebucht und von Elephant Sands (ES) rückbestätigt wurde, man aber bei ES einen Fehler gemacht habe, der korrigiert wird. Natürlich könnten wir dort unser Lager für zwei Nächte aufschlagen. Na Gott sei Dank! Daraufhin habe ich dann noch einmal bei ES durchgeklingelt: Ja, wir können kommen. So sind wir dann Richtung Norden auf die A33 aufgebrochen. Ca. 12 km vor Elephant Sands beginnt die bekannte große Straßenbaustelle (road under construction). Kurz vor der Abfahrt zum Camp stand - wie zur Begrüßung - ein Elefant in der Baustelle. Muss sich wohl um einen indischen Arbeitselefanten gehandelt haben (augenreibende Marina)! Werbetechnisch aber ein Geniestreich für ES. Die Farmpad war übersäht mit Elefantendung und – oh Graus – vor der Rezeption stand ein großer Reisebus! Irgendwie ist heute nicht unser Glückstag.

Baustellenelefant an der A33
Baustelleneli

Wir werden recht kurz und ohne große Einweisung von Jaco begrüßet. Er entschuldigte sich noch einmal für seinen Fehler, es wäre sehr stressig in letzter Zeit auf Elephant Sands gewesen und er fragte uns dann noch vorwurfsvoll, warum wir uns selbst mit Safari Destinations in Verbindung gesetzt hätten. Tja, warum wohl? Schließlich ging es um unser Nachtlager für die nächsten Tage!

Chalet No. 6 sollte (und wurde, leider!) das unsrige. Es liegt etwas zurück versetzt. Das Chalet ist sehr rustikal eingerichtet (was uns aber schon bei Buchung teilweise bekannt war und aufgrund des Preise nicht weiter gestört hat). Aber rustikal ist nicht gleich rustikal! Das Chalet verfügt über keinen Schlüssel. „Die Elefanten bewachen dort alles"! Tja, wenn die mal da gewesen wären – doch dazu später mehr!

Elephant Sands
Barbereich, Elephant Sands
Chalet No.6, Elephant Sands
Chalet No.6, Elephant Sands
Chalet No.6, Elephant Sands
Chalet No.6, Elephant Sands
Chalet No. 6, Elephant Sands

Vor den beiden seitlichen Fensteröffnungen befinden sich keine Schreiben, sondern nur Fliegengitter. Also sind nachts Norwegersocken und Vliesjacke im Bett angesagt. Auf den Betten lag Fledermauskot: Nun gut, auf meinem Bett natürlich viel mehr wie auf Jochens, also nehme ich mein Mositonetz in Anspruch, auf dass mir nachts nicht die Nasenlöcher durch die Köttel verstopfen. Nasivin Nasenspray ist dafür wohl wirkungslos! Das Bad ist im oberen Teil lediglich mit Stroh verkleidet. Unangenehme Gerüche ziehen deshalb auch gut ab! Zahnputzgläser, Duschgel etc. = Fehlanzeige. Mit dem Badbeispiel auf der Homepage hatte unser Bad keine Ähnlichkeit... Da wir bereits im Vorfeld wussten, dass es in ES nur salziges Wasser gibt, haben wir uns mit großen Galonen Wasser aus dem Supermarkt versorgt.

 

Einem Vergleich mit der Dombo Farm hält dieses Objekt in keinster Weise stand.

 

Nachdem wir das Nötigste im Chalet verstaut hatten, wurde von uns erst einmal die Bar zwecks Kaffee- und Windhoek Lager-Testung aufgesucht. Was wir dort erblickten, übertrifft Hummeldumm um Längen. Eine (oder zwei) englischsprachige Reisegruppe – von wo auch immer! – nahm den kompletten Restaurant- und Poolbereich laut lärmend in Beschlag. Weißes Tüllröckchen mit türkisfarbenen Flip Flops und überdimensionaler künstlicher Lotusblume (im Röckchen steckte eine Dame in Kleidergröße 52+, Alter auch 52+) quälte meine Augen. Ein junges Mädel lief in Hotpants (breiter Gürtel) und aufreizendem Tanktop herum. Die Staffel von Germanys next Topmodel 2011 ist doch schon gelaufen?!

 

Nur gut, dass die Morgen wieder abreisen! Steckdosen gibt es übrigens keine im Chalet. Sämtliche Akkus können aber im Restaurantbereich geladen werden. Hoffentlich habe ich bei den Menschenmassen nicht plötzlich zwei Akkus für meine Kamera. Werde vorsichtshalber erst Morgen Vormittag bei der Ladestation andocken.

Elephant Sands
Elephant Sands
Boma, Elephant Sands

In der Boma, ich schrieb dort gerade den Bericht vom heutigen Tag, brannte bereits ein munteres Lagerfeuer. Tiere zeigten sich aufgrund des Gekreisches, des lauten Geredes sowie der stimmungsvollen Gesänge von der benachbarten Campsite leider nicht. Nun, ich hatte auch wirklich Verständnis für die Fauna. Wäre ich hier Tier, würde ich alle vier Beine in die Hand und Reißaus nehmen.

Die Reisegruppe, zu der auch einige Schweizerinnen gehören, macht eine Afrika-Intensiv-Kur: In drei Wochen Südafrika, Namibia, Botswana und VicFalls! Ich habe mich ja schon letztes Jahr für meine dreiwöchige klassische Namibiatour mit 5100 km geschämt. Also Leute – nichts ist unmöglich!

 

Das Abendessen in Buffetform war o.k. Wir zogen uns aber schnell aus besagten Gründen in unsere Hütte zurück. Schön das Moskitonetz köttelsicher um mein Bettchen drapiert, Vliesjacke übergeworfen und noch ein wenig im Reiseführer geschmökert.

 

Kaum war nächtens der Generator für den Strom ausgeschaltet und die Crazy-Bus-Group im Bett kamen die Elis trompetend ins Camp! Das zersplitternde Holz eines Baumes (könnte ja auch ein Chalet gewesen sein...) war laut zu hören. Hatte eine unruhige halbe Stunde, bevor mir die Augen zufielen.

Wasserloch, Elephant Sands
Lapa, Elephant Sands

Jochen:
Morgens heißt es Abschied nehmen und der fällt aus mehreren Gründen schwer. Erstens wäre ich gerne noch länger bei Heike und Uli geblieben und zweitens ist Marina bei allem schneller fertig als ich. Sagt mir, wir hätten noch Zeit, aber drängelt ständig, dass wir losmüssen!


Wir fahren bis zur nächsten Tankstelle (165 km) und nehmen 95 ltr. Sprit auf. Danach will ich meinem „Stelli" noch eine Geburtstagsmail zukommen lassen, aber Marina ist wieder am drängeln. Bin sauer!

In Nata angekommen geht's in einen Vogelpark, wo wir Pelikane und Flamingos sichten wollen.


Beeindruckend ist hier ein riesiger See. Man kann das andere Ufer kaum sehen, er wird aber kaum knietief sein kann, da überall im See Flamingos stehen.

Ich stelle den Wagen ab und Marina geht zum Ufer, um die Vögel besser fotografieren zu können. Als Marina zurückkommt, will ich ihr entgegenfahren und stelle fest, dass der Wagen ca. 5 cm eingesunken ist. Obwohl der Boden trocken ist, muss die darunterliegende Erde noch feucht sein.


Nach zwei Stunden durch Dreck fahren sind wir wieder draußen und nehmen Kurs Richtung Elephant Sands. Ca. 500 m vor der Einfahrt begrüßt uns ein Eli an einer Baustelle. Wir fahren aufs Gelände der Lodge, werden dort empfangen und beziehen unser „Chalet".


Kein Vergleich zur Dombo Farm. Alles offen, keine Fenster – nur Draht vor den Öffnungen, die mal Fenster werden wollen und der Nassbereich ist ab 1,5 m Höhe nur mit Schilfrohrmatten gegen Durchsicht geschützt.
Ein bisschen Schadenfreude kommt auf, als ich die Betten sehe.
Nur auf Marinas Bett (gerechte Strafe) lauter Fledermauskot. Hi, hi die Tierwelt ist auf meiner Seite!


Nach Auspacken und Frischmachen gehen wir zum Maincamp und setzen uns ans Lagerfeuer. Von Tieren keine Spur dafür aber eine typische Reisegruppe, die überall Unruhe verbreitet. Die Reisgruppe besteht aus Engländern, Schweizern und einem Duisburger, der auf mich zukommt und mir seine „Lebensgeschichte" mitteilt. Er erzählt mir, wo er schon überall gewesen ist und gibt als Wohnort Melbourne, Australien an. Ist auch schon in Angola, Namibia, SA, Kanada, Südamerika, Russland, Alaska usw. gewesen. Immer zu Fuß oder mit Jeep.


Na klar - und dann macht man eine dreiwöchige Busreise durch SA, Namibia, Botswana und Sambia, mit einem Haufen Touris, der sich aufführt, wie eine ganze Horde Hyänen. Die Truppe ist auch von der Altersstruktur mit einem Rudel zu vergleichen. Vom 20 bis 80 Jahren war alles vertreten.


Das anschließende Essen war gut, aber zu laut (Reisegruppe).
Natürlich kam bei dem Radau kein einziges Tier zum Wasserloch.
Sind dann relativ früh ins Bett gegangen.


Marina weckt mich irgendwann in der Nacht, weil sie einen Elefanten gehört hat. Ich möchte aber weiterschlafen und tue das auch. Die Eli's sollen gefälligst dann kommen, wenn ich wach bin.

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© Marina Meger 2017